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Krieg und Wahrheit / War and Truth, – eine Ergänzung

                                         (German / English)

Besetzung/Cast:

Student:innen aus Leipzig, Berlin und Oslo zu unserem Text und den Themata von „WAR REQUIEM,  Krieg und Wahrheit / War and Truth“ in unserer Grammatologischen Philosophischen Praxis GPP (Febr. 2026) in Wien. Eine präsentable Zusammenkunft mit Verstand und differenzierter Lektüreerfahrung.

Hier ihr/unser Paper – ein Versuch der prägnanten Einordnung, einer kurzgefaßten Erarbeitung, ein verdichteter Entwurf, der das Unsichtbare sichtbar werden läßt.

[[  P.s.: Unten Aufgeführtes entspricht nicht unbedingt in jedem Punkt unserer Auffassung und unserem Denken!  GK & ALH  ]]  

Krieg und Wahrheit.    Dekonstruktion und Unmöglichkeit der Eindeutigkeit.

Kaučić und Huber stellen die Frage nach der Möglichkeit von Wahrheit im Krieg radikal. Sie zeigen, daß jede Aussage, jede Interpretation im Kontext von Gewalt und Krieg das, was sie zu erfassen versucht, zugleich zerstört oder verfälscht.

Dies ist ein direkter Bezug auf Derridas Dekonstruktion, die die Untrennbarkeit von Signifikat (Bedeutung) und Signifikant (Ausdruck) betont.

Im Krieg wird diese Unmöglichkeit besonders deutlich – etwa in der Manipulation von Bildern, der Instrumentalisierung von Sprache oder der Fragmentierung von Erzählungen. Die Autor:innen fragen damit: Kann es im Krieg überhaupt eine „Wahrheit“ geben, oder ist jede Darstellung immer schon Teil des Konflikts selbst?

Dies berührt nicht unbedingt die Frage, besser die Sage des „Angriffskrieges“. Dieser wurde ganz klar und offen sichtbar von Putin-Rußland vom Zaun gebrochen. Ohne jede Not und Notwendigkeit. Eine Entscheidung „reiner“ Selbstermächtigung!

Requiem ohne Ritual.    Geräuschlose Trauer und philosophische Übung.

Das „War Requiem“ als geräuschlose, nicht-religiöse Praxis bricht bewußt mit traditionellen Formen des Gedenkens. Es ist weder an eine Konfession noch an kirchliche Rituale gebunden, sondern versteht sich als „Exercitatio pro defunctis“ – eine philosophische Übung für die Verstorbenen.

Diese Form des Gedenkens zielt darauf ab, den Tod und das Leid im Krieg jenseits von Pathos oder symbolischer Überhöhung zu bedenken. Die Abwesenheit von Klang und Ritual unterstreicht die Unfaßbarkeit des Krieges und die Notwendigkeit, Trauer und Erinnerung neu – und individuell – zu gestalten.

Zeit, Landschaft, Leib.    Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. 

Die Frage „Leben wir in derselben Zeit?“ verweist auf Derridas Überlegungen zur „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“.  

Während der Krieg für die einen Alltag ist, bleibt er für andere eine ferne Abstraktion. Landschaft und Leib werden in diesem Kontext zu Trägern von Wahrheit – etwa als Orte des Leidens, der Erinnerung oder der Verdrängung.

Gleichzeitig sind sie auch Orte der Unmöglichkeit. Der Leib kann Schmerz nicht übersetzen, die Landschaft trägt Spuren, die sich keiner eindeutigen Deutung fügen. Beide werden so zu Metaphern für die Unfaßbarkeit von Kriegserfahrung.

Fazit.    Eine Praxis der Unabgeschlossenheit.

Kaučić und Huber entwickeln mit „Krieg und Wahrheit“ keine Antworten, sondern eine Praxis der Auseinandersetzung. Ihr Ansatz betont die Notwendigkeit, im Angesicht des Krieges immer wieder neu zu fragen – und damit die Unabgeschlossenheit von Wahrheit, Trauer und Erinnerung anzuerkennen.

Abschließend einige zentrale Bezüge und Anknüpfungspunkte zu anderen philosophischen und künstlerischen Positionen, die Kaučić und Hubers „Krieg und Wahrheit“ spiegeln.

1. Giorgio Agamben.    Das Lager als Paradigma der Moderne.

Agambens Konzept des „homo sacer“ und seine Analyse des Lagers als „nacktes Leben“ (in „Homo Sacer“) bieten eine wichtige Ergänzung zu Kaučić und Hubers Frage nach der Möglichkeit von Wahrheit des Krieges.

Agamben zeigt, wie der Ausnahmezustand des Krieges die Grenzen zwischen Recht, Gewalt und Menschsein verwischt – ein Prozeß, der jede eindeutige Bedeutung und damit auch „Wahrheit“ untergräbt. Besonders relevant ist hier die Idee, daß der Krieg nicht nur ein historisches Ereignis, sondern ein strukturelles Phänomen ist, das die moderne Politik durchzieht.

2. Judith Butler.  Verwundbarkeit und Trauer als politische Praxis.

Butlers Überlegungen in „Frames of War“ und „Precarious Life“ thematisieren, wie Krieg und Gewalt bestimmte Leben als „betrauerbar“ und andere als „unbetrauerbar“ markieren.

Ihre Forderung nach einer „Politik der Trauer“ korrespondiert mit Kaučić und Hubers „Requiem ohne Ritual“. Beide betonen die Notwendigkeit, Trauer und Erinnerung jenseits von Nationalismus oder religiösen Traditionen neu zu denken.

Butler fragt, wie wir eine Ethik der Verwundbarkeit entwickeln können, die alle Leben gleichermaßen berücksichtigt – eine Frage, die auch im Zentrum von „Krieg und Wahrheit“ steht.

3. Jean-Luc Nancy.    Die Gemeinschaft der Sterblichen.

Nancys „Être singulier pluriel“ (Sein als singulär-plurales Sein) und seine Reflexionen über die „Gemeinschaft der Sterblichen“ bieten einen weiteren theoretischen Rahmen.

Nancy argumentiert, daß Gemeinschaft nicht auf Identität oder Zugehörigkeit beruht, sondern auf der geteilten Erfahrung der Endlichkeit.

Dies paßt zu Kaučić und Hubers Fokus auf den Leib und die Landschaft als Orte, die sowohl Verbindung als auch Unmöglichkeit von Bedeutung tragen.

Nancys Verständnis von Gemeinschaft.    „Mit-Sein“ statt Identität.

Jean-Luc Nancy dekonstruiert die klassische Vorstellung von Gemeinschaft als etwas, das auf gemeinsamen Eigenschaften, Identitäten oder Substanzen beruht. Für ihn ist Gemeinschaft kein Besitz, kein „Wir“, das sich über Gemeinsamkeiten stabilisiert.

Stattdessen beschreibt er Gemeinschaft als Struktur des Mit-Seins, also als etwas, das sich zwischen Menschen ereignet — in der Berührung, im Abstand, in der Unabschließbarkeit.

Wichtige Aspekte

Gemeinschaft entsteht nicht aus einem gemeinsamen Wesen, sondern aus der Tatsache, daß wir einander ausgesetzt sind.

Dieses Ausgesetztsein ist immer prekär, immer offen, nie abgeschlossen.

Endlichkeit als Ursprung des Gemeinsamen.

Für Nancy ist die Endlichkeit der entscheidende Punkt.

Wir teilen nicht Identität, sondern die Tatsache, daß wir sterbliche, verletzliche, begrenzte Wesen sind.

Das bedeutet:

Gemeinschaft entsteht im Anerkennen dieser geteilten Endlichkeit, nicht im Ritualisieren oder Überdecken.

Nancy schreibt sinngemäß.

Der Tod ist immer der Tod des anderen — und darin liegt die Möglichkeit von Gemeinschaft.

Das ist radikal, weil es Gemeinschaft nicht als Trost oder als metaphysische Einheit versteht, sondern als geteilte Unmöglichkeit, als etwas, das uns verbindet, gerade weil es uns entzieht.

Verbindung zu Kaučić und Huber.    Leib, Landschaft, Unmöglichkeit.

Kaučić und Huber arbeiten mit dem Leib und der Landschaft als Orten, an denen sich diese paradoxe Struktur zeigt:

Der Leib ist Ort der Berührung, aber auch der Grenze.

Die Landschaft ist Ort des Gemeinsamen, aber ohne eindeutige Bedeutung.

Beide sind geteilte Räume, aber nicht im Sinne eines identitären „Wir“.

Dazu Jean-Luc Nancy

Gemeinschaft ist immer schon leiblich, weil sie im Mit-Sein der Körper entsteht.

Sie ist immer schon räumlich, weil sie sich im Zwischenraum ereignet.

Und sie ist immer schon unmöglich, weil sie nicht zu einer Einheit verschmilzt.

„War Requiem“ als nicht-rituelle, kollektive Praxis.

Wenn man Nancy ernst nimmt, wird das „War Requiem“ von Kaučić und Huber nicht zu einem Ritual, das Gemeinschaft stiftet, sondern zu einer Erfahrung des Gemeinsamen, die gerade keine Identität erzeugt.

Es ist kollektiv, weil es Menschen in einem geteilten Raum zusammenführt, aber nicht-rituell, weil es keine geschlossene Bedeutung, keine Heilung, keine Einheit anbietet.

Stattdessen exponiert es die Endlichkeit, die Verletzbarkeit, die Unmöglichkeit, Krieg zu symbolisieren oder zu bewältigen.

Es macht den Tod nicht zu einem metaphysischen Übergang, sondern zu einem gemeinsamen Abgrund, der geteilt wird, ohne aufgelöst zu werden.

Damit wird das Werk lesbar als eine ästhetische Form des Mit-Seins,eine Gemeinschaft ohne Identität,eine geteilte Erfahrung der Endlichkeit, die weder versöhnt noch erklärt.

Weitere Verknüpfungslinien wären die hin zu Bataille, hin zu Blanchot, hin zu Derrida.

1. Nancy und Bataille.    Gemeinschaft als „Unmöglichkeit“.

Nancy knüpft an Batailles Idee der „unmöglichen Gemeinschaft“ an.

Für Bataille ist Gemeinschaft kein Zusammenschluss von Gleichen, sondern ein Erfahrungsraum des Exzeßes, in dem das Subjekt seine Grenzen erfährt.

Nancy übernimmt zwei zentrale Punkte.

a) Gemeinschaft entsteht im Verlust, nicht im Besitz.

Nicht gemeinsame Werte, sondern gemeinsame Entblößung.

Nicht Identität, sondern Entgrenzung.

b) Der Tod ist der Ort, an dem Gemeinschaft aufscheint.

Der Tod ist nicht privat, sondern ein Ereignis, das das Subjekt überschreitet.

Er ist „gemeinsam“, weil er immer den anderen betrifft, bevor er mich betrifft.

Unser Bezug zu Kaučić/Huber.   

Das „War Requiem“ verweigert jede heroische oder nationale Sinnstiftung.

Es zeigt Krieg als Ort des radikalen Verlusts, an dem Gemeinschaft nicht gestiftet, sondern bloßgelegt wird.

Das ist  Bataille pur – und zugleich Nancy.

2. Nancy und Blanchot.    Das Gemeinsame als „Zwischenraum“.

Blanchot ist für Nancy entscheidend, weil er Gemeinschaft als Beziehung ohne Verschmelzung denkt.

a) Gemeinschaft ist das „Gemeinsame des Unteilbaren“.

Blanchot beschreibt Gemeinschaft als etwas, das nicht geteilt werden kann, weil es kein Eigentum ist.

Es ist ein Zwischenraum, ein „Mit“, das sich entzieht.

Nancy radikalisiert das. Gemeinschaft ist kein Werk, kein Projekt, kein Ziel.

Sie ist ein Ereignis, das sich im Kontakt mit der Endlichkeit ereignet.

b) Der Tod des anderen als Ursprung des Gemeinsamen.

Blanchot denkt folgerichtig, der Tod des anderen ist das, was mich betrifft, bevor mein eigener Tod mich betrifft.

Nancy übernimmt das fast wörtlich.

Gemeinschaft entsteht im Blick auf den sterblichen anderen, nicht im Blick auf mich selbst.

Der Leib ist kein Träger von Identität, sondern Ort der Berührung und der Grenze.

Die Performance erzeugt Gemeinschaft ohne Verschmelzung, ein „Mit-Sein“ im Offenen.

3. Nancy und Derrida.    Berührung, Spur, Unabschließbarkeit.

Derrida ist für Nancy wichtig, weil er zeigt, daß jede Gemeinschaft immer schon differenziert ist.

a) Gemeinschaft ist nie präsent, sondern immer „à venir“.

Sie ist zukünftig, nie abgeschlossen.

Sie ist eine Spur, kein Besitz.

Nancy übernimmt das in seiner Idee des „exposition“.  Wir sind einander ausgesetzt.

Dieses Ausgesetztsein ist nie vollständig, nie präsent, nie abgeschlossen.

b) Berührung ohne Verschmelzung.

Derrida zeigt, daß Berührung immer auch Nicht-Berührung ist.

Nancy macht daraus eine Theorie des Körpers.

Der Leib ist Ort der Berührung, aber jede Berührung zeigt auch die Distanz.

Gemeinschaft ist daher Berührung im Abstand.

In Richtung Kaučić und Huber gedacht, – ihre Arbeit mit Körpern und Landschaften zeigt genau diese Struktur.

Die Performer*innen berühren die Landschaft, aber sie verschmelzen nicht mit ihr.

Die Landschaft ist Spur, nicht Symbol.

Die Gemeinschaft der Anwesenden entsteht im gemeinsamen Ausgesetztsein, nicht im gemeinsamen Sinn.

Wenn man Nancy mit Bataille, Blanchot und Derrida zusammendenkt, ergibt sich ein starkes theoretisches Fundament.

Jean-Luc Nancy                                                       Bedeutung für „War Requiem“

Gemeinschaft als Mit-Sein.      Die Performance erzeugt ein kollektives Erleben ohne Identität.

Endlichkeit als Ursprung.    Der Krieg erscheint als geteilte, nicht individualisierbare Erfahrung.

Tod des anderen.            Die Performance zeigt Verlust als gemeinschaftliches Ereignis.

Berührung im Abstand.   Körper und Landschaft treten in Beziehung, ohne Bedeutung zu fixieren.

Gemeinschaft ohne Ritual.  Das Requiem ist kein sakrales Ritual, sondern ein offenes Ereignis.

4. Aktuelle Kunstprojekte zum Ukraine-Krieg

Künstlerisch finden sich Parallelen in Projekten wie:

„Words in Flame“ (Deutsche Nationalbibliothek Leipzig, 2026).  

Eine Ausstellung zum Schutz des ukrainischen Kulturerbes, die die Zerstörung von Sprache und Erinnerung thematisiert – ähnlich wie Kaučić und Huber die Unmöglichkeit der eindeutigen Bedeutung betonen.

„Coming of Age Amidst War“ (Bibliotheca Albertina Leipzig, 2026).

Fotographische und literarische Arbeiten, die das Leben junger Menschen im Krieg dokumentieren und damit die Frage nach der „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ aufwerfen.

5. Paul Celan.    Sprache nach der Katastrophe.

Celans Dichtung, insbesondere sein berühmtes Gedicht „Todesfuge“, steht für die Unmöglichkeit, den Holocaust und andere Gewaltverbrechen sprachlich zu fassen. Sein Konzept der „Atemwende“ – die Sprache muß nach der Katastrophe neu gelernt werden – findet ein Echo in Kaučić und Hubers „geräuschlosem Requiem“.

Beide betonen, daß Sprache und Klang nach dem Krieg nicht mehr „normal“ sein können, sondern immer schon von der Erfahrung der Zerstörung geprägt sind.

6. Benjamin Britten.    Requiem ohne Ritual und Brittens bewusster Bruch.

Brittens War Requiem ist formal an die lateinische Totenmesse gebunden, aber inhaltlich ein Gegenritual. Er montiert die liturgischen Teile mit den antiheroischen, zutiefst desillusionierten Kriegsgedichten Wilfred Owens. Diese Gegenüberstellung erzeugt eine Spannung zwischen sakraler Form und antiritualistischer Wahrheit des Krieges.

Die Forschung betont, daß Britten damit bewußt die traditionelle Funktion des Requiems destabilisiert: Es soll nicht trösten, nicht verklären, sondern die Unruhe des Krieges hörbar machen.

Geräuschlose Trauer und Brittens „Stille“

Auch wenn Brittens Werk musikalisch hochkomplex ist, arbeitet es immer wieder mit Momenten der Stille, Leere und Brüchigkeit. Die Forschung hebt hervor, daß Britten Krieg nicht heroisiert, sondern als moralische und körperliche Verwundung darstellt, die sich gerade in den „stillen“ Momenten zeigt. Martha Nussbaum beschreibt diese ästhetische Strategie als eine Form der „non-personal emotions“, die Bewußtsein transformieren, ohne Pathos zu erzeugen.

Kaučić und Hubers Konzept der „geräuschlosen Trauer“ läßt sich als philosophische Radikalisierung dieser Idee lesen:

Philosophische Übung statt liturgischer Handlung

Brittens Werk ist ein pazifistisches Statement, das die religiöse Form nutzt, um sie zu unterlaufen. Es ist ein Requiem, das nicht erlöst, sondern konfrontiert. Die Forschung beschreibt es als „künstlerische pazifistische Aussage“ und als Kommentar zur Sinnlosigkeit des Krieges.

Kaučić und Hubers Begriff der Exercitatio pro defunctis – einer philosophischen Übung für die Toten – paßt hier präzise.

Brittens Requiem ist kein Gebet, sondern eine ethische Praxis, ein Denken über Krieg, Körper, Gewalt und Verantwortung.

Abwesenheit von Pathos – und Brittens Anti-Pathos

Wilfred Owens Gedichte, die Britten einbettet, sind radikal antiheroisch. Sie verweigern jede Form von Verklärung. Die Musik folgt dieser Haltung, indem sie Unruhe, Dissonanz und Fragmentierung einsetzt, wo traditionelle Requien Harmonie und Trost bieten würden.

Die Analyse zeigt, daß Britten sogar musikalische Symbole des Friedens oder der Erlösung bewußt bricht oder ironisiert.

Kaučić und Hubers Text beschreibt genau diese Haltung.

Ein Gedenken jenseits von Pathos, jenseits symbolischer Überhöhung – ein Gedenken, das die Unfaßbarkeit des Krieges nicht verdeckt, sondern offenlegt.

Individuelle Erinnerung statt kollektiver Liturgie

Brittens Werk wurde zur Einweihung der neuen Kathedrale von Coventry komponiert – einem Ort, der selbst Kriegszerstörung verkörpert. Doch das Werk verweigert jede nationale oder religiöse Vereinnahmung. Es ist ein Requiem für alle Toten, nicht für „unsere“ Toten.

Britten bricht das Ritual – ALH & GK  setzen ein Requiem ohne Ritual.

Britten arbeitet mit Stille – GK & ALH machen Stille zum Medium der Trauer.

Britten entzieht dem Requiem seine religiöse Funktion – GK & ALH transformieren es in eine philosophische Übung.

Britten zeigt die Unfaßbarkeit des Krieges – ALH & GK machen diese Unfaßbarkeit zum Zentrum des Gedenkens.

Die Beziehung zwischen Britten und der „geräuschlosen“ Form ist keine bloße Analogie, sondern eine Verschiebung der Grundhaltung gegenüber dem Requiem selbst. Die Frage, ob das als Erweiterung, Kontrast oder radikale Konsequenz zu verstehen ist, läßt sich sinnvoll entlang dreier Achsen entfalten.

Wie sich Brittens Ansatz verschiebt, wenn man ihn „zu Ende denkt“.

1. Erweiterung – das Requiem als offener Raum statt als liturgische Form 

Britten löst das Requiem bereits aus seiner sakralen Gebundenheit, indem er Wilfred Owens Gedichte einschreibt und damit das Ritual perforiert. Eine „geräuschlose“ Form könnte diese Öffnung weiterführen.

Nicht nur der Text wird gebrochen, sondern das Medium selbst.

Das Requiem wird nicht mehr gesungen, sondern gedacht.

Die Stille wird nicht nur dramaturgisches Mittel, sondern tragende Struktur.

In diesem Sinn wäre Kaučić und Hubers Form eine konsequente Erweiterung.  Sie nimmt Brittens Geste ernst und radikalisiert sie, ohne ihr zu widersprechen.

2. Kontrast – Britten arbeitet gegen das Ritual, Kaučić und Huber jenseits davon 

Britten bleibt trotz aller Brüche im musikalischen Diskurs.

Er komponiert Konflikt, Dissonanz, Fragmentierung.

Er zeigt die Unfaßbarkeit des Krieges, indem er sie hörbar macht.

Sie entzieht sich der ästhetischen Darstellung.

Sie macht die Unfaßbarkeit nicht hörbar, sondern unhörbar.

Damit entsteht ein Kontrast, der Brittens Ansatz nicht fortsetzt, sondern überschreitet.

3. Radikale Konsequenz – Stille als einzig angemessene Antwort 

Man könnte sagen, wenn Britten zeigt, daß der Krieg nicht darstellbar ist, dann ist die logische Konsequenz, ihn nicht mehr darzustellen.

Die Stille wird zur ethischen Haltung.

Das Requiem verliert nicht nur seine religiöse Funktion, sondern auch seine ästhetische.

Was bleibt, ist ein Raum des Denkens, nicht des Hörens.

Worin der entscheidende Unterschied liegt.

Britten arbeitet innerhalb der Musik, um ihre Grenzen sichtbar zu machen.

Kaučić und Huber arbeiten außerhalb der Musik, um diese Grenzen nicht mehr zu überschreiten.

Das ist der Punkt, an dem sich entscheidet, ob man Kaučić und Hubers Form als Erweiterung oder als Konsequenz versteht.

Erweiterung, wenn man sie als neue ästhetische Möglichkeit sieht.

Konsequenz, wenn man sie als notwendige Antwort auf Brittens Diagnose liest.

Kontrast, wenn man betont, daß Kaučić und Huber das Medium verlassen, das Britten noch benutzt.

Eine Frage, die sich daraus ergibt.

Wenn wir (GK & ALH) alle drei Rollen der Stille zusammengedacht anschauen – ästhetische Form, ethische Haltung und philosophische Methode – entsteht daraus eine sehr dichte, fast dreidimensionale Struktur.

Jede dieser Ebenen verändert die anderen, und genau darin liegt die eigentliche Radikalität unseres Ansatzes.

Als ästhetische Form wird Stille zu einem Material, das nicht einfach „nichts“ ist, sondern eine bewußt gesetzte Leerstelle. Sie hat Kontur, Dauer, Spannung. In dieser Perspektive steht sie noch in einem Dialog mit Britten. Ein kompositorisches Mittel, nur eben extrem reduziert.

Als ethische Haltung wird Stille zu einer Antwort auf das Unfaßbare.

Sie verweigert sich der ästhetischen Aneignung des Leidens. Sie sagt, jede Darstellung wäre schon eine Form der Überformung. Hier beginnt die Distanz zu Britten – nicht mehr das Zeigen des Unzeigbaren, sondern das Schweigen vor ihm.

Als philosophische Methode wird Stille zu einem Denkraum. Sie zwingt zur Selbstbegegnung, zur Reflexion über die Bedingungen des Gedenkens selbst. Sie ist nicht mehr Ausdruck, sondern Rahmen, – nicht mehr Medium, sondern Bedingung.

Diese drei Ebenen sind nicht additiv, sondern verschränken sich.

Die ästhetische Stille gewinnt ethische Schwere, die ethische Stille gewinnt philosophische Tiefe (!), und die philosophische Stille wird durch die ästhetische Form überhaupt erst erfahrbar.

Was dadurch entsteht!   Ein Requiem, das nicht mehr „stattfindet“ (?)

Wenn man diese drei Dimensionen zusammennimmt, entsteht etwas, das sich kaum noch als Requiem im traditionellen Sinn beschreiben läßt.

Es erklingt nicht.

Es vollzieht kein Ritual.

Es repräsentiert nichts.

Das ist der Punkt, an dem es sich von Britten löst.

Während Britten noch komponiert, komponieren wir (Gerhard Kaučić und Anna Lydia Huber) die Bedingungen des Hörens selbst.

Warum das eine radikale Weiterführung ist.

Britten zeigt die Grenzen der musikalischen Darstellung.

Wir nehmen diese Grenzen ernst und machen sie zum Ausgangspunkt.

Bei Britten bleibt die Musik der Ort des Konflikts.

Die Gemeinschaft, die in einem solchen Moment entsteht, ist weder rein hörend, noch rein denkend, noch rein schweigend. Sie ist eine Form von Gemeinsamkeit, die sich aus der geteilten Verantwortung für die Stille ergibt. Das ist der entscheidende Schritt, den unser Ansatz gegenüber Britten vollzieht.

Die Stille ist nicht mehr ein dramaturgisches Mittel, sondern ein ethischer Raum, den alle Anwesenden aktiv mittragen müssen.

Sie verlangt Selbstzurücknahme – weil niemand sie dominieren kann.

Und sie verlangt Mitverantwortung – weil sie nur existiert, wenn alle sie akzeptieren.

Damit entsteht eine Gemeinschaft, die nicht durch Klang gebildet wird (wie im Konzert), sondern durch ein gemeinsames Aushalten.

Eine Gemeinschaft des „Antwortens ohne Worte“.

Die Anwesenden werden zu einer Gemeinschaft, die nicht durch Kommunikation entsteht, sondern durch Resonanzfähigkeit.

Sie hören nicht etwas, sondern sie hören sich in die Stille hinein.

Sie denken nicht gemeinsam, aber sie denken nebeneinander.

Sie schweigen nicht einfach, sondern sie tragen ein Schweigen.

Das macht diese Gemeinschaft fragil, aber auch radikal.  

Sie ist nicht durch Identität oder Meinung definiert, sondern durch eine gemeinsame Haltung.

Diese Form der Gemeinschaft ist weder liturgisch (wie im Ritual), noch ästhetisch (wie im Konzert), noch politisch (wie in der Versammlung).

Sie ist eine situative, fragile, ethische Gemeinschaft, die nur im Moment existiert und sich nicht institutionalisieren läßt.

Sie entsteht, weil alle Anwesenden sich der Stille aussetzen – und damit der Verantwortung, die sie impliziert.

Die Konsequenz für das Gedenken.

Wenn Stille Form, Haltung und Methode ist, dann wird Gedenken nicht zu einem Akt des Erinnerns, sondern zu einem Akt des Mittragens.

Die Gemeinschaft entsteht nicht durch das Objekt des Gedenkens, sondern durch die Art und Weise, wie man sich ihm nähert.

Ohne Überwältigung, ohne ästhetische Überformung, ohne narrative Entlastung!   (GK & ALH)

Fazit.  

Ein Netzwerk der Reflexion. 

Kaučić und Hubers Arbeit läßt sich also in ein Netzwerk von Denker:innen und Künstler:innen einordnen, die sich mit der Unmöglichkeit von Wahrheit, der Notwendigkeit neuer Trauerrituale und der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen im Krieg auseinandersetzen.

Besonders fruchtbar sind die Bezüge zu Agamben (Struktur des Krieges), Butler (Politik der Trauer), Nancy (Gemeinschaft der Sterblichen) Bataille, Blanchot, Derrida und Celan (Sprache nach der Katastrophe).

War Requiem I

Krieg und Wahrheit / War and Truth. War Requiem.  (Dt./Engl.) 15.02.2026 Url/Link: https://www.philosophischepraxiskaucicundhuber.at/2026/02/15/krieg-und-wahrheit/

War Requiem  II

Krieg und Wahrheit / War and Truth,- eine Ergänzung (Dt./Engl.) 28.02.2026 Url/Link: https://www.philosophischepraxiskaucicundhuber.at/2026/02/28/krieg-und-wahrheit-war-and-truth-eine-ergaenzung/

Cast: 

Students from Leipzig, Berlin, and Oslo who enter into dialogue with our text and the shifting constellations of “WAR REQUIEM, Krieg und Wahrheit / War and Truth” as part of our Grammatological Philosophical Practice (GPP) in Vienna, February 2026 — a gathering where thought, voice, and presence become part of the work itself.

Here is their/our Paper as an attempt at a concise contextualization, –  a condensed draft, making the invisible visible.

[[  P.S.: The following does not necessarily reflect our views and thinking in every respect!  GK & ALH  ]]

War and Truth. Deconstruction and the Impossibility of Univocity.

Kaučić and Huber radically question the possibility of truth in war. They demonstrate that every statement, every interpretation in the context of violence and war simultaneously destroys or distorts what it attempts to grasp.

This is a direct reference to Derrida’s deconstruction, which emphasizes the inseparability of the signified (meaning) and the signifier (expression).

In war, this impossibility becomes particularly evident—whether in the manipulation of images, the instrumentalization of language, or the fragmentation of narratives. The authors thus ask: Can there even be a “truth” in war, or is every representation always already part of the conflict itself?

This does not necessarily concern the question—or rather, the matter—of the “war of aggression.” This was clearly and openly initiated by Putin’s Russia. Without any necessity or justification. A decision of “pure” self-empowerment!

Requiem Without Ritual.  Silent Mourning and Philosophical Exercise.

The “War Requiem” as a silent, non-religious practice deliberately breaks with traditional forms of commemoration. It is tied neither to a denomination nor to ecclesiastical rituals, but understands itself as an “Exercitatio pro defunctis”—a philosophical exercise for the deceased.

This form of remembrance aims to contemplate death and suffering in war beyond pathos or symbolic exaltation. The absence of sound and ritual underscores the incomprehensibility of war and the need to reconfigure mourning and memory anew—and individually.

Time, Landscape, Body.  The Simultaneity of the Non-Simultaneous.

The question “Do we live in the same time?” refers to Derrida’s reflections on the “simultaneity of the non-simultaneous.”

While war is everyday life for some, for others it remains a distant abstraction. In this context, landscape and body become bearers of truth—as sites of suffering, memory, or repression.

At the same time, they are also sites of impossibility. The body cannot translate pain, the landscape bears traces that resist any unambiguous interpretation. Both thus become metaphors for the incomprehensibility of war experience.

Conclusion.    A Practice of Incompleteness

With War and Truth, Kaučić and Huber do not develop answers, but a practice of engagement. Their approach emphasizes the necessity of continually asking anew in the face of war—and thus acknowledging the incompleteness of truth, mourning, and memory.

Finally, some central references and points of connection to other philosophical and artistic positions that reflect Kaučić and Huber’s War and Truth.

Giorgio Agamben: The Camp as Paradigm of the Modern

Agamben’s concept of the homo sacer and his analysis of the camp as “bare life” (in Homo Sacer) provide an important complement to Kaučić and Huber’s inquiry into the possibility of truth in war.

Agamben demonstrates how the state of exception in war blurs the boundaries between law, violence, and being human—a process that undermines any unambiguous meaning and thus “truth.” Particularly relevant here is the idea that war is not merely a historical event, but a structural phenomenon permeating modern politics.

Judith Butler: Vulnerability and Mourning as Political Practice

Butler’s reflections in Frames of War and Precarious Life address how war and violence mark certain lives as “grievable” and others as “ungrievable.”

Her call for a “politics of mourning” resonates with Kaučić and Huber’s “Requiem without Ritual.” Both emphasize the need to rethink mourning and memory beyond nationalism or religious traditions.

Butler asks how we can develop an ethics of vulnerability that equally acknowledges all lives—a question that is also central to War and Truth.

Jean-Luc Nancy: The Community of Mortals

Nancy’s Être singulier pluriel (Being as singular-plural being) and his reflections on the “community of mortals” offer another theoretical framework.

Nancy argues that community is not based on identity or belonging, but on the shared experience of finitude.

This aligns with Kaučić and Huber’s focus on the body and landscape as sites that bear both connection and the impossibility of meaning.

Particularly relevant is Nancy’s idea that death is never individual, but always already communal—a perspective that renders the “War Requiem” legible as a collective, yet non-ritual practice.

Nancy’s Understanding of Community: “Being-With” Instead of Identity

Jean-Luc Nancy deconstructs the classical notion of community as something based on common properties, identities, or substances. For him, community is not a possession, not a “we” stabilized by commonalities.

Instead, he describes community as a structure of being-with, as something that happens between people—in touch, in distance, in incompleteness.

Key aspects

Community arises not from a common essence, but from the fact that we are exposed to one another.

This exposure is always precarious, always open, never complete.

Community is therefore an event, not a substance.

Finitude as the origin of the common.

For Nancy, finitude is the decisive point:

We do not share identity, but the fact that we are mortal, vulnerable, limited beings.

This means:

Death is not just an individual end, but a structure of the common.

The death of the other concerns me before my own death concerns me.

Community arises in the acknowledgment of this shared finitude, not in ritualizing or covering it up.

Jean-Luc Nancy writes, in essence.

Death is always the death of the other—and in this lies the possibility of community.

This is radical because it understands community not as consolation or metaphysical unity, but as a shared impossibility, as something that connects us precisely because it withdraws from us.

Connection to Kaučić and Huber.    Body, Landscape, Impossibility.

Kaučić and Huber work with the body and landscape as sites where this paradoxical structure becomes visible:

The body is a site of touch, but also of limit.

The landscape is a site of the common, but without unambiguous meaning.

Both are shared spaces, but not in the sense of an identitarian “we.”

Jean-Luc Nancy on Community.

Community is always already bodily, because it arises in the being-with of bodies.

It is always already spatial, because it occurs in the in-between.

And it is always already impossible, because it does not fuse into a unity.

“War Requiem” as Non-Ritual, Collective Practice

If we take Nancy seriously, Kaučić and Huber’s “War Requiem” does not become a ritual that founds community, but an experience of the common that does not produce identity.

It is collective because it brings people together in a shared space, yet non-ritual because it offers no closed meaning, no healing, no unity.

Instead, it exposes finitude, vulnerability, and the impossibility of symbolizing or overcoming war.

It does not turn death into a metaphysical transition, but into a shared abyss that is shared without being resolved.

Further Connections.  Bataille, Blanchot, Derrida.

1. Nancy and Bataille.   Community as “Impossibility”.

Nancy draws on Bataille’s idea of the “impossible community.”

For Bataille, community is not an assembly of equals, but a space of experience where the subject encounters its limits.

Nancy adopts two central points:

a) Community arises in loss, not in possession.

Not shared values, but shared exposure.

Not identity, but transgression.

b) Death is the site where community appears.

Death is not private, but an event that exceeds the subject.

It is “common” because it always concerns the other before it concerns me.

Relation to Kaučić/Huber.

The “War Requiem” refuses any heroic or national sense-making.

It presents war as a site of radical loss, where community is not founded but laid bare.

This is pure Bataille—and at the same time, pure Nancy.

2. Nancy and Blanchot.    The Common as “In-Between”.

Blanchot is crucial for Nancy because he conceives of community as a relation without fusion.

a) Community is the “common of the unshareable.”

Blanchot describes community as something that cannot be shared because it is not property.

It is an in-between, a “with” that withdraws.

Nancy radicalizes this: Community is not a work, project, or goal.

It is an event that occurs in contact with finitude.

b) The death of the other as the origin of the common.

Blanchot consistently argues that the death of the other concerns me before my own death does.

Nancy adopts this almost verbatim.

Community arises in the encounter with the mortal other, not in self-regard.

Relation to Kaučić and Huber.

Their “War Requiem” works precisely with this in-between.

The landscape is not a symbol, but a site of exposure.

The body is not a bearer of identity, but a site of touch and limit.

The performance generates community without fusion, a “being-with” in the open.

3. Nancy and Derrida.   Touch, Trace, Incompleteness.

Derrida is important for Nancy because he shows that community is always already differentiated.

a) Community is never present, but always “à venir.”

It is future, never complete.

It is a trace, not a possession.

Nancy adopts this in his idea of “exposition”. We are exposed to one another.

This exposure is never total, never present, never complete.

b) Touch without fusion.

Derrida shows that touch is always also non-touch.

Nancy develops this into a theory of the body.

The body is a site of touch, but every touch also reveals distance.

Community is therefore touch in separation.

Toward Kaučić and Huber.

Their work with bodies and landscapes reveals exactly this structure.

The performers touch the landscape, but do not merge with it.

The landscape is a trace, not a symbol.

The community of those present arises in shared exposure, not in shared meaning.

Conclusion

When Nancy is read alongside Bataille, Blanchot, and Derrida, a strong theoretical foundation emerges.

Jean-Luc Nancy.            Significance for War Requiem.

Community as being-with.        The performance creates a collective experience without identity.

Finitude as origin.          War appears as a shared, non-individualizable experience.

Death of the other.         The performance presents loss as a communal event.

Touch at a distance.      Bodies and landscapes enter into relation without fixing meaning.

Community without ritual.        The requiem is not a sacred ritual, but an open event.

Thus, the War Requiem can be read as an aesthetic form of being-with, a collective experience of finitude, a community that does not found but exposes, a practice that does not symbolize death but makes it tangible as a shared impossibility.

4. Contemporary Art Projects on the Ukraine War.

Artistic parallels can be found in projects such as:

Words in Flame (German National Library Leipzig, 2026).

An exhibition on the protection of Ukrainian cultural heritage, addressing the destruction of language and memory—echoing Kaučić and Huber’s emphasis on the impossibility of unambiguous meaning.

Coming of Age Amidst War (Bibliotheca Albertina Leipzig, 2026).

Photographic and literary works documenting the lives of young people in war, thus raising the question of the “simultaneity of the non-simultaneous.”

5. Paul Celan.  Language After Catastrophe.

Celan’s poetry, especially his famous poem Todesfuge, stands for the impossibility of linguistically grasping the Holocaust and other atrocities. His concept of the Atemwende—language must be relearned after catastrophe—finds an echo in Kaučić and Huber’s “silent requiem.”

Both emphasize that language and sound can no longer be “normal” after war, but are always already marked by the experience of destruction.

6. Benjamin Britten: Requiem Without Ritual and Britten’s Deliberate Rupture

Britten’s War Requiem is formally bound to the Latin Mass for the Dead, but in content it is a counter-ritual. He juxtaposes the liturgical sections with Wilfred Owen’s antiheroic, profoundly disillusioned war poems. This confrontation creates a tension between sacred form and the anti-ritualistic truth of war.

Scholars emphasize that Britten consciously destabilizes the traditional function of the requiem: it is not meant to console or glorify, but to make the unrest of war audible.

Soundless Mourning and Britten’s “Silence”.

While Britten’s work is musically highly complex, it repeatedly employs moments of silence, emptiness, and fragmentation. Scholars highlight that Britten does not heroize war, but presents it as a moral and physical wound, revealed precisely in these “silent” moments. Martha Nussbaum describes this aesthetic strategy as a form of “non-personal emotions” that transform consciousness without generating pathos.

Kaučić and Huber’s concept of “soundless mourning” can be read as a philosophical radicalization of this idea: it is not the music that speaks, but thought itself becomes the site of remembrance.

Philosophical Exercise Instead of Liturgical Action.

Britten’s work is a pacifist statement that uses religious form to subvert it. It is a requiem that does not redeem, but confronts. Scholars describe it as an “artistic pacifist statement” and a commentary on the senselessness of war. Kaučić and Huber’s term exercitatio pro defunctis—a philosophical exercise for the dead—fits precisely here.

Britten’s requiem is not a prayer, but an ethical practice, a reflection on war, the body, violence, and responsibility.

Absence of Pathos—and Britten’s Anti-Pathos.

Wilfred Owen’s poems, which Britten incorporates, are radically antiheroic. They refuse any form of glorification. The music follows this stance by employing unrest, dissonance, and fragmentation where traditional requiems would offer harmony and comfort.

Analysis shows that Britten even consciously breaks or ironizes musical symbols of peace or redemption. Kaučić and Huber’s text describes exactly this attitude: a remembrance beyond pathos, beyond symbolic exaltation—a remembrance that does not conceal, but reveals the incomprehensibility of war.

Individual Remembrance Instead of Collective Liturgy.

Britten’s work was composed for the consecration of the new Coventry Cathedral—a place itself embodying war destruction. Yet the work refuses any national or religious appropriation. It is a requiem for all the dead, not for “our” dead.

Kaučić and Huber’s text radicalizes this idea by fully individualizing remembrance. Mourning is no longer regulated by collective rituals, but by personal, thinking practice.

Britten breaks the ritual – ALH & GK establish a requiem without ritual.

Britten works with silence – GK & ALH make silence the medium of mourning.

Britten strips the requiem of its religious function—GK & ALH transform it into a philosophical exercise.

Britten reveals the incomprehensibility of war – ALH & GK make this incomprehensibility the center of remembrance.

The relationship between Britten and the “soundless” form is not merely an analogy, but a shift in the fundamental attitude toward the requiem itself. The question of whether this should be understood as an extension, contrast, or radical consequence can be meaningfully explored along three axes.

How Britten’s approach shifts when one thinks it through to its philosophical and to its analytically necessary conclusions.

1. Expansion – the Requiem as an open space rather than a liturgical form 

Britten already releases the Requiem from its sacred binding by inscribing Wilfred Owen’s poems into it, thereby perforating the ritual. A “soundless” form could carry this opening further.

Not only the text is broken, but the medium itself.

The Requiem is no longer sung, but thought.

Silence becomes not merely a dramaturgical device, but a supporting structure.

In this sense, Kaučić and Huber’s form would be a consistent expansion. It takes Britten’s gesture seriously and radicalizes it without contradicting it.

2. ContrastBritten works against the ritual, Kaučić and Huber beyond it 

Despite all ruptures, Britten remains within musical discourse.

He composes conflict, dissonance, fragmentation.

He shows the ungraspability of war by making it audible.

The “soundless” form, by contrast, refuses discourse itself.

It withdraws from aesthetic representation.

It does not make the ungraspable audible, but inaudible.

This is a qualitative leap: no longer the representation of the unsayable, but the renunciation of representation.

Thus a contrast emerges that does not continue Britten’s approach but surpasses it.

3. Radical consequencesilence as the only adequate response 

One could say, –  if Britten shows that war cannot be represented, then the logical consequence is to cease representing it.

The Requiem loses not only its religious function, but also its aesthetic one.

What remains is a space for thinking, not for hearing.

In this reading, Kaučić and Huber’s form is not merely a continuation but the final form of a process Britten initiated.

This is where the decisive difference lies.

Britten works within music to make its limits visible.

Kaučić and Huber work outside music so that these limits no longer need to be crossed.

This is the point at which one must decide whether to understand their form as expansion or as consequence.

Expansion, if one sees it as a new aesthetic possibility.

Consequence, if one reads it as the necessary response to Britten’s diagnosis.

Contrast, if one emphasizes that Kaučić and Huber leave the medium Britten still uses.

How do you yourselves understand the role of silence — as an aesthetic form, an ethical stance, or a philosophical method?

If we (GK & ALH) consider all three roles of silence together — aesthetic form, ethical stance, and philosophical method — a very dense, almost three‑dimensional structure emerges.

Each of these layers transforms the others, and this is precisely where the true radicality of our approach lies.

As an aesthetic form, silence becomes a material that is not simply “nothing,” but a consciously placed void. It has contour, duration, tension. In this perspective, it still stands in dialogue with Britten — a compositional means, only extremely reduced.

As an ethical stance, silence becomes a response to the ungraspable.

It refuses the aesthetic appropriation of suffering. It says that any representation would already be a form of over‑shaping. Here the distance from Britten begins — no longer showing the unshowable, but remaining silent before it.

As a philosophical method, silence becomes a space for thought. It forces self‑encounter, reflection on the conditions of remembrance itself. It is no longer expression but frame — no longer medium but condition.

These three layers are not additive but interwoven.

Aesthetic silence gains ethical weight, ethical silence gains philosophical depth, and philosophical silence becomes experienceable only through aesthetic form.

What emerges from this? A Requiem that no longer “takes place.”

If one combines these three dimensions, something arises that can hardly be described as a Requiem in the traditional sense.

It does not sound.

It performs no ritual.

It represents nothing.

One could say it is a Requiem that no longer takes place, but occurs — in the consciousness of those who expose themselves to it.

This is the point at which it detaches from Britten.

Why this is a radical continuation.

Britten shows the limits of musical representation.

We take these limits seriously and make them our starting point.

For Britten, music remains the site of conflict.

For us, the absence of music becomes the site of responsibility.

This is not merely an aesthetic decision, but an ethical‑philosophical one. Silence is no longer a means, but a consequence.

The community that arises in such a moment is neither purely listening, nor purely thinking, nor purely silent. It is a form of togetherness that emerges from the shared responsibility for silence. This is the decisive step our approach takes beyond Britten.

Silence is no longer a dramaturgical device, but an ethical space that all present must actively sustain.

Silence as a shared space of responsibility.

In our model, silence is not absence, but the presence of a task.

It demands alertness — because silence holds only when consciously maintained.

It demands self‑restraint — because no one can dominate it.

And it demands co‑responsibility — because it exists only if all accept it.

Thus a community arises that is not formed by sound (as in a concert), but by shared endurance.

Those present become a community not through communication, but through resonance.

They do not hear something.    They hear themselves into the silence.

They do not think together, but they think side by side.

They do not simply remain silent.    They carry a silence.

This makes the community fragile, but also radical.

It is not defined by identity or opinion, but by a shared stance.

Why this is something third.

This form of community is neither liturgical (as in ritual), nor aesthetic (as in concert), nor political (as in assembly).

It is a situational, fragile, ethical community that exists only in the moment and cannot be institutionalized.

One could say it is a community not connected by sameness, but by simultaneity.

It arises because all present expose themselves to silence — and thus to the responsibility it implies.

The consequence for remembrance.

If silence is form, stance, and method, then remembrance becomes not an act of recalling, but an act of bearing.

The community arises not through the object of remembrance, but through the manner in which one approaches it.

Without overwhelming, without aesthetic over‑shaping, without narrative relief.

(GK & ALH)

Conclusion.   

Kaučić and Huber’s work can thus be situated within a network of thinkers and artists who engage with the impossibility of truth, the necessity of new mourning rituals, and the simultaneity of the non-simultaneous in war.

Particularly fruitful are the connections to Agamben (structure of war), Butler (politics of mourning), Nancy (community of mortals), Bataille, Blanchot, Derrida, and Celan (language after catastrophe).

(Transl.: GK & ALH)

War Requiem I

Krieg und Wahrheit / War and Truth. War Requiem.  (Dt./Engl.) 15.02.2026 Url/Link: https://www.philosophischepraxiskaucicundhuber.at/2026/02/15/krieg-und-wahrheit/

War Requiem  II

Krieg und Wahrheit / War and Truth,- eine Ergänzung (Dt./Engl.) 28.02.2026 Url/Link: https://www.philosophischepraxiskaucicundhuber.at/2026/02/28/krieg-und-wahrheit-war-and-truth-eine-ergaenzung/

Philosophical Practice Vienna 1989 ff. Analysis Complication Aporia Identity Dislocation Meta-thesis Deconstruction

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Philosophers, Writers, Philosophical Practitioners, Mediators, Translators, Feminists, Freeriders, (Wild) Camping Enthusiasts, Survivors Vienna

Philosophical Practice weltweit … rund um die Uhr … rund um die Welt, … „face à face“, … confidential one-to-one conversation, … around the clock … around the world

Grammatologische Philosophische Praxis (GPP) Dr. Gerhard Kaucic / Djay PhilPrax ( geb. 1959, Autor, Philosoph, PP seit 1989 ) Gespräch, Analyse, Diskurs, Problematisierung, Identitätsdislokation, Subjektivierung, Formalisierung, Fältelung, Komplizierung, Aporie, Dekonstruktion

Gespräche outdoor/indoor: Grammatologien, Kontextualisierungen, Analysen, Komplizierungen, Plurivalenzen, Dependenzen, Interdependenzen, Grammatiken, Aporien, Dekonstruktion…rund um die Uhr…rund um die Welt…

…around the clock …around the world…

cf. Jacques Derrida, Signatur Ereignis Kontext, – in: Randgänge der Philosophie, Wien 1988, S. 291-314 ( Französische Originalausgabe: Marges de la philosophie, Paris 1972 )

Philosophical Practice Vienna 1989 ff. Analysis Complication Aporia Identity Dislocation Meta-thesis Deconstruction

Cf. list of publications at: https://scholar.google.at/citations?user=wNUSN64AAAAJ&hl=de   

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Projekte / Projects (1989 – 2026 ff.) 37 Jahre Philosophische Praxis Wien GK & ALH

Mehr dazu siehe unseren Teaser und unseren Footer sowie die übrigen Postings iBlogspot-Blog 2014 ff

Homepage: 

https://disseminationsdjayphilpraxkaucic.blogspot.com/2016/03/was-ist-philosophische-praxis-iii-teil-3.html

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Anna Lydia Huber (MSc, 67, 2026), Österreichische Philosophin, Grammatologische Philosophische Praxis Wien

Philosophical Lounge / Philosophischer Salon G Kaučić & AL Huber Wien, Österreich, –
Gerhard Kaučić (*1959), Leiter einer Grammatologischen Philosophischen Praxis (GPP) seit 37 Jahren in Wien ( 1989-2026 ff.)

Gerhard Kaučić (Dr. phil., 67, 2026), Österreichischer Philosoph, Grammatologische Philosophische Praxis Wien

Grammatologische Philosophische Praxis Wien

Demokratie leben Living Democracy Demokratie leben !!!

       Demokratie leben   !     Living Democracy !

Dekonstruktion hat eine ethische Komponente, da sie die Beziehung zum Anderen eröffnet, insofern sie Zugänge zu bislang Ungedachtem oder bisher Ausgeschlossenem findet und möglicherweise neue gesellschaftliche, neue zwischenmenschliche, neue politische, neue wissenschaftliche, neue juristische, neue technische, neue philosophische und künstlerische Denk- und Handlungsweisen erfindet oder auffindet (vgl. dazu E. Lévinas und J. Derrida).

Ich denke, jene, die autoritär denken und handeln, unterliegen einigen Grundirrtümern aufgrund vieler Fehlannahmen infolge unhinterfragter und nicht in deren Horizont des Denkens liegender Denkvoraussetzungen.  Unfähigkeit zur Selbstreflektion!

Gerhard Kaučić (67, 2026), Philosoph

Gerhard Kaučić (geb. 1959), Philosopher, Writer, Trans-lator, Philosophical Practitioner, Queer Theorist, Deconstruction, Queertheoretiker, Philosophischer Praktiker, Schriftsteller, Über-Setzer, Philosoph, Grammatologe, Autor, Wien, Austria, Europe


Gründer (1989) der ersten grammatologischen philosophischen Praxis (GPP) weltweit, – 37 years Philosophical Practitioner Gerhard Kaucic / Djay PhilPrax, Vienna, Austria, Europe


Philosophie … Dekonstruktion … „Recht auf Einsicht, oder die Erfindung des anderen“
 (cf. J. Derrida, Psyche. Erfindung des Anderen, Wien 2011)

Anna Lydia Huber (67, 2026), Philosophin

Anna Lydia Huber (MSc, geb. 1959, Alter 67, 2026), Philosophische Praxis 2009 ff.
Philosophische Praktikerin/Praktische Philosophie, Sprachanalytische Philosophie, Dekonstruktion, Schriftstellerin,  Übersetzerin, Österreichische Philosophin, Europäische Philosophin

Erzählungen, Berichte, Analysen, Reflexionen aus der Praxis/aus meiner/unserer Philosophischen Praxis

Wien 37 Jahre Praxis Jubiläum (1989-2026 ff.) Jubilaeum 37 Jahre PP 2026

Grammatologische PHILOSOPHISCHE PRAXIS  GERHARD KAUCIC / DJAY PHILPRAX & ANNA LYDIA HUBER WIEN ÖSTERREICH EUROPA

Die Lehre der Lekritüre der Grammatologie.

Eine jede „Einschreibung“ ist nicht „für immer“, eine jede Einschreibung ist endlich wie das Subjekt selbst, dessen „Archiv“ zerstört werden kann wie jedes Archiv.

Auch jedes Medienarchiv.

Durch die Bewußtmachungsarbeit passieren Dinge, die wir nicht planen, nicht kontrollieren können.

Mit Turnheim behaupte ich eine grundsätzliche Verwandtschaft von Psychoanalyse und Demokratie und von Dekonstruktion und Demokratie. Alle drei Namen sprechen von der Irreduktibilität der Singularität bei gleichzeitiger versuchter Wiederholbarkeit!

Psychoanalyse und Dekonstruktion behaupten beide eine Irreduzibilität der Hetero-Affektion in der Erfahrung eines „Eigenen“ und beide gehen von einem Wirken eines inneren Fremdkörpers aus!

Die Illisibilität eines jeden Textes und seine „Grundlosigkeit“! (vgl. Michael Turnheim, Das Andere im Gleichen, S. 11)

Der Analytiker ist ein Leser, eine Leserin. Und! Der Analytiker wird zum Schreiber, zum Schriftsteller als lesenden.

Text bleibt unlesbar lesbar ! (vgl. R. Barthes Illisibilität)

Die „Einschreibung“ ist nicht „für immer“, eine jede Einschreibung ist endlich wie das Subjekt selbst, dessen „Archiv“ zerstört werden kann wie jedes Archiv. Auch jedes Medienarchiv.

Durch die Bewußtmachungsarbeit passieren Dinge, die wir nicht planen, nicht kontrollieren können.

Affizierungen !

Die diversen Affizierungen und Immunisierungen sind unkontrollierbar. Sie basieren und passieren aufgrund der jeweiligen individuell biographischen Vor-Einschreibungen.

Zur Frage und zum Wort „Dekonstruktion“ vgl. Jacques Derridas „Überlegungen“ in einem „Brief an einen japanischen Freund“ aus dem Jahr 1985, übersetzt ins Deutsche und abgedruckt in: J. Derrida, Psyche. Erfindungen des Anderen II. Wien 2013 (Passagen Vlg.), S. 15 – 22.

„Das Wort „deconstruction“  bezieht, wie jedes andere auch, seinen Bedeutungswert nur von einer Einschreibung in eine Kette möglicher Substitutionen, in das, was man so seelenruhig einen „Kontext“ nennt.“ (ebda., S. 21)

„Allem Anschein zum Trotz ist die Dekonstruktion jedenfalls weder eine Analyse noch eine Kritik …

Eine Analyse ist sie insbesondere deshalb nicht, weil die Zerlegung (décomposition) einer Struktur kein Rückgang zum einfachen Element, zu einem nicht weiter zerlegbaren Ursprung ist.

Diese Werte, wie der der Analyse, sind selbst der Dekonstruktion unterworfene Philosopheme.“ ( S. 19)


„Die Dekonstruktion hat Statt, sie ist ein Ereignis (événement), das nicht erst auf die Überlegung, das Bewußtsein oder die Organisation des Subjekts, nicht einmal der Moderne, wartet. 

Es dekonstruiert sich.“ (S. 20)   

Philosophie … Dekonstruktion … „Recht auf Einsicht, oder die Erfindung des anderen“ (cf. J. Derrida, Psyche. Erfindung des Anderen, Wien 2011

Die Dekonstruktion hat notwendigerweise von innen her zu operieren, sich aller subversiven, strategischen und ökonomischen Mittel der alten Struktur zu bedienen, sich ihrer strukturell zu bedienen“ (DerridaGrammatologie, S. 45), um schließlich den nicht strukturell zu erfassenden Praxischarakter der Wahrheit freizulegen.

Gemeint ist die Sichtbarmachung der Doppelheit des gleichzeitigen An-und Abwesendsein der Wahrheit, des etwas Erblickens und dadurch anderes Aus-dem-Blickfeld-Ausschließens. (H. Kimmerle, J. Derrida zur Einführung, S. 49)

Und Dekonstruktion erschließt beziehungsweise eröffnet einen Zugang zum Anderen durch Entdeckungen von Unbekanntem oder bisher Ungedachtem.

Dekonstruktion läßt sich nicht definieren und nicht abschließen (vgl. dazu J. Derrida, Limited Inc, S. 171 ff.).

Die Dekonstruktion ist und bleibt stets die Befragung der Ursprünge, der Grundlagen und der Grenzen unseres begrifflichen, theoretischen und normativen Apparates. Und dies immer in der doppelten Bewegung der Différance.

Ein Text, der vielleicht aus gewohnter (binärer) These und Antithese besteht, enthüllt, wenn er dekonstruiert wird, beispielsweise eine Vielzahl von Perspektiven, die gleichzeitig vorhanden sind, – oft in Konflikt miteinander.

Dieser Konflikt aber wird durch die Dekonstruktion erst sichtbar.

Dekonstruktion hat eine ethische Komponente, da sie die Beziehung zum Anderen eröffnet, insofern sie Zugänge zu bislang Ungedachtem oder bisher Ausgeschlossenem findet und möglicherweise neue gesellschaftliche, neue zwischenmenschliche, neue politische, neue wissenschaftliche, neue juristische, neue technische, neue philosophische und künstlerische Denk- und Handlungsweisen erfindet oder auffindet (vgl. dazu E. Lévinas und J. Derrida).

Grammatologische Philosophische Praxis (GPP) könnte dazu einen nicht wenig gewichtigen Beitrag leisten, denke ich.

Denken wir.

ALH & GK

Zum besseren Verständnis und zur beginnenden Einübung in unsere philosophische Praxis lesen Sie bitte unsere Charakterisierung der Grammatologischen Philosophischen Praxis (GPP GK & ALH, Deutsch/Englisch), –

Url/Link: https://www.philosophischepraxiskaucicundhuber.at/charakterisierung/

For a better understanding and to begin practicing our philosophical approach, please read our characterization of Grammatological Philosophical Practice. (GPP GK & ALH, German/English), – 

Url/Link: https://www.philosophischepraxiskaucicundhuber.at/charakterisierung/

https://disseminationsdjayphilpraxkaucic.blogspot.com/2025/03/latest-news-information.html?m=1

Sokratismus / Grammatologie

Frage des Schülers:

Ich habe in Ihre Texte schon des Öfteren reingelesen und verstehe noch nicht so ganz, was die klassische Sokratische Methode in einer Philosophischen Praxis unterscheidet von Ihrer Grammatologischen Philosophischen Praxis

GK:

Die Grammatologische Philosophische Praxis ist ein spezifischer Ansatz innerhalb der Philosophischen Praxis, der maßgeblich von uns beiden (Gerhard Kaučić und Anna Lydia Huber)  geprägt wurde.

Er grenzt sich von klassischen Beratungsformen durch seine theoretische Fundierung in der Dekonstruktion und der Sprachanalytischen Philosophie ab.

ALH:

Ich nenne Dir ein paar Kernmerkmale unserer Praxis:

Schrift und Spur: In Anlehnung an Jacques Derridas Grammatologie wird das Augenmerk auf das „Geschriebene/die Textur“ gelegt, die unser Denken und Handeln vorstrukturiert.

(  im weitesten Sinne: Texte, – Text  meint  alles, was als Zeichen oder Diskurs analysiert und dekonstruiert werden kann – also weit mehr als nur geschriebene Worte.   „Text“ in einem erweiterten, philosophischen Sinne.  

Für uns ist „Text“ nicht nur geschriebene Sprache, sondern umfaßt alle Formen von Zeichen, Diskursen, Filmen, Sprache, sogar Institutionen, Strukturen gesetzter (z.B. politischer) Handlungen und alle Formen von  kulturellen Äußerungen.

So kann beispielsweise ein Film als „Text“ gelesen und analysiert werden, indem man seine Zeichen, Strukturen und Bedeutungen dekonstruiert und interpretiert. Diese Herangehensweise stammt aus der Grammatologie und Semiologie, die sich mit der Analyse von Zeichen und ihrer Bedeutung beschäftigen.  

Jacques Derridas Textbegriff ist radikal erweitert und umfaßt nicht nur geschriebene Dokumente, sondern alle Wirklichkeitsbereiche, da alles durch Zeichen, Bedeutungen und Interpretationen vermittelt wird. Seine berühmte Formulierung „il n’y a pas de hors-texte“ (es gibt kein Außerhalb des Textes) bedeutet, daß soziale, historische oder reale Strukturen stets bereits textuell bzw. interpretativ verfaßt sind.    

«Il n’y a pas de hors-texte» (Kein Außerhalb des Textes): Dies ist keine Leugnung der Realität, sondern die Aussage, daß die Realität uns nie „nackt“, sondern immer strukturiert durch Sprache, Zeichen und Bedeutungen – also als Text – erscheint.  

Text ist ein Gewebe von Zeichen (réseau de signes), ein System aus differentiellen Verweisen. Ein Zeichen hat keinen festen, innewohnenden Sinn, sondern erhält seine Bedeutung erst durch die Beziehung zu anderen Zeichen, die wiederum auf andere verweisen.   

Différance und Spuren: Ein Text ist niemals vollständig gegenwärtig oder abgeschlossen. Bedeutung entsteht durch Aufschub (différance) und Spuren, die auf andere, abwesende Texte verweisen. Es gibt nur „Spuren von Spuren“.    

Derrida spricht nicht von einem spezifischen Werk, sondern von einer allgemeinen Textualität, die als Grundstruktur von Welt und Erfahrung fungiert. 

Der Text ist bei Derrida ein dynamisches, offenes „System“ (! ohne Zentrum !), das durch ständige Verschiebung und Ergänzung (Supplement) von Bedeutung gekennzeichnet ist. )   

Methodische Dekonstruktion: Anstatt fertige Lebensantworten zu liefern, zielt unser Ansatz darauf ab, festgefahrene sprachliche und begriffliche Konstruktionen des Klienten zu hinterfragen und zu dekonstruieren.

Wissenschaftliche Einbettung: Unsere Grammatologische Philosophische  Praxis versteht sich als akademisch fundierte Reflexion, die über die bloße Lebensberatung hinausgeht und philosophisches Wissen als Ressource für die Öffentlichkeit nutzbar macht.

Pluralität: Unsere Praxis, so denke ich, ordnet sich in die Vielfalt zeitgenössischer Ansätze ein, die Philosophie nicht als reine Theorie, sondern als „Bildung des Selbst“ und „Untersuchung des Menschseins“ betreiben.

GK:

Nun, du möchtest mehr darüber erfahren, wie sich dieser dekonstruktive Ansatz konkret von der klassischen Sokratischen Methode in der Beratung unterscheidet. Das zu beantworten verlangt eine längere Antwort und bedarf einer kurzen Pause.

Nach etwa 10 Minuten beginnen wir mit einem vorläufigen Antwortversuch:

Ad hoc würde ich sagen, der entscheidende Unterschied liegt im Umgang mit der Wahrheit und dem Subjekt.

Während das Sokratische Gespräch nach (durch die Art und Weise des Fragens gesteuerter) Erkenntnis strebt, fragt die Grammatologische Praxis nach den Strukturen, die diese Erkenntnis überhaupt erst ermöglichen (oder verhindern).

Hier für Dich auf dem Stand-Flipchart in wenigen Worten und Wörtern ein direkter Vergleich der beiden Ansätze:

Vergleich:                                   Sokratik            vs.             Grammatologische Praxis

Merkmal             Sokratische Methode (Mäeutik)              Grammatologische Praxis

Ziel   Die „Geburt“ einer Wahrheit durch Dialog.     Das Sichtbarmachen von Voraussetzungen  festgefahrener „Texte“.

Rolle des/der Berater*in            Geburtshelfer*in, der/die durch Fragen zum Kern führt.            Grammatologe*in, der/die auf Widersprüche und „Spuren“ von Präsenz im Gesagten und auf Ungesagtes hinweist.

Fokus  Der Inhalt   (Was ist Gerechtigkeit? Was will ich?).       Die Form   (Wie ist mein Denken sprachlich konstruiert?).

Ergebnis             (Idealerweise) Klarheit, Einsicht, Definition.         Differenz, Offenlegung von Machtstrukturen (z.B. patriarchale Spuren von Präsenz), Verflüssigung von Dogmen.

Warum die Grammatologische Praxis anders „fragt“(!?)

In der klassischen Sokratik gehen wir davon aus, daß die Wahrheit bereits im Klienten schlummert und nur „hervorgeholt“ werden muß. Die Grammatologische Praxis ist hier skeptischer:

Gegen das „Zentrum“:

Die Grammatologie (nach Derrida) misstraut der Idee, daß es ein festes Zentrum oder eine einzige Wahrheit gibt.

In der Beratung (Auseinandersetzung, manchmal durchaus konfliktuös) bedeutet das: Es gibt keine „wahre Identität“ des Klienten, die man freilegen könnte, sondern nur ein Geflecht aus Erzählungen und Rollen.

Die Macht der Sprache: Während Sokrates die Sprache als Werkzeug nutzt, sieht die Grammatologische Praxis die Sprache als das Medium, das uns beherrscht. Wir sprechen nicht nur Sprache, die Sprache „spricht“ auch uns (durch gesellschaftliche Normen und Begriffe).

Vom Sprechen zum Schreiben (auch das Sprechen ist ein Schreiben, eine Einschreibung als Versuch!): Während Sokrates das mündliche Gespräch (Präsenz/Absenz) privilegierte, betont die Grammatologie die Schriftlichkeit (wir suchen die Texte auf, das Eingeschriebene), die Einschreibung. Strukturen, Gesetze, Sprache, Unterweisungen, Gehörtes schreiben sich ein. In uns Einzelne. In die Gesellschaft als Ganzes.

In unserer Praxis bedeutet das oft auch die Zuhilfenahme von schon Geschriebenem,- die Arbeit mit konkreten Texten, Tagebüchern, Notizen, Autobiographischem oder der Analyse der „Skripte“, die wir im Praxisprogreß mitnotieren, um dann gleich hernach über dieses Aufgezeichnete zu sprechen. Vorerst und zuallererst nur darüber. Ohne allzuviele Digressionen, wenn möglich.  

ALH:

Ein praktisches Beispiel

Stellen wir uns einen Gast/Gästin/Klient*in vor, der/die sagt: „Ich muß endlich authentisch sein.“

Der Sokratiker, die Sokratikerin würde fragen: „Was bedeutet ‚authentisch‘ für dich? Wann fühlst du dich so?“ – Ziel ist die Definition und Annäherung an das Ideal.

Der Grammatologische Praktiker, die Praktikerin würde fragen: „Welcher Diskurs schreibt dir vor, daß man ‚authentisch‘ sein muß?   Woher stammt dieser Begriff in deiner Biografie?   Welche Gegensätze (z.B. echt/unecht werden hier konstruiert?“ – Ziel ist die Dekonstruktion des Begriffszwangs.

Die Grammatologische Praxis ist daher oft „anstrengender“ oder intellektuell fordernder, da sie nicht direkt zur Lösung führt, sondern das Problem selbst als sprachliches Konstrukt auflöst.

Ich möchte Dir noch gern zeigen, wenn ich darf, wenn noch Zeit dafür ist, ganz kurz und schnell, wie sieht ein konkreter Ablauf einer solchen dekonstruktiven Sitzung aus?

In einer grammatologischen Sitzung (nach Kaučić und Huber) steht nicht die Suche nach einer Lösung im Vordergrund, sondern die Analyse der „Textur“ des Problems. Es geht darum, das Thema als ein Geflecht aus Spuren von Verschiebung/Verschiftung, autoritären Begriffsanwendungen und historischen Vorbelastungen zu lesen.

Ein typischer Ablauf läßt sich in diese Phasen unterteilen:

1. Die „Verschriftlichung“ des Anliegens

Statt nur frei zu erzählen, wird der Klient oft ermutigt, sein Problem als „Text“ zu betrachten und wenn möglich kurz schriftlich zu skizzieren.

Aktion: Der Praktiker, die Praktikerin achtet extrem genau auf die Wortwahl. Begriffe wie „müssen“, „natürlich“ oder „eigentlich“ werden als Ankerpunkte markiert.

Ziel: Distanz schaffen. Das Problem ist nicht „im“ Klienten, sondern es zeigt sich „zwischen“ den Worten.

2. Aufspüren binärer Oppositionen

Der dekonstruktive Kern: Jedes Problem basiert meist auf einer versteckten Zweiteilung (z. B. Erfolg vs. Mißerfolg, Natur vs. Kultur, Aktivität vs. Passivität).

Aktion: Der Praktiker fragt: „Welches Gegenteil wird hier unterdrückt?“ Wenn der Klient über „Sinnlosigkeit“ spricht, wird untersucht, welche überhöhte und unerreichbare Definition von „Sinn“ diesen Zustand erst konstruiert.

Ziel: Die Hierarchie zwischen diesen Begriffen ins Wanken zu bringen.

3. Die Suche nach der „Aporie“ (Sackgasse)

In dieser Phase wird der Klient, die Klientin mit den inneren Widersprüchen seiner/ihrer eigenen Argumentation konfrontiert.

Aktion: Der Praktiker zeigt auf, daß die Begriffe, die der Klient, die Klientin zur Lösung nutzen will, Teil des Problems sind. (Beispiel: Man versucht, durch noch mehr „Selbstkontrolle“ die Angst vor „Kontrollverlust“ zu bekämpfen).

Ziel: Ein Moment des Innehaltens, in dem das alte Denksystem nicht mehr greift.

4. Das „Schreiben“ neuer Spuren

Am Ende steht keine fertige Antwort, sondern eine Verschiebung.

Aktion: Es werden neue Begriffe eingeführt oder alte Begriffe „unter Anführungszeichen“ gesetzt (man nutzt sie, markiert aber ihre Unzulänglichkeit oder Fraglichkeit).

Ziel: Der Klient verläßt die Sitzung nicht mit einem Plan, sondern mit einer höheren Sensibilität für die Sprache, die sein Leben formt. Er/Sie erkennt, daß seine/ihre Identität kein fester Kern, sondern ein ständig fortlaufender Schreibprozeß ist.

Beispiel aus der Praxis:

Ein Klient leidet unter „Zeitdruck“.

Klassisch: „Wie priorisierst du?   Was streßt dich?“

Grammatologisch: „Wer hat das ‚Skript‘ geschrieben, daß Zeit etwas ist, das man ‚besitzen‘ oder ‚verlieren‘ kann? Untersuchen wir die Metapher ‚Zeit ist Geld‘ in deiner persönlichen Erzählung.“

Spielen wir noch kurz und einfach ein konkretes Beispiel für eine solche Wort-Analyse (z. B. zum Begriff  „Authentizität“  oder  „Erfolg“) durch.

In der grammatologischen Praxis (wohlgemerkt nach Kaučić & Huber) wird ein Wort nicht als Gefäß für eine feste Bedeutung behandelt, sondern als Schauplatz von Spannungen.

GK:

Nehmen wir das Beispiel „Authentizität“ – ein häufiges Ziel in der Beratung. In einer grammatologischen Sitzung würde dieser Begriff wie folgt dekonstruiert:

1. Das Wort als Zitat (Etymologische Spur)

Zuerst wird die „Unschuld“ des Wortes enttäuscht.

Analyse: „Authentisch“ kommt vom Griechischen authentikós ( αὐθεντικός „echt“, „glaubwürdig“, „originalgetreu“, aber auch „selbstherrlich“). Es steckt das Wort aut-hentēs (αὐθέντης) darin: derjenige, der mit eigener Hand handelt, – was so viel wie „Selbsttäter“, „Urheber“ oder „Herr“ bedeutet – ursprünglich auch in Abwandlung des Kontexts die Bedeutung eines Mörders oder Täters.

Effekt: Der Klient erkennt, daß „Authentizität“ kein sanfter Naturzustand ist, sondern etymologisch mit Macht, Tat und Autorenschaft verknüpft ist.

2. Aufdeckung der binären Opposition

Der Begriff funktioniert nur durch das, was er ausschließt.

Die Hierarchie: Authentisch (gut/echt) vs. Künstlich (schlecht/Fassade).

Die Dekonstruktion: Der Praktiker zeigt auf, daß man „Authentizität“ oft performen muß, um als authentisch zu gelten (z. B. auf Social Media). Das „Echte“ braucht also das „Künstliche“ (die Darstellung), um überhaupt sichtbar zu sein.

Ergebnis: Die scharfe Trennung bricht zusammen. Man erkennt: Authentizität ist selbst eine Form der Inszenierung.

3. Die Arbeit der „Différance“

Nach Derrida verschiebt und verzögert sich Bedeutung ständig.

Frage in der Praxis: „Wenn Sie sagen, Sie wollen ‚ganz Sie selbst‘ sein – welches ‚Selbst‘ schreiben Sie gerade in diesem Moment? Und welches andere Selbst wird durch diesen Text gerade unterdrückt oder überschrieben?“

Ziel: Weg vom statischen Ziel („Ich will authentisch sein“) hin zur Einsicht, daß man ein lebendiger Text ist, der sich ständig ein– und umschreibt.

ALH:

Zusammenfassender Vergleich der Analyse

Begriff:    Erfolg               Klassische Sicht                         Dekonstruktion

Fokus  Erreichen von Zielen.          Wer hat das „Skript“ des Erfolgs geschrieben?

Gegensatz   Erfolg   vs.   Scheitern.       Wo ist das Scheitern im Erfolg bereits eingeschrieben (z. B. Erschöpfung, Erfahrungsmangel, Milieu, ökonomischer Mangel, …)?

Wirkung     Druck, das Ziel zu erreichen.            Befreiung vom Begriffszwang.  Erfolg wird als „Spur“ gesellschaftlicher Erwartungen lesbar.

Dieser Prozeß führt oft zu einer „Ent-Täuschung“ im wörtlichen Sinne: Der Klient ist nicht mehr Gefangener seiner Begriffe, sondern beginnt, die Grammatik seines Lebens aktiv zu hinterfragen.

GK:

In der grammatologischen philosophischen Praxis wird ein Satz wie „Ich bin nicht gut genug“ nicht als psychologische Wahrheit, sondern als ein „fremdes Skript“ behandelt, das dekonstruiert werden muß.

Anstatt gegen das Gefühl anzukämpfen, zerlegen wir die Grammatik des Leidens in vier Schritten:

1. Das Subjekt „Ich“ einklammern

In der Grammatologie ist das „Ich“ kein fester Kern, sondern eine Leerstelle, die durch Sprache gefüllt wird.

Die Frage: Wer spricht hier eigentlich? Ist das „Ich“ in diesem Satz der Autor oder nur der Vorleser eines Textes, den Eltern, Lehrer oder die Leistungsgesellschaft geschrieben haben?

Ziel: Die Identifikation lösen. Nicht du bist mangelhaft, sondern der Satz über dich ist eine Konstruktion.

2. Die Kopula „bin“ erschüttern

Das Wörtchen „bin“ (sein) suggeriert einen statischen, unveränderlichen Zustand (Ontologie).

Die Dekonstruktion: Wir ersetzen das „bin“ durch „werde“ oder „schreibe mich als“.

Aktion: Der Praktiker/die Praktikerin fragt: „In welchem Moment der Schrift deines Lebens wurde dieses ‚bin‘ festgeschrieben?

Können wir es ‚unter Anführungszeichen‘ setzen (bin), um zu zeigen, daß es nur eine provisorische Behauptung ist?“

Anna Lydia und ich betonen hierbei oft die radikale Offenheit des Werdens.

3. Die Leere des Prädikats „gut genug“ entlarven

„Gut“ ist ein leerer Signifikant – er hat keinen festen Inhalt, sondern ist ein Platzhalter für vorangegangene Erwartungen.

Die Analyse: „Gut genug“ braucht immer einen Maßstab. Wir suchen nach dem Supplement (Ergänzung): Gut genug wofür? Gut genug für wen?

Die Paradoxie: Wer „gut genug“ sein will, setzt voraus, daß es einen perfekten Endzustand gibt. Die Grammatologie zeigt: Es gibt keinen fertigen Text.

Ein Text ist immer „unabgeschlossen“ und unabschließbar.

4. Das „Nicht“ als Spur der Differenz

Das „Nicht“ erzeugt eine schmerzhafte Trennung zwischen dem, was ist, und einem Ideal.

Die Umkehrung: In der Dekonstruktion schauen wir auf das, was das „Nicht“ verbirgt.

Oft schützt der Satz „Ich bin nicht gut genug“ vor der Angst, die eigene Freiheit wirklich zu nutzen. Er ist eine bequeme (wenn auch schmerzhafte) Ausrede, um im gewohnten Skript zu bleiben.

ALH, GK:

Das Ergebnis der Sitzung

Am Ende steht kein positiver Glaubenssatz (wie „Ich bin wertvoll“ – das wäre nur ein neues, starres Skript), sondern eine sprachliche Verflüssigung:

„Es gibt eine Erzählung in meinem Leben, die den Begriff  ‚gut genug‘  verwendet, um eine Hierarchie aufzubauen, der ich mich bisher unterworfen habe.

Ich erkenne die Ränder dieses Textes und beginne, am Rand neue Kommentare zu schreiben.“ 

GK:

Para-Graphien. § Para-Graphie : K o m m e n t a r. Parekbase (griechisch parekbasis „Abweichung, Abschweifung“). Parekbase, Parabase (Schlegel, Barthes, Derrida, Cončić-Kaučić) !

P.s.:

Randnotiz ParaGraphie:

Häufig wird auch der Begriff παράβασις (parábasis) verwendet. Während die Parabase den rituellen Akt des „Vortretens“ des Chors in der Komödie betont, fokussiert die Parekbase (besonders in der literaturtheoretischen Rezeption durch Friedrich Schlegel) stärker auf das Heraustreten aus der fiktionalen Illusion. παρέκβασις (parékbasis)

Question from the student:

I have read your texts several times and still don’t quite understand what distinguishes the classical Socratic method in Philosophical Practice from your Grammatological Philosophical Practice

GK:

Grammatological Philosophical Practice (GPP) is a specific approach within philosophical practice that was significantly influenced by both of us (Gerhard Kaučić and Anna Lydia Huber).

It differs from classical forms of counseling in its theoretical foundation in deconstruction and linguistic-analytic philosophy.

ALH:

I’ll mention a few key features of our practice:

Writing and traces: Following Jacques Derrida’s grammatology, attention is focused on the “written/texture” that pre-structures our thoughts and actions.

(  In the broadest sense: texts – text means everything that can be analyzed and deconstructed as a sign or discourse – in other words, much more than just written words.   “Text” in an expanded, philosophical sense. 

For us, “text” is not only written language, but encompasses all forms of signs, discourses, films, language, even institutions, structures of established (e.g., political) actions, and all forms of  cultural expressions.

For example, a film can be read and analyzed as “text” by deconstructing and interpreting its signs, structures, and meanings. This approach stems from grammatology and semiology, which deal with the analysis of signs and their meanings.  

Jacques Derrida’s concept of text is radically expanded and encompasses not only written documents, but all areas of reality, since everything is conveyed through signs, meanings, and interpretations. His famous phrase “il n’y a pas de hors-texte” (there is no outside of the text) means that social, historical, or real structures are always already textual or interpretive.  

 “Il n’y a pas de hors-texte” (There is no outside of the text): This is not a denial of reality, but rather a statement that reality never appears to us “naked,” but always structured by language, signs, and meanings—in other words, as text.  

Text is a network of signs (réseau de signes), a system of differential references. A sign has no fixed, inherent meaning, but only acquires its meaning through its relationship to other signs, which in turn refer to others.  

Différance and traces: A text is never completely present or complete. Meaning arises through deferral (différance) and traces that refer to other, absent texts. There are only “traces of traces.”   

Derrida does not speak of a specific work, but of a general textuality that functions as the basic structure of the world and experience. 

For Derrida, the text is a dynamic, open “system” (without a center!) that is characterized by constant shifts and additions (supplements) of meaning. )  

Methodical deconstruction: Instead of providing ready-made answers to life’s questions, our approach aims to question and deconstruct the client’s entrenched linguistic and conceptual constructions.

Scientific embedding: Our grammatological philosophical  practice sees itself as an academically grounded reflection that goes beyond mere life counseling and makes philosophical knowledge available as a resource for the public.

Plurality: I believe that our practice fits into the diversity of contemporary approaches that pursue philosophy not as pure theory, but as “education of the self” and “exploration of humanity.”

GK:

Well, you want to learn more about how this deconstructive approach differs specifically from the classical Socratic method in counseling. Answering that requires a longer response and a short pause.

After about 10 minutes, we begin with a preliminary attempt at an answer:

Ad hoc, I would say that the decisive difference lies in the treatment of truth and the subject.

While Socratic dialogue strives for insight (guided by the manner of questioning), grammatological practice inquires into the structures that make this insight possible (or prevent it) in the first place.

Here is a direct comparison of the two approaches in a few words and phrases on the stand-up flipchart:

Comparison:                                   Socratic            vs.             Grammatological Practice

Feature                                Socratic method (maieutics)                                Grammatological Practice

Goal                                The “birth” of a truth through dialogue.                                The visualization of the prerequisites of entrenched “texts.”

Role of the consultant: Birthing assistant who guides the client to the core through questions. Grammatologist who points out contradictions and “traces” of presence in what is said and possibly unsaid.

Focus    The content   (What is justice? What do I want?).    The form   (How is my thinking constructed linguistically?).

Result    (Ideally) Clarity, insight, definition.         Difference, disclosure of power structures (e.g., patriarchal traces of presence), liquefaction of dogmas.

Why grammatological philosophical practice “asks” differently (!?)

In classical Socratic dialogue, we assume that the truth already lies dormant within the client and only needs to be “brought out.” Grammatological practice is more skeptical here:

Against the “center”:

Grammatology (according to Derrida) distrusts the idea that there is a fixed center or a single truth.

In counseling (discussion, sometimes quite conflictual), this means that there is no “true identity” of the client that can be uncovered, but only a web of narratives and roles.

The power of language: While Socrates uses language as a tool, grammatological practice sees language as the medium that controls us. We do not only speak language, language also “speaks” us (through social norms and concepts).

From speaking to writing (speaking is also a form of writing, an inscription as an attempt!): While Socrates privileged oral conversation (presence/absence), grammatology emphasizes writing (we seek out texts, the inscribed), inscription. Structures, laws, language, instructions, and what we hear become inscribed. In us as individuals. In society as a whole.

In our practice, this often means making use of what has already been written—working with concrete texts, diaries, notes, autobiographical material, or analyzing the “scripts” that we note down in the course of our practice, in order to then talk about what has been recorded immediately afterwards. For the time being and first and foremost, only about this. Without too many digressions, if possible.

ALH:

A practical example

Let’s imagine a guest/client who says, “I finally have to be authentic.”

The Socratic would ask: “What does ‘authentic’ mean to you? When do you feel that way?” – The goal is to define and approach the ideal.

The grammatological practitioner would ask: “Which discourse dictates that one must be ‘authentic’?   Where does this concept originate in your biography?   What opposites (e.g., real/fake) are constructed here?” The goal is to deconstruct the conceptual constraint.

Grammatological practice is therefore often more “exhausting” or intellectually demanding, as it does not lead directly to a solution, but rather dissolves the problem itself as a linguistic construct.

If I may, and if there is still time, I would like to show you very briefly and quickly what a concrete sequence of such a deconstructive session looks like.

In a grammatological session (according to Kaučić and Huber), the focus is not on finding a solution, but on analyzing the “texture” of the problem. The aim is to read the topic as a web of traces of displacement/deplacement, authoritarian conceptual applications, and historical prejudices.

A typical process can be divided into the following phases:

1. Putting the issue into writing

Instead of just talking freely, the client is often encouraged to view his or her problem as a “text” and, if possible, to briefly outline it in writing.

Action: The practitioner pays extremely close attention to the choice of words. Terms such as “must,” “of course,” or “actually” are marked as anchor points.

Goal: To create distance. The problem is not “in” the client, but manifests itself “between” the words.

2. Identifying binary oppositions

The deconstructive core: Every problem is usually based on a hidden dichotomy (e.g., success vs. failure, nature vs. culture, activity vs. passivity).

Action: The practitioner asks, “Which opposite is being suppressed here?” If the client talks about “meaninglessness,” the practitioner examines which exaggerated and unattainable definition of “meaning” constructs this state in the first place.

Goal: To destabilize the hierarchy between these terms.

3. The search for the “aporia” (dead end)

In this phase, the client is confronted with the internal contradictions of his or her own argumentation.

Action: The practitioner shows that the concepts the client wants to use to solve the problem are part of the problem. (Example: One tries to combat the fear of “loss of control” with even more “self-control”).

Goal: A moment of pause in which the old system of thinking no longer applies.

4. “Writing” new traces

The end result is not a finished answer, but a shift.

Action: New terms are introduced or old terms are put “in quotation marks” (they are used, but their inadequacy or questionable nature is highlighted).

Goal: The client does not leave the session with a plan, but with a greater sensitivity to the language that shapes his or her life. He or she recognizes that his or her identity is not a fixed core, but a constantly ongoing writing process.

Practical example:

A client suffers from “time pressure.”

Classic: “How do you prioritize? What stresses you out?”

Grammatological: “Who wrote the ‘script’ that time is something you can ‘possess’ or ‘lose’? Let’s examine the metaphor ‘time is money’ in your personal narrative.”

Let’s briefly and simply play through a concrete example of such a word analysis (e.g., for the term “authenticity” or “success”).

In grammatological practice (according to Kaučić & Huber, mind you), a word is not treated as a vessel for a fixed meaning, but as a scene of tensions.

GK:

Let’s take the example of “authenticity” – a frequent goal in counseling. In a grammatological session, this term would be deconstructed as follow:

1. The word as a quotation (etymological trace)

First, the “innocence” of the word is disappointed.

Analysis: “Authentic” comes from the Greek authentikós ( αὐθεντικός “genuine,” “credible,” “true to the original,” but also “autocratic”). It contains the word aut-hentēs (αὐθέντης): one who acts with his own hand, which means “self-actor,” “creator,” or “lord”—originally also, in a variation of the context, the meaning of a murderer or perpetrator.

Effect: The client recognizes that “authenticity” is not a gentle natural state, but is etymologically linked to power, action, and authorship.

2. Exposure of the binary opposition

The term only works through what it excludes.

The hierarchy: Authentic (good/real) vs. Artificial (bad/facade).

The deconstruction: The practitioner shows that one often has to perform “authenticity” in order to be considered authentic (e.g., on social media). The ‘real’ therefore needs the “artificial” (the representation) in order to be visible at all.

Result: The sharp distinction collapses. We recognize that authenticity is itself a form of staging.

3. The work of “différance”

According to Derrida, meaning is constantly shifting and delayed.

Practical question: “When you say you want to be ‘completely yourself’—which ‘self’ are you writing about at this very moment? And which other self is being suppressed or overwritten by this text?”

Goal: Move away from the static goal (“I want to be authentic”) toward the realization that you are a living text that is constantly writing and rewriting itself.

ALH:

Summary comparison of the analysis

Term:    Success     Classical view                Deconstruction

Focus    Achieving goals.           Who wrote the “script” for success?

Opposite   Success   vs.   Failure.    Where is failure already inscribed in success (e.g., exhaustion, lack of experience, milieu, economic deprivation, …)?

Effect     Pressure to achieve the goal.    Liberation from conceptual constraints.  Success becomes legible as a “trace” of social expectations.

This process often leads to a “disillusionment” in the literal sense: the client is no longer a prisoner of his concepts, but begins to actively question the grammar of his or her life.

GK:

In grammatological philosophical practice, a sentence such as “I am not good enough” is not treated as psychological truth, but as a “foreign script” that must be deconstructed.

Instead of fighting the feeling, we break down the grammar of suffering in four steps:

1. Bracket the subject “I”

In grammatology, the “I” is not a fixed core, but a void that is filled by language.

The question: Who is actually speaking here? Is the “I” in this sentence the author or just the reader of a text written by parents, teachers, or the meritocracy?

Goal: To dissolve identification. It is not you who is deficient, but the sentence about you that is a construct.

2. Shake up the copula “am”

The little word “am” (to be) suggests a static, unchanging state (ontology).

The deconstruction: We replace “am” with ‘become’ or “write me as.”

Action: The practitioner asks: „At what moment in the writing of your life was this ‘am’ established?

Can we put it in quotation marks (am) to show that it is only a provisional assertion?“

Anna Lydia and I often emphasize the radical openness of becoming.

3. Exposing the emptiness of the predicate “good enough”

“Good” is an empty signifier—it has no fixed content, but is a placeholder for previous expectations.

The analysis: “Good enough” always needs a measuring stick. We look for the supplement (addition): Good enough for what? Good enough for whom?

The paradox: Anyone who wants to be “good enough” assumes that there is a perfect end state. Grammatology shows that there is no finished text.

A text is always “unfinished” and unfinishable.

4. “Not” as a trace of difference

“Not” creates a painful separation between what is and an ideal.

The reversal: In deconstruction, we look at what “not” conceals.

Often, the sentence “I’m not good enough” protects us from the fear of truly exercising our own freedom. It is a convenient (albeit painful) excuse to stay within the familiar script.

ALH, GK:

The outcome of the session

The end result is not a positive belief (such as “I am valuable” – that would just be a new, rigid script), but rather a linguistic fluidity:

„There is a narrative in my life that uses the term ‘good enough’ to establish a hierarchy to which I have submitted myself until now.

I recognize the margins of this text and begin to write new comments in the margins.“ 

GK:

Para-graphs. § Para-graphy: C o m m e n t. Parekbase (Greek parekbasis “deviation, digression”). Parekbase, Parabase (Schlegel, Barthes, Derrida, Cončić-Kaučić)!

Side note paraGraphia:

Kleine Erklärung zum Schluß noch einmal nachgereicht für angehende Derrida-Leser:innen, sich bilden wollende Schüler:innen und noch weitgehend unwissende allgemein Interessierte.

Sokratismus und Grammatologie

Diese Begriffe verknüpfen die antike Tradition der mündlichen Philosophie mit der modernen Sprachkritik, insbesondere im Kontext von Jacques Derridas Grammatologie.

Sokratismus

Der Sokratismus bezeichnet die philosophische Haltung und Methode des Sokrates, die primär auf dem mündlichen Dialog basiert.

Logozentrismus:

Sokrates mißtraute der Schrift, da sie stumm bleibt und sich nicht verteidigen kann. Er sah die lebendige Rede als den direkten Weg zur Wahrheit und Erkenntnis.

Sokratische Methode:

Ein Verfahren der Wissensvermittlung durch gezielte Fragen, um den Partner zur Selbsterkenntnis zu verführen. Ein Mittel zur Steuerung von Erkenntnis und Aneignung. Pädagogik.  

Grammatologie

Die Grammatologie ist die von Jacques Derrida begründete „Wissenschaft von der Schrift“.

Er nennt es vorläufig Dekonstruktion. Etwas, das es so einfach gedacht, gar nicht geben kann. Es ergibt sich! Manchmal! Und letztlich immer wieder. Auch, wenn es noch so lange dauern mag. Derrida kritisiert den Sokratismus insofern als das gesprochene Wort (Phonozentrismus) in der Geschichte des Abendlandes gegenüber der Schrift  privilegiert wird.

Schrift als Ursprung, der keiner ist. Schrift als Ereignis. Er argumentiert, daß Sprache immer schon wie eine Schrift funktioniert – als ein System von Differenzen, in dem Bedeutung niemals vollkommen „präsent“ sein kann, sondern stets aufgeschoben wird (différance).

Der Zusammenhang kurzgefaßt, – sehr kurzgefaßt, – extrem kurzgefaßt !

In der Grammatologie nutzt Derrida den Sokratismus (und Platons Texte) als Paradebeispiel für die abendländische Metaphysik der Anwesenheit. Was bedeutet Metaphysik der Anwesenheit?

Diese Theorie besagt, daß die gesamte westliche Philosophie seit Plato und Aristoteles dazu neigt, „Sein“ mit Anwesenheit (Präsenz) gleichzusetzen. Etwas, das anwesend, gegenwärtig, greifbar oder „vorhanden“ ist, gilt als wahrer und realer als etwas, das abwesend, vergangen oder zukünftig ist.

Die Philosophie bevorzugt demnach das, was jetzt ist, gegenüber dem, was sein könnte (Abwesenheit/Möglichkeit).

Derrida verbindet dies mit dem „Logozentrismus“, der Vorstellung, daß es einen festen Sinn, einen Ursprung oder eine Wahrheit gibt, die in einer unmittelbaren, gegenwärtigen Intuition erfaßt werden kann. Es wird angenommen, daß Worte eine direkte, eine wörtlich buchstäbliche (!) Beziehung zur Bedeutung haben, die den Sprechenden in der Gegenwart vollkommen präsent sei (Selbstgegenwärtigkeit).

Während der Sokratismus die Schrift als „Gift“ für das Gedächtnis und die Wahrheit ablehnt, zeigt die Grammatologie auf, daß die mündliche Rede selbst den temporär erarbeiteten „Strukturen“ (!?) der Schrift unterliegt.

Jacques Derrida dekonstruiert diese Position, indem er zeigt, daß Anwesenheit niemals rein ist, sondern immer schon auf Abwesenheit und Differenz (Unterschiedensein) beruht.

In seiner Analyse von Platons Phaidros, insbesondere im Essay „Platons Apotheke“ (aus dem Band La dissémination) dekonstruiert Jacques Derrida die sokratische Ablehnung der Schrift.

1. Das Rätsel des Pharmakon

Derrida konzentriert sich auf das griechische Wort Pharmakon, das im Mythos von Theuth (dem Erfinder der Schrift) verwendet wird. 

Das Wort bedeutet im Griechischen gleichzeitig Heilmittel und Gift.

Theuth präsentiert König Thamus die Schrift als Heilmittel (Pharmakon) für das Gedächtnis und die Weisheit.

Sokrates‘ Thamus weist sie als Gift (Pharmakon) zurück, da sie nur den Anschein von Weisheit erzeuge und das lebendige Erinnern durch passives Aufzeichnen ersetze.

2. Kritik am Logozentrismus

Der Sokratismus setzt voraus, daß die Wahrheit (der Logos) am besten in der unmittelbaren Anwesenheit des Sprechers bewahrt wird.

Sokrates beschreibt die Schrift als ein Kind ohne Vater, das sich nicht selbst verteidigen kann, wenn es mißverstanden wird.

Derrida zeigt auf, daß auch die gesprochene Rede bereits die Struktur von Schrift besitzt. Bedeutung ist nie sofort „da“, sondern entsteht erst durch die immer schon vorausgegangene Unterschiedenheit und Unterscheidbarkeit der Zeichen (différance). Wortbedeutung entsteht durch Umgebungskontexte. Bedeutung existiert nicht an und für sich schon immer. Bedeutung kriegt etwas erst durch die jeweilige Signifikation. Ich erlese etwas als signifikant (jetzt, für mich, vielleicht nicht für andere, morgen vielleicht auch nicht mehr für mich. „Ich“ liest immerzu. ICH erkennt vielleicht (oder auch nicht)!

3. Die unbewußte Abhängigkeit

Obwohl Sokrates die Schrift verdammt, nutzt Plato sie, um die Worte Sokrates‘ bewahren zu können. Das Archiv.

Schreiben als Notwendigkeit!  Damit Philosophie als System weiter gereicht werden kann, muß sie aufgeschrieben werden. Auf-gezeichnet!

Derrida deckt auf seine spezielle Art und Weise (das, was er als Dekonstruktion benennt!) auf, daß die Hierarchie (Rede = gut, Schrift = schlecht) in sich zusammenbricht, da die Rede ohne die „Spuren“ der Schrift (Iterabilität, Iterationsmöglichkeit, vermeintliche unmögliche Wiederholbarkeit, Verzögerung, Verschiebung, Vershiftung, Markierung, Bezeichnung, Zeichnung, Zeichenkonstitution) gar nicht funktionieren könnte.

Die Metaphysik der Anwesenheit ist keine Lehre, die Philosophen und Philosophinnen aktiv vertreten, sondern eine diagnostische Kritik an der Dominierungs-Struktur und Dominanz-Kultur des abendländischen Denkens.

Derrida zeigt auf, daß „Anwesenheit“ eine Illusion ist. Jeder Begriff erhält seine Bedeutung nur durch die Abgrenzung zu dem, was er nicht ist.

Derrida kritisiert damit die gesamte abendländische Tradition. Er diagnostiziert, daß Philosoph:innen stets versucht haben, die Wahrheit an etwas festzumachen, das „unmittelbar gegenwärtig“ sei, ob es sei die Stimme, die Musik, das Bewußtsein, Gott oder die Ratio.

(GK & ALH)

A brief explanation, added once more for the benefit of:

Aspiring Derrida readers, students seeking to educate themselves, and generally interested but still largely uninformed individuals.

Socraticism and Grammatology

These terms link the ancient tradition of oral philosophy with modern linguistic critique, especially in the context of Jacques Derrida’s grammatology.

Socraticism

Socraticism refers to the philosophical attitude and method of Socrates, which is primarily based on oral dialogue.

Logocentrism:

Socrates distrusted writing because it remains silent and cannot defend itself. He saw living speech as the direct path to truth and knowledge.

Socratic Method:

A method of imparting knowledge through targeted questions, designed to lead the interlocutor to self-knowledge. It is a means of guiding understanding and appropriation—pedagogy in action.

Grammatology

Grammatology is the “science of writing” founded by Jacques Derrida.

He provisionally calls it deconstruction—something that, in its simplicity, cannot truly exist as such. It emerges! Sometimes! And ultimately, again and again. Even if it takes a very long time.

Derrida critiques Socraticism insofar as the spoken word (phonocentrism) has been privileged over writing in the history of the Western world.

Writing as an origin that is not one. Writing as an event. He argues that language always already functions like writing—as a system of differences in which meaning can never be fully “present,” but is always deferred (différance).

The connection in a nutshell—very, very short!

In grammatology, Derrida uses Socraticism (and Plato’s texts) as the prime example of Western metaphysics of presence.

What is metaphysics of presence?

It’s the idea that Western philosophy, since Plato and Aristotle, equates “being” with presence: what is present, immediate, tangible is considered more true and real than what is absent, past, or future.

Philosophy favors what is now over what could be (absence/possibility).

Derrida links this to logocentrism: the belief in a fixed meaning, origin, or truth that can be grasped in immediate, present intuition—words supposedly have a direct, literal relationship to meaning, fully present to the speaker (self-presence).

While Socraticism rejects writing as a “poison” for memory and truth, grammatology reveals that oral speech itself is structured like writing.

Derrida deconstructs this by showing that presence is never pure, but always already depends on absence and difference (différance).

In Plato’s Pharmacy (from Dissemination), Derrida analyzes Plato’s Phaedrus.

The enigma of pharmakon

 Derrida focuses on the Greek word pharmakon, which is used in the myth of Theuth (the inventor of writing).

In Greek, the word means both remedy and poison.

Theuth presents writing to King Thamus as a remedy (pharmakon) for memory and wisdom.

Socrates‘ Thamus rejects it as poison (pharmakon) because it only creates the appearance of wisdom and replaces living memory with passive recording.

Critique of logocentrism

Socratism presupposes that truth (the logos) is best preserved in the immediate presence of the speaker.

Socrates describes writing as a child without a father, unable to defend itself when misunderstood.

Derrida shows that even spoken language already possesses the structure of writing. Meaning is never immediately “there,” but only arises through the ever-preceding difference and distinguishability of signs (différance).

Word meaning arises through contextual surroundings. Meaning does not exist in and of itself. Meaning only acquires significance through the respective signifier.

I read something as significant (now, for me, perhaps not for others, tomorrow perhaps no longer for me. “I” is always reading. I may (or may not) recognize!

Unconscious dependence

Although Socrates condemns writing, Plato uses it to preserve Socrates‘ words. The archive.

Writing as a necessity!  In order for philosophy to be passed on as a system, it must be written down. Recorded!

Derrida reveals in his own special way (what he calls deconstruction!) that the hierarchy (speech = good, writing = bad) collapses in on itself, since speech without the “traces” of writing (iterability, possibility of iteration, supposed impossible repeatability, delay, postponement, versification, marking, designation, drawing, sign constitution) could not function at all.

The metaphysics of presence is not a doctrine actively advocated by philosophers, but a diagnostic critique of the structure of domination and culture of dominance in Western thought.

Derrida shows that “presence” is an illusion. Every concept derives its meaning solely from its distinction from what it is not. Derrida thus criticizes the entire Western tradition. He diagnoses that philosophers have always attempted to anchor truth to something that is “immediately present,” whether it be the voice, music, consciousness, God, or reason.

(ALH & GK)

P.S.:

Side note paraGraphia:

The term παράβασις (parábasis) is also frequently used. While parabase emphasizes the ritual act of the chorus “stepping forward” in comedy, parekbase (especially in Friedrich Schlegel’s literary-theoretical reception) focuses more strongly on stepping out of the fictional illusion. παρέκβασις (parékbasis)

Philosophical Lounge / Philosophischer Salon G Kaučić & AL Huber Wien, Österreich, –
Gerhard Kaučić (*1959), Leiter einer Grammatologischen Philosophischen Praxis seit 37 Jahren in Wien ( 1989-2026 ff.)

Anna Lydia Huber (MSc, 67, 2026), Philosopher, Austria, Vienna / Philosophin, Österreich, Wien

Gerhard Kaučić (Dr. phil., 67, 2026), Philosopher, Austria, Vienna / Philosoph, Österreich, Wien

cf. Jacques Derrida, Signatur Ereignis Kontext, – in: Randgänge der Philosophie, Wien 1988, S. 291-314 ( Französische Originalausgabe: Marges de la philosophie, Paris 1972 )

Grammatologische Philosophische Praxis (GPP), Gerhard Kaučić / Djay PhilPrax & Anna Lydia Huber, Wien, 1989 – 2026 ff.

Unser Blog als Textereignis im Zusammenspiel zwischen unserer Philosophischen Praxis als Textereignis ohne Protokoll und unserer philosophischen Praxis als „Protokoll“ zwischen Archiv und Anarchiv.

Our blog as a text event in the interaction between our philosophical practice as a text event without protocol and our philosophical practice as a „protocol“ between archive and anarchive.

Mein Lebenswerk, – unsere philosophische Praxis!

Die Erfindung der Wirklichkeit, die Wahrheit eines Werkes, ob eines philosophischen, psychoanalytischen, literarischen, künstlerischen oder eines juristischen, medizinischen, technischen, sportlichen, erfinderischen, organisatorischen, bürokratischen, wissenschaftlichen, architektonischen, fotografischen Werkes oder eines wirtschaftlich-unternehmerischen, politischen, militärischen, ökonomischen Werkes oder einer künstlich-naturhaft herbeigeführten Wirklichkeit als Wahrheit etwa eines Werkes von Klimawandel und Folgen, – – – die Wahrheit eines Werks (!!!) enthüllt sich erst und allein in der erkannten und erkennbaren(!) Geschichte seiner Wirkungen.

Es geht darum, es geht mir in meiner Philosophischen Praxis

(( und dazu gehört das Gespräch in dieser, aber auch meine/unsere Schreibpraxis vorher und nachher einer jeden Setzung / Sitzung(!) ))

immer darum, Texte (geschrieben, gesprochen oder Darstellungen(!) z. B. technischer, künstlerischer, ökonomischer, politischer, institutioneller Art) in ihrer inneren Struktur und in ihrem Zusammenwirken mit anderen Texten zu erfassen.

Die Texte sind nicht nur zu analysieren und zu interpretieren, sondern durch die Praxis der Dekonstruktion ihrer Konflikthaftigkeit, ihrer Aggressivität, ihrer verdeckt mitgeführten Gehalte und Intentionen zu enttarnen.

Gemeint ist die Sichtbarmachung der Doppelheit des gleichzeitigen An- und Abwesendsein(!) von Wahrheit.

Wir äußern Sätze gewollter analytischer Wahrheit und verdrängen dadurch gleichzeitig andere eventuale Wahrheits- oder Unwahrheitssätze.

The invention of reality, the truth of a work, whether a philosophical, psychoanalytical, literary, artistic or a juridical, medical, technical, sporting, inventive, organizational, bureaucratic, scientific, architectural, photographic work or an economic, entrepreneurial, political, military, economic work or an artificially-natural reality as the truth of a work of climate change and consequences, – – – the truth of a work (!!!) is revealed only and explicitly in the recognized and recognizable (!) history of its effects.

The point is, in my philosophical practice

(( and this includes the conversation in this, but also my/our writing practice before and after each setting / session(!) )

is always about capturing texts (written, spoken or representations(!) e.g. technical, artistic, economic, political, institutional) in their inner structure and in their interaction with other texts.

The texts are not only to be analysed and interpreted, but also to be unmasked through the practice of deconstructing their conflictual nature, their aggressiveness, their hidden contents and intentions.

What is meant is the visualization of the duality of the simultaneous presence and absence (!) of truth.

We express sentences of desired analytical truth and thereby simultaneously repress other possible sentences of truth or untruth.

[[ Gerhard Kaučić / Djay PhilPrax (born 1959), Anna Lydia Huber (born 1959), Philosophers, –

Writers, Feminists, Freeriders, Grammatological Philosophical Practice (GPP), Vienna, PP since 1989, Dr. phil., MSc, —

( Copyright, Bildrechte, Urheberrecht, rights to images, copyright, Picture rights, Image Rights, Copyright, –

Texte, Fotos © Anna Lydia Huber, Gerhard Kaučić ) ]]

Zum besseren Verständnis und zur beginnenden Einübung in unsere philosophische Praxis lesen Sie bitte unsere Charakterisierung der Grammatologischen Philosophischen Praxis (GPP GK & ALH, Deutsch/Englisch), –

Url/Link: 

https://www.philosophischepraxiskaucicundhuber.at/charakterisierung/

For a better understanding and to begin practicing our philosophical approach, please read our characterization of Grammatological Philosophical Practice. (GPP GK & ALH, German/English), –  

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……………………………………. Anarchiv …………………… Archiv ……………………………………….

Bedenken Sie, was geschrieben werden wird! ……………………..

Gerhard Kaucic ……………………..

auch „Gespräche“ müssen gelesen werden! Gehörtes ist gehört worden und in der verstehenden Verstandestätigkeit „gelesen“ worden.

Aus-gelesen! Ausgewählt! Aus-sortiert! Aus der gehörten „Wirklichkeit“ er-hört und ent-hört, ver-hört, verwirklicht, verkettet, sprachverkoppelt, verlesen!, zusammen-ge-lesen!, zusammengesammelt, ver-sammelt, ge-doublet, ge-setzt, produktiv ausgelesen! )

Es gibt kein Kriterium für die Identität des Sinns eines Ausdrucks: die Interpretation wird im wissenschaftlichen Sinne eine Sache der Unentscheidbarkeit.

Philosophische Praxis Dr. Gerhard Kaučić ……………………….. …………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………. Mise-en-Abyme ……………………………………. mise en abîme ………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Abyssos …………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………….. intertextuelle Strukturen als die „Natur“ der Sprache …………………………………………This reason of understanding, limited by „territory“ (temporally and spatially), the image of temporary textual-configurations ( mise en abyme, picture in picture in picture…), „picture“ as a metaphor of re-flection, the picture of the mirror without tinfoil, the picture of standing behind the mirror as „standing“ in the mirror, –

a mirror of distortion and performance/performation (!), a mirror of the initial transformation without origin, – a mirror, which gives the picture ( away ! ?!) for our language, – our language as graphically marked poetics of communication, – literally ! (see J. Derrida, La dissémination, p. 350 und passim) ……………………………………………………………. ……………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………. GERHARD KAUČIĆ ……………………. Gegenwartsphilosophie

………………………………… Philosophische Praxis ……………………………. Contemporary Philosophy ………………….. Gegenwartsphilosophie ……………………………

Gerhard Kaucic (67), Bibliothek, PP zu Archiv, Speichermedien und Autodekonstruktion  im Gespräch; Philosophische Praxis heute im März 2025 donnerstags, nachmittags, von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr in der Guglgasse im Gasometer Wien bei uns in unserer Privatbibliothek.

Ein die Addenda zur Biographie (oder was die meisten von uns dafür halten!) umklammerndes und hinausleitendes Addendum zum Thema Curriculum, Archiv, Anarchiv und Speichermedien heute!

Jedes Archiv im Sinne einer Veranlagung von etwas beruht auf dem Anarchivischen, dem nicht Archivierbaren (zum Beispiel der Raumklang in einem Konzertsaal), dem noch nicht Archivierten, ja vielleicht dem noch nicht einmal Objektivierten als Produziertes oder zumindest Produzierbares. Dieses Denken des Anarchivs und des Archivs zeitgleich beruht auf dem Denken Derridas in Bezug auf das, was er „Spur“ nennt.  „Es gilt, die Spur vor dem Seienden zu denken.“ (J. Derrida, op.cit., Grammatologie, S. 82). 

vorläufig endend mit dem Medium Fotographie als Botschaft/INformation/Interpretat/Verkehrung der Logik des Sinns/Abgrund/die Ordnung der Dinge als Befragung/das Recht der Dinge auf Eigensinn/Dissemination aus einem Diesseits und Jenseits von Zeit

Falls Sie interessiert sind an einer PP mit mir/uns, bitte nur unter dieser E-mail einen Termin reservieren: To contact me/us, please use only this email: g.kaucic[at]chello.at

If you are interested in a PP (Philosophical Practice) with me, please reserve an appointment only under this email: To contact us, please use only this email: gack[at]chello.at

Philosophers, Writers, Philosophical Practitioners, Mediators, Translators, Feminists, Freeriders, (Wild) Camping Enthusiasts, Survivors Vienna

Grammatological Philosophical Practice (GPP) weltweit … rund um die Uhr … rund um die Welt, … „face à face“, … confidential one-to-one conversation, … around the clock … around the world

Grammatologische Philosophische Praxis (GPP) Dr. Gerhard Kaucic / Djay PhilPrax ( geb. 1959, Autor, Philosoph, PP seit 1989 ) Gespräch, Analyse, Diskurs, Problematisierung, Identitätsdislokation, Subjektivierung, Formalisierung, Fältelung, Komplizierung, Aporie, Dekonstruktion

Öffnungszeiten / Hours of opening:  Mo –  Do:  11 – 20 Uhr

Honorar nach Vereinbarung / Charge by arrangement

Gespräche outdoor/indoor: Grammatologien, Kontextualisierungen, Analysen, Komplizierungen, Plurivalenzen, Dependenzen, Interdependenzen, Grammatiken, Aporien, Dekonstruktion…rund um die Uhr…rund um die Welt…

…around the clock …around the world…

cf. Jacques Derrida, Signatur Ereignis Kontext, – in: Randgänge der Philosophie, Wien 1988, S. 291-314 ( Französische Originalausgabe: Marges de la philosophie, Paris 1972 )

Grammatological Philosophical Practice (GPPVienna 1989 ff. Analysis Complication Aporia Identity Dislocation Meta-thesis Deconstruction

Cf. list of publications at: https://scholar.google.at/citations?user=wNUSN64AAAAJ&hl=de   

To contact us, please use only these emails:

Projekte / Projects (1989 – 2026 ff.) 37 Jahre Grammatologische Philosophische Praxis (GPP) Wien GK & ALH

Mehr dazu siehe unseren Teaser und unseren Footer sowie die übrigen Postings im Blogspot-Blog 2014 ff.

Homepage: 

https://disseminationsdjayphilpraxkaucic.blogspot.com/2016/03/was-ist-philosophische-praxis-iii-teil-3.html

https://disseminationsdjayphilpraxkaucic.blogspot.com/2016/03/was-ist-philosophische-praxis-iii-teil-3.html?m=1

https://web.archive.org/web/20250910172931/https://disseminationsdjayphilpraxkaucic.blogspot.com/2016/03/was-ist-philosophische-praxis-iii-teil-3.html?m=1

Anna Lydia Huber (67, 2026), Philosopher, Austria, Vienna / Philosophin, Österreich, Wien
Gerhard Kaučić (67, 2026), Philosopher, Austria, Vienna / Philosoph, Österreich, Wien

Mehr zur Vita und zum Werk der Philosophin und Schriftstellerin Anna Lydia Huber (67, 2026, Philosophische Praxis seit 2009) und des Philosophen und Schriftstellers Gerhard Kaučić (67, 2026, Philosophische Praxis seit 1989) in deren Postings  „Künstliche Intelligenz“ hier in diesem Blog !

Künstliche Intelligenz 09.07.2025 Url/Link: 

Künstliche Intelligenz,- eine Ergänzung 25.09.2025 Url/Link: 

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