Tag Archives: Benjamin Britten (War Requiem)

Krieg und Wahrheit / War and Truth, – eine Ergänzung

                                         (German / English)

Besetzung/Cast:

Student:innen aus Leipzig, Berlin und Oslo zu unserem Text und den Themata von „WAR REQUIEM,  Krieg und Wahrheit / War and Truth“ in unserer Grammatologischen Philosophischen Praxis GPP (Febr. 2026) in Wien. Eine präsentable Zusammenkunft mit Verstand und differenzierter Lektüreerfahrung.

Hier ihr/unser Paper – ein Versuch der prägnanten Einordnung, einer kurzgefaßten Erarbeitung, ein verdichteter Entwurf, der das Unsichtbare sichtbar werden läßt.

[[  P.s.: Unten Aufgeführtes entspricht nicht unbedingt in jedem Punkt unserer Auffassung und unserem Denken!  GK & ALH  ]]  

Krieg und Wahrheit.    Dekonstruktion und Unmöglichkeit der Eindeutigkeit.

Kaučić und Huber stellen die Frage nach der Möglichkeit von Wahrheit im Krieg radikal. Sie zeigen, daß jede Aussage, jede Interpretation im Kontext von Gewalt und Krieg das, was sie zu erfassen versucht, zugleich zerstört oder verfälscht.

Dies ist ein direkter Bezug auf Derridas Dekonstruktion, die die Untrennbarkeit von Signifikat (Bedeutung) und Signifikant (Ausdruck) betont.

Im Krieg wird diese Unmöglichkeit besonders deutlich – etwa in der Manipulation von Bildern, der Instrumentalisierung von Sprache oder der Fragmentierung von Erzählungen. Die Autor:innen fragen damit: Kann es im Krieg überhaupt eine „Wahrheit“ geben, oder ist jede Darstellung immer schon Teil des Konflikts selbst?

Dies berührt nicht unbedingt die Frage, besser die Sage des „Angriffskrieges“. Dieser wurde ganz klar und offen sichtbar von Putin-Rußland vom Zaun gebrochen. Ohne jede Not und Notwendigkeit. Eine Entscheidung „reiner“ Selbstermächtigung!

Requiem ohne Ritual.    Geräuschlose Trauer und philosophische Übung.

Das „War Requiem“ als geräuschlose, nicht-religiöse Praxis bricht bewußt mit traditionellen Formen des Gedenkens. Es ist weder an eine Konfession noch an kirchliche Rituale gebunden, sondern versteht sich als „Exercitatio pro defunctis“ – eine philosophische Übung für die Verstorbenen.

Diese Form des Gedenkens zielt darauf ab, den Tod und das Leid im Krieg jenseits von Pathos oder symbolischer Überhöhung zu bedenken. Die Abwesenheit von Klang und Ritual unterstreicht die Unfaßbarkeit des Krieges und die Notwendigkeit, Trauer und Erinnerung neu – und individuell – zu gestalten.

Zeit, Landschaft, Leib.    Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. 

Die Frage „Leben wir in derselben Zeit?“ verweist auf Derridas Überlegungen zur „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“.  

Während der Krieg für die einen Alltag ist, bleibt er für andere eine ferne Abstraktion. Landschaft und Leib werden in diesem Kontext zu Trägern von Wahrheit – etwa als Orte des Leidens, der Erinnerung oder der Verdrängung.

Gleichzeitig sind sie auch Orte der Unmöglichkeit. Der Leib kann Schmerz nicht übersetzen, die Landschaft trägt Spuren, die sich keiner eindeutigen Deutung fügen. Beide werden so zu Metaphern für die Unfaßbarkeit von Kriegserfahrung.

Fazit.    Eine Praxis der Unabgeschlossenheit.

Kaučić und Huber entwickeln mit „Krieg und Wahrheit“ keine Antworten, sondern eine Praxis der Auseinandersetzung. Ihr Ansatz betont die Notwendigkeit, im Angesicht des Krieges immer wieder neu zu fragen – und damit die Unabgeschlossenheit von Wahrheit, Trauer und Erinnerung anzuerkennen.

Abschließend einige zentrale Bezüge und Anknüpfungspunkte zu anderen philosophischen und künstlerischen Positionen, die Kaučić und Hubers „Krieg und Wahrheit“ spiegeln.

1. Giorgio Agamben.    Das Lager als Paradigma der Moderne.

Agambens Konzept des „homo sacer“ und seine Analyse des Lagers als „nacktes Leben“ (in „Homo Sacer“) bieten eine wichtige Ergänzung zu Kaučić und Hubers Frage nach der Möglichkeit von Wahrheit des Krieges.

Agamben zeigt, wie der Ausnahmezustand des Krieges die Grenzen zwischen Recht, Gewalt und Menschsein verwischt – ein Prozeß, der jede eindeutige Bedeutung und damit auch „Wahrheit“ untergräbt. Besonders relevant ist hier die Idee, daß der Krieg nicht nur ein historisches Ereignis, sondern ein strukturelles Phänomen ist, das die moderne Politik durchzieht.

2. Judith Butler.  Verwundbarkeit und Trauer als politische Praxis.

Butlers Überlegungen in „Frames of War“ und „Precarious Life“ thematisieren, wie Krieg und Gewalt bestimmte Leben als „betrauerbar“ und andere als „unbetrauerbar“ markieren.

Ihre Forderung nach einer „Politik der Trauer“ korrespondiert mit Kaučić und Hubers „Requiem ohne Ritual“. Beide betonen die Notwendigkeit, Trauer und Erinnerung jenseits von Nationalismus oder religiösen Traditionen neu zu denken.

Butler fragt, wie wir eine Ethik der Verwundbarkeit entwickeln können, die alle Leben gleichermaßen berücksichtigt – eine Frage, die auch im Zentrum von „Krieg und Wahrheit“ steht.

3. Jean-Luc Nancy.    Die Gemeinschaft der Sterblichen.

Nancys „Être singulier pluriel“ (Sein als singulär-plurales Sein) und seine Reflexionen über die „Gemeinschaft der Sterblichen“ bieten einen weiteren theoretischen Rahmen.

Nancy argumentiert, daß Gemeinschaft nicht auf Identität oder Zugehörigkeit beruht, sondern auf der geteilten Erfahrung der Endlichkeit.

Dies paßt zu Kaučić und Hubers Fokus auf den Leib und die Landschaft als Orte, die sowohl Verbindung als auch Unmöglichkeit von Bedeutung tragen.

Nancys Verständnis von Gemeinschaft.    „Mit-Sein“ statt Identität.

Jean-Luc Nancy dekonstruiert die klassische Vorstellung von Gemeinschaft als etwas, das auf gemeinsamen Eigenschaften, Identitäten oder Substanzen beruht. Für ihn ist Gemeinschaft kein Besitz, kein „Wir“, das sich über Gemeinsamkeiten stabilisiert.

Stattdessen beschreibt er Gemeinschaft als Struktur des Mit-Seins, also als etwas, das sich zwischen Menschen ereignet — in der Berührung, im Abstand, in der Unabschließbarkeit.

Wichtige Aspekte

Gemeinschaft entsteht nicht aus einem gemeinsamen Wesen, sondern aus der Tatsache, daß wir einander ausgesetzt sind.

Dieses Ausgesetztsein ist immer prekär, immer offen, nie abgeschlossen.

Endlichkeit als Ursprung des Gemeinsamen.

Für Nancy ist die Endlichkeit der entscheidende Punkt.

Wir teilen nicht Identität, sondern die Tatsache, daß wir sterbliche, verletzliche, begrenzte Wesen sind.

Das bedeutet:

Gemeinschaft entsteht im Anerkennen dieser geteilten Endlichkeit, nicht im Ritualisieren oder Überdecken.

Nancy schreibt sinngemäß.

Der Tod ist immer der Tod des anderen — und darin liegt die Möglichkeit von Gemeinschaft.

Das ist radikal, weil es Gemeinschaft nicht als Trost oder als metaphysische Einheit versteht, sondern als geteilte Unmöglichkeit, als etwas, das uns verbindet, gerade weil es uns entzieht.

Verbindung zu Kaučić und Huber.    Leib, Landschaft, Unmöglichkeit.

Kaučić und Huber arbeiten mit dem Leib und der Landschaft als Orten, an denen sich diese paradoxe Struktur zeigt:

Der Leib ist Ort der Berührung, aber auch der Grenze.

Die Landschaft ist Ort des Gemeinsamen, aber ohne eindeutige Bedeutung.

Beide sind geteilte Räume, aber nicht im Sinne eines identitären „Wir“.

Dazu Jean-Luc Nancy

Gemeinschaft ist immer schon leiblich, weil sie im Mit-Sein der Körper entsteht.

Sie ist immer schon räumlich, weil sie sich im Zwischenraum ereignet.

Und sie ist immer schon unmöglich, weil sie nicht zu einer Einheit verschmilzt.

„War Requiem“ als nicht-rituelle, kollektive Praxis.

Wenn man Nancy ernst nimmt, wird das „War Requiem“ von Kaučić und Huber nicht zu einem Ritual, das Gemeinschaft stiftet, sondern zu einer Erfahrung des Gemeinsamen, die gerade keine Identität erzeugt.

Es ist kollektiv, weil es Menschen in einem geteilten Raum zusammenführt, aber nicht-rituell, weil es keine geschlossene Bedeutung, keine Heilung, keine Einheit anbietet.

Stattdessen exponiert es die Endlichkeit, die Verletzbarkeit, die Unmöglichkeit, Krieg zu symbolisieren oder zu bewältigen.

Es macht den Tod nicht zu einem metaphysischen Übergang, sondern zu einem gemeinsamen Abgrund, der geteilt wird, ohne aufgelöst zu werden.

Damit wird das Werk lesbar als eine ästhetische Form des Mit-Seins,eine Gemeinschaft ohne Identität,eine geteilte Erfahrung der Endlichkeit, die weder versöhnt noch erklärt.

Weitere Verknüpfungslinien wären die hin zu Bataille, hin zu Blanchot, hin zu Derrida.

1. Nancy und Bataille.    Gemeinschaft als „Unmöglichkeit“.

Nancy knüpft an Batailles Idee der „unmöglichen Gemeinschaft“ an.

Für Bataille ist Gemeinschaft kein Zusammenschluss von Gleichen, sondern ein Erfahrungsraum des Exzeßes, in dem das Subjekt seine Grenzen erfährt.

Nancy übernimmt zwei zentrale Punkte.

a) Gemeinschaft entsteht im Verlust, nicht im Besitz.

Nicht gemeinsame Werte, sondern gemeinsame Entblößung.

Nicht Identität, sondern Entgrenzung.

b) Der Tod ist der Ort, an dem Gemeinschaft aufscheint.

Der Tod ist nicht privat, sondern ein Ereignis, das das Subjekt überschreitet.

Er ist „gemeinsam“, weil er immer den anderen betrifft, bevor er mich betrifft.

Unser Bezug zu Kaučić/Huber.   

Das „War Requiem“ verweigert jede heroische oder nationale Sinnstiftung.

Es zeigt Krieg als Ort des radikalen Verlusts, an dem Gemeinschaft nicht gestiftet, sondern bloßgelegt wird.

Das ist  Bataille pur – und zugleich Nancy.

2. Nancy und Blanchot.    Das Gemeinsame als „Zwischenraum“.

Blanchot ist für Nancy entscheidend, weil er Gemeinschaft als Beziehung ohne Verschmelzung denkt.

a) Gemeinschaft ist das „Gemeinsame des Unteilbaren“.

Blanchot beschreibt Gemeinschaft als etwas, das nicht geteilt werden kann, weil es kein Eigentum ist.

Es ist ein Zwischenraum, ein „Mit“, das sich entzieht.

Nancy radikalisiert das. Gemeinschaft ist kein Werk, kein Projekt, kein Ziel.

Sie ist ein Ereignis, das sich im Kontakt mit der Endlichkeit ereignet.

b) Der Tod des anderen als Ursprung des Gemeinsamen.

Blanchot denkt folgerichtig, der Tod des anderen ist das, was mich betrifft, bevor mein eigener Tod mich betrifft.

Nancy übernimmt das fast wörtlich.

Gemeinschaft entsteht im Blick auf den sterblichen anderen, nicht im Blick auf mich selbst.

Der Leib ist kein Träger von Identität, sondern Ort der Berührung und der Grenze.

Die Performance erzeugt Gemeinschaft ohne Verschmelzung, ein „Mit-Sein“ im Offenen.

3. Nancy und Derrida.    Berührung, Spur, Unabschließbarkeit.

Derrida ist für Nancy wichtig, weil er zeigt, daß jede Gemeinschaft immer schon differenziert ist.

a) Gemeinschaft ist nie präsent, sondern immer „à venir“.

Sie ist zukünftig, nie abgeschlossen.

Sie ist eine Spur, kein Besitz.

Nancy übernimmt das in seiner Idee des „exposition“.  Wir sind einander ausgesetzt.

Dieses Ausgesetztsein ist nie vollständig, nie präsent, nie abgeschlossen.

b) Berührung ohne Verschmelzung.

Derrida zeigt, daß Berührung immer auch Nicht-Berührung ist.

Nancy macht daraus eine Theorie des Körpers.

Der Leib ist Ort der Berührung, aber jede Berührung zeigt auch die Distanz.

Gemeinschaft ist daher Berührung im Abstand.

In Richtung Kaučić und Huber gedacht, – ihre Arbeit mit Körpern und Landschaften zeigt genau diese Struktur.

Die Performer*innen berühren die Landschaft, aber sie verschmelzen nicht mit ihr.

Die Landschaft ist Spur, nicht Symbol.

Die Gemeinschaft der Anwesenden entsteht im gemeinsamen Ausgesetztsein, nicht im gemeinsamen Sinn.

Wenn man Nancy mit Bataille, Blanchot und Derrida zusammendenkt, ergibt sich ein starkes theoretisches Fundament.

Jean-Luc Nancy                                                       Bedeutung für „War Requiem“

Gemeinschaft als Mit-Sein.      Die Performance erzeugt ein kollektives Erleben ohne Identität.

Endlichkeit als Ursprung.    Der Krieg erscheint als geteilte, nicht individualisierbare Erfahrung.

Tod des anderen.            Die Performance zeigt Verlust als gemeinschaftliches Ereignis.

Berührung im Abstand.   Körper und Landschaft treten in Beziehung, ohne Bedeutung zu fixieren.

Gemeinschaft ohne Ritual.  Das Requiem ist kein sakrales Ritual, sondern ein offenes Ereignis.

4. Aktuelle Kunstprojekte zum Ukraine-Krieg

Künstlerisch finden sich Parallelen in Projekten wie:

„Words in Flame“ (Deutsche Nationalbibliothek Leipzig, 2026).  

Eine Ausstellung zum Schutz des ukrainischen Kulturerbes, die die Zerstörung von Sprache und Erinnerung thematisiert – ähnlich wie Kaučić und Huber die Unmöglichkeit der eindeutigen Bedeutung betonen.

„Coming of Age Amidst War“ (Bibliotheca Albertina Leipzig, 2026).

Fotographische und literarische Arbeiten, die das Leben junger Menschen im Krieg dokumentieren und damit die Frage nach der „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ aufwerfen.

5. Paul Celan.    Sprache nach der Katastrophe.

Celans Dichtung, insbesondere sein berühmtes Gedicht „Todesfuge“, steht für die Unmöglichkeit, den Holocaust und andere Gewaltverbrechen sprachlich zu fassen. Sein Konzept der „Atemwende“ – die Sprache muß nach der Katastrophe neu gelernt werden – findet ein Echo in Kaučić und Hubers „geräuschlosem Requiem“.

Beide betonen, daß Sprache und Klang nach dem Krieg nicht mehr „normal“ sein können, sondern immer schon von der Erfahrung der Zerstörung geprägt sind.

6. Benjamin Britten.    Requiem ohne Ritual und Brittens bewusster Bruch.

Brittens War Requiem ist formal an die lateinische Totenmesse gebunden, aber inhaltlich ein Gegenritual. Er montiert die liturgischen Teile mit den antiheroischen, zutiefst desillusionierten Kriegsgedichten Wilfred Owens. Diese Gegenüberstellung erzeugt eine Spannung zwischen sakraler Form und antiritualistischer Wahrheit des Krieges.

Die Forschung betont, daß Britten damit bewußt die traditionelle Funktion des Requiems destabilisiert: Es soll nicht trösten, nicht verklären, sondern die Unruhe des Krieges hörbar machen.

Geräuschlose Trauer und Brittens „Stille“

Auch wenn Brittens Werk musikalisch hochkomplex ist, arbeitet es immer wieder mit Momenten der Stille, Leere und Brüchigkeit. Die Forschung hebt hervor, daß Britten Krieg nicht heroisiert, sondern als moralische und körperliche Verwundung darstellt, die sich gerade in den „stillen“ Momenten zeigt. Martha Nussbaum beschreibt diese ästhetische Strategie als eine Form der „non-personal emotions“, die Bewußtsein transformieren, ohne Pathos zu erzeugen.

Kaučić und Hubers Konzept der „geräuschlosen Trauer“ läßt sich als philosophische Radikalisierung dieser Idee lesen:

Philosophische Übung statt liturgischer Handlung

Brittens Werk ist ein pazifistisches Statement, das die religiöse Form nutzt, um sie zu unterlaufen. Es ist ein Requiem, das nicht erlöst, sondern konfrontiert. Die Forschung beschreibt es als „künstlerische pazifistische Aussage“ und als Kommentar zur Sinnlosigkeit des Krieges.

Kaučić und Hubers Begriff der Exercitatio pro defunctis – einer philosophischen Übung für die Toten – paßt hier präzise.

Brittens Requiem ist kein Gebet, sondern eine ethische Praxis, ein Denken über Krieg, Körper, Gewalt und Verantwortung.

Abwesenheit von Pathos – und Brittens Anti-Pathos

Wilfred Owens Gedichte, die Britten einbettet, sind radikal antiheroisch. Sie verweigern jede Form von Verklärung. Die Musik folgt dieser Haltung, indem sie Unruhe, Dissonanz und Fragmentierung einsetzt, wo traditionelle Requien Harmonie und Trost bieten würden.

Die Analyse zeigt, daß Britten sogar musikalische Symbole des Friedens oder der Erlösung bewußt bricht oder ironisiert.

Kaučić und Hubers Text beschreibt genau diese Haltung.

Ein Gedenken jenseits von Pathos, jenseits symbolischer Überhöhung – ein Gedenken, das die Unfaßbarkeit des Krieges nicht verdeckt, sondern offenlegt.

Individuelle Erinnerung statt kollektiver Liturgie

Brittens Werk wurde zur Einweihung der neuen Kathedrale von Coventry komponiert – einem Ort, der selbst Kriegszerstörung verkörpert. Doch das Werk verweigert jede nationale oder religiöse Vereinnahmung. Es ist ein Requiem für alle Toten, nicht für „unsere“ Toten.

Britten bricht das Ritual – ALH & GK  setzen ein Requiem ohne Ritual.

Britten arbeitet mit Stille – GK & ALH machen Stille zum Medium der Trauer.

Britten entzieht dem Requiem seine religiöse Funktion – GK & ALH transformieren es in eine philosophische Übung.

Britten zeigt die Unfaßbarkeit des Krieges – ALH & GK machen diese Unfaßbarkeit zum Zentrum des Gedenkens.

Die Beziehung zwischen Britten und der „geräuschlosen“ Form ist keine bloße Analogie, sondern eine Verschiebung der Grundhaltung gegenüber dem Requiem selbst. Die Frage, ob das als Erweiterung, Kontrast oder radikale Konsequenz zu verstehen ist, läßt sich sinnvoll entlang dreier Achsen entfalten.

Wie sich Brittens Ansatz verschiebt, wenn man ihn „zu Ende denkt“.

1. Erweiterung – das Requiem als offener Raum statt als liturgische Form 

Britten löst das Requiem bereits aus seiner sakralen Gebundenheit, indem er Wilfred Owens Gedichte einschreibt und damit das Ritual perforiert. Eine „geräuschlose“ Form könnte diese Öffnung weiterführen.

Nicht nur der Text wird gebrochen, sondern das Medium selbst.

Das Requiem wird nicht mehr gesungen, sondern gedacht.

Die Stille wird nicht nur dramaturgisches Mittel, sondern tragende Struktur.

In diesem Sinn wäre Kaučić und Hubers Form eine konsequente Erweiterung.  Sie nimmt Brittens Geste ernst und radikalisiert sie, ohne ihr zu widersprechen.

2. Kontrast – Britten arbeitet gegen das Ritual, Kaučić und Huber jenseits davon 

Britten bleibt trotz aller Brüche im musikalischen Diskurs.

Er komponiert Konflikt, Dissonanz, Fragmentierung.

Er zeigt die Unfaßbarkeit des Krieges, indem er sie hörbar macht.

Sie entzieht sich der ästhetischen Darstellung.

Sie macht die Unfaßbarkeit nicht hörbar, sondern unhörbar.

Damit entsteht ein Kontrast, der Brittens Ansatz nicht fortsetzt, sondern überschreitet.

3. Radikale Konsequenz – Stille als einzig angemessene Antwort 

Man könnte sagen, wenn Britten zeigt, daß der Krieg nicht darstellbar ist, dann ist die logische Konsequenz, ihn nicht mehr darzustellen.

Die Stille wird zur ethischen Haltung.

Das Requiem verliert nicht nur seine religiöse Funktion, sondern auch seine ästhetische.

Was bleibt, ist ein Raum des Denkens, nicht des Hörens.

Worin der entscheidende Unterschied liegt.

Britten arbeitet innerhalb der Musik, um ihre Grenzen sichtbar zu machen.

Kaučić und Huber arbeiten außerhalb der Musik, um diese Grenzen nicht mehr zu überschreiten.

Das ist der Punkt, an dem sich entscheidet, ob man Kaučić und Hubers Form als Erweiterung oder als Konsequenz versteht.

Erweiterung, wenn man sie als neue ästhetische Möglichkeit sieht.

Konsequenz, wenn man sie als notwendige Antwort auf Brittens Diagnose liest.

Kontrast, wenn man betont, daß Kaučić und Huber das Medium verlassen, das Britten noch benutzt.

Eine Frage, die sich daraus ergibt.

Wenn wir (GK & ALH) alle drei Rollen der Stille zusammengedacht anschauen – ästhetische Form, ethische Haltung und philosophische Methode – entsteht daraus eine sehr dichte, fast dreidimensionale Struktur.

Jede dieser Ebenen verändert die anderen, und genau darin liegt die eigentliche Radikalität unseres Ansatzes.

Als ästhetische Form wird Stille zu einem Material, das nicht einfach „nichts“ ist, sondern eine bewußt gesetzte Leerstelle. Sie hat Kontur, Dauer, Spannung. In dieser Perspektive steht sie noch in einem Dialog mit Britten. Ein kompositorisches Mittel, nur eben extrem reduziert.

Als ethische Haltung wird Stille zu einer Antwort auf das Unfaßbare.

Sie verweigert sich der ästhetischen Aneignung des Leidens. Sie sagt, jede Darstellung wäre schon eine Form der Überformung. Hier beginnt die Distanz zu Britten – nicht mehr das Zeigen des Unzeigbaren, sondern das Schweigen vor ihm.

Als philosophische Methode wird Stille zu einem Denkraum. Sie zwingt zur Selbstbegegnung, zur Reflexion über die Bedingungen des Gedenkens selbst. Sie ist nicht mehr Ausdruck, sondern Rahmen, – nicht mehr Medium, sondern Bedingung.

Diese drei Ebenen sind nicht additiv, sondern verschränken sich.

Die ästhetische Stille gewinnt ethische Schwere, die ethische Stille gewinnt philosophische Tiefe (!), und die philosophische Stille wird durch die ästhetische Form überhaupt erst erfahrbar.

Was dadurch entsteht!   Ein Requiem, das nicht mehr „stattfindet“ (?)

Wenn man diese drei Dimensionen zusammennimmt, entsteht etwas, das sich kaum noch als Requiem im traditionellen Sinn beschreiben läßt.

Es erklingt nicht.

Es vollzieht kein Ritual.

Es repräsentiert nichts.

Das ist der Punkt, an dem es sich von Britten löst.

Während Britten noch komponiert, komponieren wir (Gerhard Kaučić und Anna Lydia Huber) die Bedingungen des Hörens selbst.

Warum das eine radikale Weiterführung ist.

Britten zeigt die Grenzen der musikalischen Darstellung.

Wir nehmen diese Grenzen ernst und machen sie zum Ausgangspunkt.

Bei Britten bleibt die Musik der Ort des Konflikts.

Die Gemeinschaft, die in einem solchen Moment entsteht, ist weder rein hörend, noch rein denkend, noch rein schweigend. Sie ist eine Form von Gemeinsamkeit, die sich aus der geteilten Verantwortung für die Stille ergibt. Das ist der entscheidende Schritt, den unser Ansatz gegenüber Britten vollzieht.

Die Stille ist nicht mehr ein dramaturgisches Mittel, sondern ein ethischer Raum, den alle Anwesenden aktiv mittragen müssen.

Sie verlangt Selbstzurücknahme – weil niemand sie dominieren kann.

Und sie verlangt Mitverantwortung – weil sie nur existiert, wenn alle sie akzeptieren.

Damit entsteht eine Gemeinschaft, die nicht durch Klang gebildet wird (wie im Konzert), sondern durch ein gemeinsames Aushalten.

Eine Gemeinschaft des „Antwortens ohne Worte“.

Die Anwesenden werden zu einer Gemeinschaft, die nicht durch Kommunikation entsteht, sondern durch Resonanzfähigkeit.

Sie hören nicht etwas, sondern sie hören sich in die Stille hinein.

Sie denken nicht gemeinsam, aber sie denken nebeneinander.

Sie schweigen nicht einfach, sondern sie tragen ein Schweigen.

Das macht diese Gemeinschaft fragil, aber auch radikal.  

Sie ist nicht durch Identität oder Meinung definiert, sondern durch eine gemeinsame Haltung.

Diese Form der Gemeinschaft ist weder liturgisch (wie im Ritual), noch ästhetisch (wie im Konzert), noch politisch (wie in der Versammlung).

Sie ist eine situative, fragile, ethische Gemeinschaft, die nur im Moment existiert und sich nicht institutionalisieren läßt.

Sie entsteht, weil alle Anwesenden sich der Stille aussetzen – und damit der Verantwortung, die sie impliziert.

Die Konsequenz für das Gedenken.

Wenn Stille Form, Haltung und Methode ist, dann wird Gedenken nicht zu einem Akt des Erinnerns, sondern zu einem Akt des Mittragens.

Die Gemeinschaft entsteht nicht durch das Objekt des Gedenkens, sondern durch die Art und Weise, wie man sich ihm nähert.

Ohne Überwältigung, ohne ästhetische Überformung, ohne narrative Entlastung!   (GK & ALH)

Fazit.  

Ein Netzwerk der Reflexion. 

Kaučić und Hubers Arbeit läßt sich also in ein Netzwerk von Denker:innen und Künstler:innen einordnen, die sich mit der Unmöglichkeit von Wahrheit, der Notwendigkeit neuer Trauerrituale und der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen im Krieg auseinandersetzen.

Besonders fruchtbar sind die Bezüge zu Agamben (Struktur des Krieges), Butler (Politik der Trauer), Nancy (Gemeinschaft der Sterblichen) Bataille, Blanchot, Derrida und Celan (Sprache nach der Katastrophe).

War Requiem I

Krieg und Wahrheit / War and Truth. War Requiem.  (Dt./Engl.) 15.02.2026 Url/Link: https://www.philosophischepraxiskaucicundhuber.at/2026/02/15/krieg-und-wahrheit/

War Requiem  II

Krieg und Wahrheit / War and Truth,- eine Ergänzung (Dt./Engl.) 28.02.2026 Url/Link: https://www.philosophischepraxiskaucicundhuber.at/2026/02/28/krieg-und-wahrheit-war-and-truth-eine-ergaenzung/

Cast: 

Students from Leipzig, Berlin, and Oslo who enter into dialogue with our text and the shifting constellations of “WAR REQUIEM, Krieg und Wahrheit / War and Truth” as part of our Grammatological Philosophical Practice (GPP) in Vienna, February 2026 — a gathering where thought, voice, and presence become part of the work itself.

Here is their/our Paper as an attempt at a concise contextualization, –  a condensed draft, making the invisible visible.

[[  P.S.: The following does not necessarily reflect our views and thinking in every respect!  GK & ALH  ]]

War and Truth. Deconstruction and the Impossibility of Univocity.

Kaučić and Huber radically question the possibility of truth in war. They demonstrate that every statement, every interpretation in the context of violence and war simultaneously destroys or distorts what it attempts to grasp.

This is a direct reference to Derrida’s deconstruction, which emphasizes the inseparability of the signified (meaning) and the signifier (expression).

In war, this impossibility becomes particularly evident—whether in the manipulation of images, the instrumentalization of language, or the fragmentation of narratives. The authors thus ask: Can there even be a “truth” in war, or is every representation always already part of the conflict itself?

This does not necessarily concern the question—or rather, the matter—of the “war of aggression.” This was clearly and openly initiated by Putin’s Russia. Without any necessity or justification. A decision of “pure” self-empowerment!

Requiem Without Ritual.  Silent Mourning and Philosophical Exercise.

The “War Requiem” as a silent, non-religious practice deliberately breaks with traditional forms of commemoration. It is tied neither to a denomination nor to ecclesiastical rituals, but understands itself as an “Exercitatio pro defunctis”—a philosophical exercise for the deceased.

This form of remembrance aims to contemplate death and suffering in war beyond pathos or symbolic exaltation. The absence of sound and ritual underscores the incomprehensibility of war and the need to reconfigure mourning and memory anew—and individually.

Time, Landscape, Body.  The Simultaneity of the Non-Simultaneous.

The question “Do we live in the same time?” refers to Derrida’s reflections on the “simultaneity of the non-simultaneous.”

While war is everyday life for some, for others it remains a distant abstraction. In this context, landscape and body become bearers of truth—as sites of suffering, memory, or repression.

At the same time, they are also sites of impossibility. The body cannot translate pain, the landscape bears traces that resist any unambiguous interpretation. Both thus become metaphors for the incomprehensibility of war experience.

Conclusion.    A Practice of Incompleteness

With War and Truth, Kaučić and Huber do not develop answers, but a practice of engagement. Their approach emphasizes the necessity of continually asking anew in the face of war—and thus acknowledging the incompleteness of truth, mourning, and memory.

Finally, some central references and points of connection to other philosophical and artistic positions that reflect Kaučić and Huber’s War and Truth.

Giorgio Agamben: The Camp as Paradigm of the Modern

Agamben’s concept of the homo sacer and his analysis of the camp as “bare life” (in Homo Sacer) provide an important complement to Kaučić and Huber’s inquiry into the possibility of truth in war.

Agamben demonstrates how the state of exception in war blurs the boundaries between law, violence, and being human—a process that undermines any unambiguous meaning and thus “truth.” Particularly relevant here is the idea that war is not merely a historical event, but a structural phenomenon permeating modern politics.

Judith Butler: Vulnerability and Mourning as Political Practice

Butler’s reflections in Frames of War and Precarious Life address how war and violence mark certain lives as “grievable” and others as “ungrievable.”

Her call for a “politics of mourning” resonates with Kaučić and Huber’s “Requiem without Ritual.” Both emphasize the need to rethink mourning and memory beyond nationalism or religious traditions.

Butler asks how we can develop an ethics of vulnerability that equally acknowledges all lives—a question that is also central to War and Truth.

Jean-Luc Nancy: The Community of Mortals

Nancy’s Être singulier pluriel (Being as singular-plural being) and his reflections on the “community of mortals” offer another theoretical framework.

Nancy argues that community is not based on identity or belonging, but on the shared experience of finitude.

This aligns with Kaučić and Huber’s focus on the body and landscape as sites that bear both connection and the impossibility of meaning.

Particularly relevant is Nancy’s idea that death is never individual, but always already communal—a perspective that renders the “War Requiem” legible as a collective, yet non-ritual practice.

Nancy’s Understanding of Community: “Being-With” Instead of Identity

Jean-Luc Nancy deconstructs the classical notion of community as something based on common properties, identities, or substances. For him, community is not a possession, not a “we” stabilized by commonalities.

Instead, he describes community as a structure of being-with, as something that happens between people—in touch, in distance, in incompleteness.

Key aspects

Community arises not from a common essence, but from the fact that we are exposed to one another.

This exposure is always precarious, always open, never complete.

Community is therefore an event, not a substance.

Finitude as the origin of the common.

For Nancy, finitude is the decisive point:

We do not share identity, but the fact that we are mortal, vulnerable, limited beings.

This means:

Death is not just an individual end, but a structure of the common.

The death of the other concerns me before my own death concerns me.

Community arises in the acknowledgment of this shared finitude, not in ritualizing or covering it up.

Jean-Luc Nancy writes, in essence.

Death is always the death of the other—and in this lies the possibility of community.

This is radical because it understands community not as consolation or metaphysical unity, but as a shared impossibility, as something that connects us precisely because it withdraws from us.

Connection to Kaučić and Huber.    Body, Landscape, Impossibility.

Kaučić and Huber work with the body and landscape as sites where this paradoxical structure becomes visible:

The body is a site of touch, but also of limit.

The landscape is a site of the common, but without unambiguous meaning.

Both are shared spaces, but not in the sense of an identitarian “we.”

Jean-Luc Nancy on Community.

Community is always already bodily, because it arises in the being-with of bodies.

It is always already spatial, because it occurs in the in-between.

And it is always already impossible, because it does not fuse into a unity.

“War Requiem” as Non-Ritual, Collective Practice

If we take Nancy seriously, Kaučić and Huber’s “War Requiem” does not become a ritual that founds community, but an experience of the common that does not produce identity.

It is collective because it brings people together in a shared space, yet non-ritual because it offers no closed meaning, no healing, no unity.

Instead, it exposes finitude, vulnerability, and the impossibility of symbolizing or overcoming war.

It does not turn death into a metaphysical transition, but into a shared abyss that is shared without being resolved.

Further Connections.  Bataille, Blanchot, Derrida.

1. Nancy and Bataille.   Community as “Impossibility”.

Nancy draws on Bataille’s idea of the “impossible community.”

For Bataille, community is not an assembly of equals, but a space of experience where the subject encounters its limits.

Nancy adopts two central points:

a) Community arises in loss, not in possession.

Not shared values, but shared exposure.

Not identity, but transgression.

b) Death is the site where community appears.

Death is not private, but an event that exceeds the subject.

It is “common” because it always concerns the other before it concerns me.

Relation to Kaučić/Huber.

The “War Requiem” refuses any heroic or national sense-making.

It presents war as a site of radical loss, where community is not founded but laid bare.

This is pure Bataille—and at the same time, pure Nancy.

2. Nancy and Blanchot.    The Common as “In-Between”.

Blanchot is crucial for Nancy because he conceives of community as a relation without fusion.

a) Community is the “common of the unshareable.”

Blanchot describes community as something that cannot be shared because it is not property.

It is an in-between, a “with” that withdraws.

Nancy radicalizes this: Community is not a work, project, or goal.

It is an event that occurs in contact with finitude.

b) The death of the other as the origin of the common.

Blanchot consistently argues that the death of the other concerns me before my own death does.

Nancy adopts this almost verbatim.

Community arises in the encounter with the mortal other, not in self-regard.

Relation to Kaučić and Huber.

Their “War Requiem” works precisely with this in-between.

The landscape is not a symbol, but a site of exposure.

The body is not a bearer of identity, but a site of touch and limit.

The performance generates community without fusion, a “being-with” in the open.

3. Nancy and Derrida.   Touch, Trace, Incompleteness.

Derrida is important for Nancy because he shows that community is always already differentiated.

a) Community is never present, but always “à venir.”

It is future, never complete.

It is a trace, not a possession.

Nancy adopts this in his idea of “exposition”. We are exposed to one another.

This exposure is never total, never present, never complete.

b) Touch without fusion.

Derrida shows that touch is always also non-touch.

Nancy develops this into a theory of the body.

The body is a site of touch, but every touch also reveals distance.

Community is therefore touch in separation.

Toward Kaučić and Huber.

Their work with bodies and landscapes reveals exactly this structure.

The performers touch the landscape, but do not merge with it.

The landscape is a trace, not a symbol.

The community of those present arises in shared exposure, not in shared meaning.

Conclusion

When Nancy is read alongside Bataille, Blanchot, and Derrida, a strong theoretical foundation emerges.

Jean-Luc Nancy.            Significance for War Requiem.

Community as being-with.        The performance creates a collective experience without identity.

Finitude as origin.          War appears as a shared, non-individualizable experience.

Death of the other.         The performance presents loss as a communal event.

Touch at a distance.      Bodies and landscapes enter into relation without fixing meaning.

Community without ritual.        The requiem is not a sacred ritual, but an open event.

Thus, the War Requiem can be read as an aesthetic form of being-with, a collective experience of finitude, a community that does not found but exposes, a practice that does not symbolize death but makes it tangible as a shared impossibility.

4. Contemporary Art Projects on the Ukraine War.

Artistic parallels can be found in projects such as:

Words in Flame (German National Library Leipzig, 2026).

An exhibition on the protection of Ukrainian cultural heritage, addressing the destruction of language and memory—echoing Kaučić and Huber’s emphasis on the impossibility of unambiguous meaning.

Coming of Age Amidst War (Bibliotheca Albertina Leipzig, 2026).

Photographic and literary works documenting the lives of young people in war, thus raising the question of the “simultaneity of the non-simultaneous.”

5. Paul Celan.  Language After Catastrophe.

Celan’s poetry, especially his famous poem Todesfuge, stands for the impossibility of linguistically grasping the Holocaust and other atrocities. His concept of the Atemwende—language must be relearned after catastrophe—finds an echo in Kaučić and Huber’s “silent requiem.”

Both emphasize that language and sound can no longer be “normal” after war, but are always already marked by the experience of destruction.

6. Benjamin Britten: Requiem Without Ritual and Britten’s Deliberate Rupture

Britten’s War Requiem is formally bound to the Latin Mass for the Dead, but in content it is a counter-ritual. He juxtaposes the liturgical sections with Wilfred Owen’s antiheroic, profoundly disillusioned war poems. This confrontation creates a tension between sacred form and the anti-ritualistic truth of war.

Scholars emphasize that Britten consciously destabilizes the traditional function of the requiem: it is not meant to console or glorify, but to make the unrest of war audible.

Soundless Mourning and Britten’s “Silence”.

While Britten’s work is musically highly complex, it repeatedly employs moments of silence, emptiness, and fragmentation. Scholars highlight that Britten does not heroize war, but presents it as a moral and physical wound, revealed precisely in these “silent” moments. Martha Nussbaum describes this aesthetic strategy as a form of “non-personal emotions” that transform consciousness without generating pathos.

Kaučić and Huber’s concept of “soundless mourning” can be read as a philosophical radicalization of this idea: it is not the music that speaks, but thought itself becomes the site of remembrance.

Philosophical Exercise Instead of Liturgical Action.

Britten’s work is a pacifist statement that uses religious form to subvert it. It is a requiem that does not redeem, but confronts. Scholars describe it as an “artistic pacifist statement” and a commentary on the senselessness of war. Kaučić and Huber’s term exercitatio pro defunctis—a philosophical exercise for the dead—fits precisely here.

Britten’s requiem is not a prayer, but an ethical practice, a reflection on war, the body, violence, and responsibility.

Absence of Pathos—and Britten’s Anti-Pathos.

Wilfred Owen’s poems, which Britten incorporates, are radically antiheroic. They refuse any form of glorification. The music follows this stance by employing unrest, dissonance, and fragmentation where traditional requiems would offer harmony and comfort.

Analysis shows that Britten even consciously breaks or ironizes musical symbols of peace or redemption. Kaučić and Huber’s text describes exactly this attitude: a remembrance beyond pathos, beyond symbolic exaltation—a remembrance that does not conceal, but reveals the incomprehensibility of war.

Individual Remembrance Instead of Collective Liturgy.

Britten’s work was composed for the consecration of the new Coventry Cathedral—a place itself embodying war destruction. Yet the work refuses any national or religious appropriation. It is a requiem for all the dead, not for “our” dead.

Kaučić and Huber’s text radicalizes this idea by fully individualizing remembrance. Mourning is no longer regulated by collective rituals, but by personal, thinking practice.

Britten breaks the ritual – ALH & GK establish a requiem without ritual.

Britten works with silence – GK & ALH make silence the medium of mourning.

Britten strips the requiem of its religious function—GK & ALH transform it into a philosophical exercise.

Britten reveals the incomprehensibility of war – ALH & GK make this incomprehensibility the center of remembrance.

The relationship between Britten and the “soundless” form is not merely an analogy, but a shift in the fundamental attitude toward the requiem itself. The question of whether this should be understood as an extension, contrast, or radical consequence can be meaningfully explored along three axes.

How Britten’s approach shifts when one thinks it through to its philosophical and to its analytically necessary conclusions.

1. Expansion – the Requiem as an open space rather than a liturgical form 

Britten already releases the Requiem from its sacred binding by inscribing Wilfred Owen’s poems into it, thereby perforating the ritual. A “soundless” form could carry this opening further.

Not only the text is broken, but the medium itself.

The Requiem is no longer sung, but thought.

Silence becomes not merely a dramaturgical device, but a supporting structure.

In this sense, Kaučić and Huber’s form would be a consistent expansion. It takes Britten’s gesture seriously and radicalizes it without contradicting it.

2. ContrastBritten works against the ritual, Kaučić and Huber beyond it 

Despite all ruptures, Britten remains within musical discourse.

He composes conflict, dissonance, fragmentation.

He shows the ungraspability of war by making it audible.

The “soundless” form, by contrast, refuses discourse itself.

It withdraws from aesthetic representation.

It does not make the ungraspable audible, but inaudible.

This is a qualitative leap: no longer the representation of the unsayable, but the renunciation of representation.

Thus a contrast emerges that does not continue Britten’s approach but surpasses it.

3. Radical consequencesilence as the only adequate response 

One could say, –  if Britten shows that war cannot be represented, then the logical consequence is to cease representing it.

The Requiem loses not only its religious function, but also its aesthetic one.

What remains is a space for thinking, not for hearing.

In this reading, Kaučić and Huber’s form is not merely a continuation but the final form of a process Britten initiated.

This is where the decisive difference lies.

Britten works within music to make its limits visible.

Kaučić and Huber work outside music so that these limits no longer need to be crossed.

This is the point at which one must decide whether to understand their form as expansion or as consequence.

Expansion, if one sees it as a new aesthetic possibility.

Consequence, if one reads it as the necessary response to Britten’s diagnosis.

Contrast, if one emphasizes that Kaučić and Huber leave the medium Britten still uses.

How do you yourselves understand the role of silence — as an aesthetic form, an ethical stance, or a philosophical method?

If we (GK & ALH) consider all three roles of silence together — aesthetic form, ethical stance, and philosophical method — a very dense, almost three‑dimensional structure emerges.

Each of these layers transforms the others, and this is precisely where the true radicality of our approach lies.

As an aesthetic form, silence becomes a material that is not simply “nothing,” but a consciously placed void. It has contour, duration, tension. In this perspective, it still stands in dialogue with Britten — a compositional means, only extremely reduced.

As an ethical stance, silence becomes a response to the ungraspable.

It refuses the aesthetic appropriation of suffering. It says that any representation would already be a form of over‑shaping. Here the distance from Britten begins — no longer showing the unshowable, but remaining silent before it.

As a philosophical method, silence becomes a space for thought. It forces self‑encounter, reflection on the conditions of remembrance itself. It is no longer expression but frame — no longer medium but condition.

These three layers are not additive but interwoven.

Aesthetic silence gains ethical weight, ethical silence gains philosophical depth, and philosophical silence becomes experienceable only through aesthetic form.

What emerges from this? A Requiem that no longer “takes place.”

If one combines these three dimensions, something arises that can hardly be described as a Requiem in the traditional sense.

It does not sound.

It performs no ritual.

It represents nothing.

One could say it is a Requiem that no longer takes place, but occurs — in the consciousness of those who expose themselves to it.

This is the point at which it detaches from Britten.

Why this is a radical continuation.

Britten shows the limits of musical representation.

We take these limits seriously and make them our starting point.

For Britten, music remains the site of conflict.

For us, the absence of music becomes the site of responsibility.

This is not merely an aesthetic decision, but an ethical‑philosophical one. Silence is no longer a means, but a consequence.

The community that arises in such a moment is neither purely listening, nor purely thinking, nor purely silent. It is a form of togetherness that emerges from the shared responsibility for silence. This is the decisive step our approach takes beyond Britten.

Silence is no longer a dramaturgical device, but an ethical space that all present must actively sustain.

Silence as a shared space of responsibility.

In our model, silence is not absence, but the presence of a task.

It demands alertness — because silence holds only when consciously maintained.

It demands self‑restraint — because no one can dominate it.

And it demands co‑responsibility — because it exists only if all accept it.

Thus a community arises that is not formed by sound (as in a concert), but by shared endurance.

Those present become a community not through communication, but through resonance.

They do not hear something.    They hear themselves into the silence.

They do not think together, but they think side by side.

They do not simply remain silent.    They carry a silence.

This makes the community fragile, but also radical.

It is not defined by identity or opinion, but by a shared stance.

Why this is something third.

This form of community is neither liturgical (as in ritual), nor aesthetic (as in concert), nor political (as in assembly).

It is a situational, fragile, ethical community that exists only in the moment and cannot be institutionalized.

One could say it is a community not connected by sameness, but by simultaneity.

It arises because all present expose themselves to silence — and thus to the responsibility it implies.

The consequence for remembrance.

If silence is form, stance, and method, then remembrance becomes not an act of recalling, but an act of bearing.

The community arises not through the object of remembrance, but through the manner in which one approaches it.

Without overwhelming, without aesthetic over‑shaping, without narrative relief.

(GK & ALH)

Conclusion.   

Kaučić and Huber’s work can thus be situated within a network of thinkers and artists who engage with the impossibility of truth, the necessity of new mourning rituals, and the simultaneity of the non-simultaneous in war.

Particularly fruitful are the connections to Agamben (structure of war), Butler (politics of mourning), Nancy (community of mortals), Bataille, Blanchot, Derrida, and Celan (language after catastrophe).

(Transl.: GK & ALH)

War Requiem I

Krieg und Wahrheit / War and Truth. War Requiem.  (Dt./Engl.) 15.02.2026 Url/Link: https://www.philosophischepraxiskaucicundhuber.at/2026/02/15/krieg-und-wahrheit/

War Requiem  II

Krieg und Wahrheit / War and Truth,- eine Ergänzung (Dt./Engl.) 28.02.2026 Url/Link: https://www.philosophischepraxiskaucicundhuber.at/2026/02/28/krieg-und-wahrheit-war-and-truth-eine-ergaenzung/

Abspann / Closing sequence:

Philosophical Practice Vienna 1989 ff. Analysis Complication Aporia Identity Dislocation Meta-thesis Deconstruction

Falls Sie interessiert sind an einer PP mit mir/uns, bitte nur unter dieser E-mail einen Termin reservieren: To contact me/us, please use only this email: g.kaucic[at]chello.at

If you are interested in a PP (Philosophical Practice) with me/us, please reserve an appointment only under this email: To contact us, please use only this email: gack[at]chello.at

Philosophers, Writers, Philosophical Practitioners, Mediators, Translators, Feminists, Freeriders, (Wild) Camping Enthusiasts, Survivors Vienna

Philosophical Practice weltweit … rund um die Uhr … rund um die Welt, … „face à face“, … confidential one-to-one conversation, … around the clock … around the world

Grammatologische Philosophische Praxis (GPP) Dr. Gerhard Kaucic / Djay PhilPrax ( geb. 1959, Autor, Philosoph, PP seit 1989 ) Gespräch, Analyse, Diskurs, Problematisierung, Identitätsdislokation, Subjektivierung, Formalisierung, Fältelung, Komplizierung, Aporie, Dekonstruktion

Gespräche outdoor/indoor: Grammatologien, Kontextualisierungen, Analysen, Komplizierungen, Plurivalenzen, Dependenzen, Interdependenzen, Grammatiken, Aporien, Dekonstruktion…rund um die Uhr…rund um die Welt…

…around the clock …around the world…

cf. Jacques Derrida, Signatur Ereignis Kontext, – in: Randgänge der Philosophie, Wien 1988, S. 291-314 ( Französische Originalausgabe: Marges de la philosophie, Paris 1972 )

Philosophical Practice Vienna 1989 ff. Analysis Complication Aporia Identity Dislocation Meta-thesis Deconstruction

Cf. list of publications at: https://scholar.google.at/citations?user=wNUSN64AAAAJ&hl=de   

To contact us, please use only these emails:

g.kaucic[at]chello[dot]at or gack[at]chello.at

Projekte / Projects (1989 – 2026 ff.) 37 Jahre Philosophische Praxis Wien GK & ALH

Mehr dazu siehe unseren Teaser und unseren Footer sowie die übrigen Postings iBlogspot-Blog 2014 ff

Homepage: 

https://disseminationsdjayphilpraxkaucic.blogspot.com/2016/03/was-ist-philosophische-praxis-iii-teil-3.html

https://disseminationsdjayphilpraxkaucic.blogspot.com/2016/03/was-ist-philosophische-praxis-iii-teil-3.html?m=1

https://web.archive.org/web/20250910172931/https://disseminationsdjayphilpraxkaucic.blogspot.com/2016/03/was-ist-philosophische-praxis-iii-teil-3.html?m=1

Anna Lydia Huber (MSc, 67, 2026), Österreichische Philosophin, Grammatologische Philosophische Praxis Wien

Philosophical Lounge / Philosophischer Salon G Kaučić & AL Huber Wien, Österreich, –
Gerhard Kaučić (*1959), Leiter einer Grammatologischen Philosophischen Praxis (GPP) seit 37 Jahren in Wien ( 1989-2026 ff.)

Gerhard Kaučić (Dr. phil., 67, 2026), Österreichischer Philosoph, Grammatologische Philosophische Praxis Wien

Grammatologische Philosophische Praxis Wien

Demokratie leben Living Democracy Demokratie leben !!!

       Demokratie leben   !     Living Democracy !

Dekonstruktion hat eine ethische Komponente, da sie die Beziehung zum Anderen eröffnet, insofern sie Zugänge zu bislang Ungedachtem oder bisher Ausgeschlossenem findet und möglicherweise neue gesellschaftliche, neue zwischenmenschliche, neue politische, neue wissenschaftliche, neue juristische, neue technische, neue philosophische und künstlerische Denk- und Handlungsweisen erfindet oder auffindet (vgl. dazu E. Lévinas und J. Derrida).

Ich denke, jene, die autoritär denken und handeln, unterliegen einigen Grundirrtümern aufgrund vieler Fehlannahmen infolge unhinterfragter und nicht in deren Horizont des Denkens liegender Denkvoraussetzungen.  Unfähigkeit zur Selbstreflektion!

Gerhard Kaučić (67, 2026), Philosoph

Gerhard Kaučić (geb. 1959), Philosopher, Writer, Trans-lator, Philosophical Practitioner, Queer Theorist, Deconstruction, Queertheoretiker, Philosophischer Praktiker, Schriftsteller, Über-Setzer, Philosoph, Grammatologe, Autor, Wien, Austria, Europe


Gründer (1989) der ersten grammatologischen philosophischen Praxis (GPP) weltweit, – 37 years Philosophical Practitioner Gerhard Kaucic / Djay PhilPrax, Vienna, Austria, Europe


Philosophie … Dekonstruktion … „Recht auf Einsicht, oder die Erfindung des anderen“
 (cf. J. Derrida, Psyche. Erfindung des Anderen, Wien 2011)

Anna Lydia Huber (67, 2026), Philosophin

Anna Lydia Huber (MSc, geb. 1959, Alter 67, 2026), Philosophische Praxis 2009 ff.
Philosophische Praktikerin/Praktische Philosophie, Sprachanalytische Philosophie, Dekonstruktion, Schriftstellerin,  Übersetzerin, Österreichische Philosophin, Europäische Philosophin

Erzählungen, Berichte, Analysen, Reflexionen aus der Praxis/aus meiner/unserer Philosophischen Praxis

Wien 37 Jahre Praxis Jubiläum (1989-2026 ff.) Jubilaeum 37 Jahre PP 2026

Grammatologische PHILOSOPHISCHE PRAXIS  GERHARD KAUCIC / DJAY PHILPRAX & ANNA LYDIA HUBER WIEN ÖSTERREICH EUROPA

Die Lehre der Lekritüre der Grammatologie.

Eine jede „Einschreibung“ ist nicht „für immer“, eine jede Einschreibung ist endlich wie das Subjekt selbst, dessen „Archiv“ zerstört werden kann wie jedes Archiv.

Auch jedes Medienarchiv.

Durch die Bewußtmachungsarbeit passieren Dinge, die wir nicht planen, nicht kontrollieren können.

Mit Turnheim behaupte ich eine grundsätzliche Verwandtschaft von Psychoanalyse und Demokratie und von Dekonstruktion und Demokratie. Alle drei Namen sprechen von der Irreduktibilität der Singularität bei gleichzeitiger versuchter Wiederholbarkeit!

Psychoanalyse und Dekonstruktion behaupten beide eine Irreduzibilität der Hetero-Affektion in der Erfahrung eines „Eigenen“ und beide gehen von einem Wirken eines inneren Fremdkörpers aus!

Die Illisibilität eines jeden Textes und seine „Grundlosigkeit“! (vgl. Michael Turnheim, Das Andere im Gleichen, S. 11)

Der Analytiker ist ein Leser, eine Leserin. Und! Der Analytiker wird zum Schreiber, zum Schriftsteller als lesenden.

Text bleibt unlesbar lesbar ! (vgl. R. Barthes Illisibilität)

Die „Einschreibung“ ist nicht „für immer“, eine jede Einschreibung ist endlich wie das Subjekt selbst, dessen „Archiv“ zerstört werden kann wie jedes Archiv. Auch jedes Medienarchiv.

Durch die Bewußtmachungsarbeit passieren Dinge, die wir nicht planen, nicht kontrollieren können.

Affizierungen !

Die diversen Affizierungen und Immunisierungen sind unkontrollierbar. Sie basieren und passieren aufgrund der jeweiligen individuell biographischen Vor-Einschreibungen.

Zur Frage und zum Wort „Dekonstruktion“ vgl. Jacques Derridas „Überlegungen“ in einem „Brief an einen japanischen Freund“ aus dem Jahr 1985, übersetzt ins Deutsche und abgedruckt in: J. Derrida, Psyche. Erfindungen des Anderen II. Wien 2013 (Passagen Vlg.), S. 15 – 22.

„Das Wort „deconstruction“  bezieht, wie jedes andere auch, seinen Bedeutungswert nur von einer Einschreibung in eine Kette möglicher Substitutionen, in das, was man so seelenruhig einen „Kontext“ nennt.“ (ebda., S. 21)

„Allem Anschein zum Trotz ist die Dekonstruktion jedenfalls weder eine Analyse noch eine Kritik …

Eine Analyse ist sie insbesondere deshalb nicht, weil die Zerlegung (décomposition) einer Struktur kein Rückgang zum einfachen Element, zu einem nicht weiter zerlegbaren Ursprung ist.

Diese Werte, wie der der Analyse, sind selbst der Dekonstruktion unterworfene Philosopheme.“ ( S. 19)


„Die Dekonstruktion hat Statt, sie ist ein Ereignis (événement), das nicht erst auf die Überlegung, das Bewußtsein oder die Organisation des Subjekts, nicht einmal der Moderne, wartet. 

Es dekonstruiert sich.“ (S. 20)   

Philosophie … Dekonstruktion … „Recht auf Einsicht, oder die Erfindung des anderen“ (cf. J. Derrida, Psyche. Erfindung des Anderen, Wien 2011

Die Dekonstruktion hat notwendigerweise von innen her zu operieren, sich aller subversiven, strategischen und ökonomischen Mittel der alten Struktur zu bedienen, sich ihrer strukturell zu bedienen“ (DerridaGrammatologie, S. 45), um schließlich den nicht strukturell zu erfassenden Praxischarakter der Wahrheit freizulegen.

Gemeint ist die Sichtbarmachung der Doppelheit des gleichzeitigen An-und Abwesendsein der Wahrheit, des etwas Erblickens und dadurch anderes Aus-dem-Blickfeld-Ausschließens. (H. Kimmerle, J. Derrida zur Einführung, S. 49)

Und Dekonstruktion erschließt beziehungsweise eröffnet einen Zugang zum Anderen durch Entdeckungen von Unbekanntem oder bisher Ungedachtem.

Dekonstruktion läßt sich nicht definieren und nicht abschließen (vgl. dazu J. Derrida, Limited Inc, S. 171 ff.).

Die Dekonstruktion ist und bleibt stets die Befragung der Ursprünge, der Grundlagen und der Grenzen unseres begrifflichen, theoretischen und normativen Apparates. Und dies immer in der doppelten Bewegung der Différance.

Ein Text, der vielleicht aus gewohnter (binärer) These und Antithese besteht, enthüllt, wenn er dekonstruiert wird, beispielsweise eine Vielzahl von Perspektiven, die gleichzeitig vorhanden sind, – oft in Konflikt miteinander.

Dieser Konflikt aber wird durch die Dekonstruktion erst sichtbar.

Dekonstruktion hat eine ethische Komponente, da sie die Beziehung zum Anderen eröffnet, insofern sie Zugänge zu bislang Ungedachtem oder bisher Ausgeschlossenem findet und möglicherweise neue gesellschaftliche, neue zwischenmenschliche, neue politische, neue wissenschaftliche, neue juristische, neue technische, neue philosophische und künstlerische Denk- und Handlungsweisen erfindet oder auffindet (vgl. dazu E. Lévinas und J. Derrida).

Grammatologische Philosophische Praxis (GPP) könnte dazu einen nicht wenig gewichtigen Beitrag leisten, denke ich.

Denken wir.

ALH & GK

Zum besseren Verständnis und zur beginnenden Einübung in unsere philosophische Praxis lesen Sie bitte unsere Charakterisierung der Grammatologischen Philosophischen Praxis (GPP GK & ALH, Deutsch/Englisch), –

Url/Link: https://www.philosophischepraxiskaucicundhuber.at/charakterisierung/

For a better understanding and to begin practicing our philosophical approach, please read our characterization of Grammatological Philosophical Practice. (GPP GK & ALH, German/English), – 

Url/Link: https://www.philosophischepraxiskaucicundhuber.at/charakterisierung/

https://disseminationsdjayphilpraxkaucic.blogspot.com/2025/03/latest-news-information.html?m=1

Krieg und Wahrheit / War and Truth

                         (Deutsch / English)

„Wir halten es prinzipiell für unmöglich das Signifikat vom Signifikanten zu trennen durch Interpretation oder Kommentar und so die „Schrift“ durch die Schrift, die auch noch Lektüre ist, zu zerstören; nichtsdestoweniger glauben wir, daß diese Unmöglichkeit sich historisch artikuliert.“ (Derrida)

 Dekonstruktion hat eine ethische Komponente ! (Derrida)

Dekonstruktion hat eine ethische Komponente, – vielleicht sogar eine Zielgerichtetheit (ohne Methode oder Kritik sein zu wollen oder zu können), – eine Zielgerichtetheit auf die Verantwortlichkeit für den Anderen!

Die Geschichte ihrer Wirkungen. Die Geschichte eines Krieges enthüllt sich durch die Wahrheitsfindung seiner Wirkungen, z. B. seiner Wirkungen der Flucht, seiner Wirkungen in den Körpern seiner Flüchtlinge.

Erst wenn diese Geschichte abgeschlossen ist und die Deutungen zur Ruhe zu kommen scheinen, wenn uns die Interpretationen in all ihren Widersprüchen vor Augen geführt worden sein werden, dann erst ist das Rätsel seines Textes, das Rätsel seines Werkes als das Rätsel seiner Motive, Veranlassungen, Verflechtungen erkannt und vielleicht gelöst.

Körper brauchen Raum. Macht ist dort, wo Raum gewährt wird oder verweigert werden kann. Flüchtlingen zum Beispiel. Flüchtlinge sind machtlos, weil sie ortlos sind und Aufnahme finden müssen als Abhängige von einer Barmherzigkeit, nur selten rekurrierend auf eine Verrechtlichung.

Der Körper muß von der Geschichte her gedacht werden und als Leiblichkeit erkannt, also entziffert werden. Die Entschleierung seiner Textur.

Abhängig von unserer Erinnerungsarbeit und unserer Vorstellungskraft.

Und unter den Blicken der Anderen, dem Blick der Anderen.

Ich setze den Anderen und mich gleich und kann deshalb von mir als Mensch sprechen wie über den Anderen, der ein Mensch gleich wie ich ist (Levinas).

Wenn wir sagen „Die Geschichte eines Krieges enthüllt sich durch die Wahrheitsfindung seiner Wirkungen“, dann verschieben wir den Fokus weg vom Schlachtfeld, weg von Generälen, Strategien und politischen Erklärungen. Stattdessen rücken wir die Folgen ins Zentrum – und damit die Menschen, die sie tragen.

Wahrheit als Wirkung, nicht als Ursache.

Krieg wird oft über seine Ursachen erklärt.  Machtinteressen, Historische Gebietsansprüche, Territorialstreitigkeiten, Imperiale Phantasmagorien, Historische Verblendungszusammenhänge, Ideologien, Religionen, Expansionsgelüste, Größenwahn, Leidensignoranz, Mitleidslosigkeit, Haß, Feindseligkeit, Massenmordgier, Übermenschmanie, Untermenschdenke, Rassismus, sexologische Inkapabilität, Antipathien, unbewußte Wünsche, Allmachtbegehren, ver-rückte Ichaufblähung als Herr der insgesamt größten und meisten Atomwaffenarsenale, geopolitische Spannungen, Machtphantasien, Männerphantasien, Sexismus, Gier, Paranoia, Schizophrenie.

Doch die Wahrheit eines Krieges zeigt sich viel deutlicher in dem, was er hinterläßt. Zerstörte Städte, zerbrochene Biographien, Traumata, die sich in Körper einschreiben, Fluchtbewegungen, die ganze Gesellschaften verändern.

Die Wahrheit ist also nicht das, was Politiker*innen sagen, sondern das, was Menschen erleiden.

Flucht als sichtbare Spur der Spur des großteils unsichtbaren Textes Krieg.

Flucht ist eine der unmittelbarsten Wirkungen eines Krieges.

Sie ist: Bewegung im Raum, eine Bewegung im Körper und Bewegung im Gedächtnis.

Flucht zeigt, daß ein Raum unbewohnbar geworden ist.

Sie zeigt, daß Gewalt nicht nur stattgefunden hat, sondern weiterwirkt.

Körper werden zu Schmerz-Archiven. Narben, Schlaflosigkeit, Hypervigilanz, Sprachlosigkeit, veränderte Gesten, ein anderer Blick,  soziale Isolation, schmerzender und gepanzerter Körper, (cf. Klaus Theweleit),  Suizidgefühle oder Rache-Intentionalisierung, Reaktionstumore, Krebs,…

Diese körperlichen Spuren sind oft wahrhaftiger als jede offizielle Geschichtsschreibung.

Sie sind nicht interpretierbar im Sinne politischer Narrative – sie sind.

Die Wahrheit des Krieges ist nicht abstrakt, sondern leiblich. Es entsteht ein radikaler Perspektivwechsel.

Die Wahrheit eines Krieges ist nicht in Dokumenten, sondern in Menschen eingeschrieben.

Sie ist konkret, verletzlich, widersprüchlich, lebendig, tödlich.

Und sie (die Wahrheit) bleibt bestehen, lange nachdem der Krieg offiziell „vorbei“ ist.

Krieg nicht als Ereignis, sondern als Prozeß verstanden.

Ein Prozeß, der in Körpern weiterarbeitet, in Landschaften, in Sprachen, in Familiengeschichten.

Er macht sichtbar, daß Geschichte nicht nur erzählt, sondern erlebt wird.

Und daß Wahrheit nicht nur gedacht, sondern gefühlt wird.

Die Geschichte eines Krieges läßt sich nicht allein aus seinen Ursachen oder seinen offiziellen Chroniken begreifen, sondern vor allem aus den Wirkungen, die er in den Körpern und Bewegungen der Menschen hinterläßt.

Wahrheit erscheint hier nicht als abstrakte Erkenntnis, sondern als leiblich erfahrbare Spur: in der Erschöpfung der Fliehenden, in der Spannung ihrer Muskeln, in den Störungen ihres Schlafs, in den Blicken, die gelernt haben, Gefahr zu antizipieren.

Flucht wird so zur sichtbarsten Form der Wahrheit, weil sie zeigt, daß ein Raum unbewohnbar geworden ist und daß Gewalt nicht nur stattgefunden hat, sondern fortwirkt.

Die Körper der Flüchtenden werden zu Archiven, in denen sich der Krieg einschreibt – nicht als Erzählung, sondern als Rhythmus, als Reflex, als Schmerz.

In ihnen enthüllt sich eine Geschichte, die keine Worte braucht, um wahr zu sein, weil sie im Gewebe des Lebendigen selbst fortbesteht.

Erst wenn diese Geschichte abgeschlossen ist und die Deutungen zur Ruhe zu kommen scheinen, wenn uns die Interpretationen in all ihren Widersprüchen vor Augen geführt worden sein werden, dann erst ist das Rätsel seines Textes, das Rätsel seines Werkes als das Rätsel seiner Motive, Veranlassungen, Verflechtungen erkannt und vielleicht gelöst.

Dann liegt vielleicht die Wahrheit seiner Textur vor Augen.

Dekonstruktion hat eine ethische Komponente !

Dekonstruktion hat eine ethische Komponente, – vielleicht sogar eine Zielgerichtetheit (ohne Methode oder Kritik sein zu wollen oder zu können), – eine Zielgerichtetheit auf die Verantwortlichkeit für den Anderen!

Körper brauchen Raum. Macht ist dort, wo Raum gewährt wird oder verweigert werden kann.

Flüchtlingen zum Beispiel. Flüchtlinge sind machtlos, weil sie ortlos sind und Aufnahme finden müssen als Abhängige von einer Barmherzigkeit, nur selten rekurrierend auf eine Verrechtlichung.

Der Körper muß von der Geschichte her gedacht werden und als Leiblichkeit erkannt, also entziffert werden. Die Entschleierung seiner Textur. Abhängig von unserer Erinnerungsarbeit und unserer Vorstellungskraft. Und unter den Blicken der Anderen, dem Blick der Anderen. Ich setze den Anderen und mich gleich und kann deshalb von mir als Mensch sprechen wie über den Anderen, der ein Mensch gleich wie ich ist (Levinas).

Ich ist ein „Flüchtling!

Ich empfinde und das heißt, ich kann nicht nur über mich als Empfindenden sprechen, sondern gleichzeitig über die Welt und über die Anderen.

Leiblichkeit antwortet immer schon auf fremden Anspruch, sie ist nach Husserl ein Umschlagplatz zwischen Kultur und Natur. Leiblichkeit formuliert eine Machtgeschichte, die alles betrifft, was unsere Körper ausmacht. Auch besonders unser Denken und Fühlen.

Für Freud ist das Ich von vornherein in einer Sphäre der Triebschicksale eingelassen. Man kann von Liebesschicksalen sprechen, insofern die Beziehung zum Anderen vorgeprägt ist durch eine Vor-vergangenheit, die das Ich schon prägt, bevor es zu dieser Vergangenheit Stellung nehmen hätte können.

Anspruchskonflikte, Autoritätskonflikte, Übertragungen, die in ihren Verknotungen von Leben als Schrift, die nicht oder nur weit in der Nachträglichkeit dechiffrierbar wäre, Möglichkeiten unterbinden. Und anders als erwartbar, ermöglichen.

Über den leiblichen Menschen sprechen und denken heißt über die Natur zu sprechen und zu denken. Demzufolge geht die Frage nach dem Empfinden weit über eine bloß kognitive Orientierung in der Welt hinaus.

Die Wahrheit eines Werks enthüllt sich allein in der Geschichte seiner Wirkungen von Wahrheiten.

„Zu wissen, warum du lebst und gelebt hast, glaubst du, solange du nicht in der Schußlinie des Todes stehst.“ (Erika Burkart, „Grundwasserstrom“ Zürich 2000)

Zur selben Zeit denken wir das Unmögliche und das (dieses >zur selben Zeit<) ist das Unmögliche! (Derrida, Donner le temps I)

Die Gabe gibt, verlangt und nimmt Zeit.

Fiduziarische Vorgänge oder ökonomische.

Eine Gabe verlangt Zeit und Dauer, ein Warten, das nicht vergißt.

Es bedarf einer inneren Notwendigkeit, um aus einem Geben eine Gabe zu machen, es bedarf des Unterschieds zur Schuld und zur Bezahlung. Es braucht einen Unterschied zur Ökonomie des Tausches. Es braucht die Dauer mit open end.

Vielleicht ohne Ende. Ohne eine  Logik des Kredits. (cf. M. Mauss im Gegensatz zu Marx).

Die Gabe wäre ein Ereignis ohne Kreditverschreibung, das dadurch sogar aus dem Gedächtnis verschwinden könnte, also nie zurückkehrt.

Also keine Belohnung für eine Gabe und sei es irgendwann.

Die Gabe als „wirkliche“ Gabe wäre also in unseren Gesellschaften unökonomisch, – ohne Aufzeichnung und ohne Rückgaberecht!

Disseminativer Wahnsinn!? Gabe als reines Geben (cf. Derrida, La  dissémination, passim).

Die Gabe gibt, verlangt und nimmt Zeit.

Fiduziarische Vorgänge oder ökonomische?!?

Aus der Dissemination erwächst das Fruchtbare. Nicht unbedingt, aber möglicherweise.

Nie aus der reinen Ökonomik!

Von da her sollte man die rechtlichen und ökonomischen Begriffe „Freiheit, Pflicht, Freigebigkeit, Großzügigkeit, Verschwendung versus Sparsamkeit, Interesse, Nützlichkeit“ immer im Auge behalten und einer fraglichen Überdenkbarkeit aussetzen.

Die Wahrheit eines Werks (!!!) enthüllt sich erst und allein in der erkannten(!) Geschichte seiner Wirkungen.  

Zur selben Zeit denken wir das Unmögliche und das (dieses >zur selben Zeit<) ist das Unmögliche! (Derrida, Donner le temps I) 

Freude, Freundschaft, Freiheit!    Eine politische Landschaft!  Eine bepflanzte Oberfläche! Pfropfungen in den Leibern.

Diese Grenzlinien vergangener Mächte, sie brechen auf in die Geschichte der Gegenwart. Das verdrängte Unterdrückte bricht ein in den Alltag der sogenannten zivilisierten Gesellschaften.

Autokratien zum Teil, Demokratien, die selbst noch um ihr Kommen ringen.

Die Grenzlinien der Macht sind niemals endgültig gezogen. Sie verschieben sich, überlagern sich, reißen auf.

Wo Macht sich selbst zum Recht erhebt, entstehen jene unsichtbaren Risse, durch die das Vergangene in die Gegenwart zurückkehrt. Rußland. China. Türkei. USA.

Die unterdrückten Erfahrungen früherer Herrschaftsformen verschwinden nicht, sie lagern sich ab wie Sedimente, die unter dem Druck neuer Ordnungen nur scheinbar erstarren. In Momenten gesellschaftlicher Erschütterung brechen sie hervor und dringen in den Alltag der sogenannten (zivilisierten) Gesellschaften ein – Autokratien, Demokratien (oder noch nicht), die selbst noch um ihr eigenes Werden ringen, um die fragile Balance zwischen Freiheit und Kontrolle, zwischen Offenheit und Angst.

So zeigt sich, daß die Geschichte der Macht nicht hinter uns liegt, sondern in jedem politischen und sozialen Gefüge weiterwirkt (sogar fallweise als Krieg herauseitert!), als unruhige Erinnerung und als Mahnung, daß Recht nie selbstverständlich ist, sondern immer neu errungen werden muß.

So wird der Körper zum Ort, an dem sich die Machtverhältnisse der Vergangenheit und die Unsicherheiten der Gegenwart kreuzen. In ihm zeigt sich, daß Krieg nicht endet, wenn die Waffen schweigen, und daß Erinnerung nicht bloß ein mentaler Akt ist, sondern ein fortdauernder Prozeß, der im Gewebe des Lebendigen weiterarbeitet.

Die Wahrheit des Krieges ist nicht abgeschlossen. Sie wandert, sie atmet, sie verändert die Räume, in denen sie ankommt.

Und vielleicht ist es gerade diese Unabgeschlossenheit, die uns zwingt, die Geschichte nicht als etwas Vergangenes zu betrachten, sondern als etwas, das uns berührt, formt und herausfordert – jeden Tag, in jedem Körper, der seine Spuren trägt.

Vielleicht müssen wir zugeben, daß Krieg nicht nur ein historisches Ereignis ist, sondern eine fortdauernde Präsenz, die sich in Körpern, Räumen und politischen Ordnungen sedimentiert.

Erinnerung ist deshalb kein Akt des Rückblicks, sondern ein tastender Versuch, die unsichtbaren Linien zu erkennen, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpfen.

In den Körpern der Überlebenden, in den Bewegungen der Vertriebenen, vielleicht in uns allen, in den Rissen unserer Gesellschaften, in unseren Politkörpern, sogar in unseren Demokratien wird sichtbar, daß die Geschichte nicht vergeht, sondern sich verwandelt – und daß ihre Wahrheit nicht im Archiv der Dokumente liegt, sondern im lebendigen Gewebe derer, die sie tragen.

Vielleicht besteht unsere Aufgabe weniger darin, den Krieg zu erklären, als darin, seine Spuren zu lesen: aufmerksam, verletzlich, ohne die Illusion, daß sie jemals vollständig verschwinden.

Denn erst in dieser Anerkennung beginnt eine Form von Verantwortung, die nicht auf Vergessen baut, sondern auf der Fähigkeit, das Fortwirken des Vergangenen im Jetzt wahrzunehmen – und ihm eine andere Zukunft entgegenzustellen.

Zur abschließenden Erhellung Freud, Lacan, Derrida in Anspruch genommen.

Communio: Lux aeterna.  Lux perpetua luceat eis. Das ewige Licht leuchte ihnen.

Die Psychoanalyse nach Sigmund Freud und Jacques Lacan bietet tiefgreifende, oft unbequeme Einblicke in die menschliche Psyche, die Krieg, Wahrheit, Landschaft, Leib und Begehren nicht als getrennte Phänomene, sondern als miteinander verwobene Aspekte unbewußter Prozesse betrachtet.

Während Freud den Fokus auf Triebdynamik (Es/Ich/Über-Ich) legt, betont Lacan die Strukturierung des Subjekts durch Sprache (Symbolisches) und Mangel.

Krieg (und Aggression)

Freud („Warum Krieg?“, „Zeitgemäßes über Krieg und Tod“):

Krieg ist Ausdruck des Todes- und Zerstörungstriebs (Thanatos), der dem Lebewesen innewohnt und sich gegen den Nächsten richtet. Aggressivität ist ein fundamentales, nicht ausrottbares Triebpotenzial, das bei Kollektiven (Staaten) zügellos ausbrechen kann. Kultur soll den Trieb bändigen, führt aber oft nur zur Sublimierung oder Verschiebung.

Lacan:

Krieg ist eng mit der Unmöglichkeit verbunden, die eigene Jouissance (Genuß/Lustgewinn im Schmerzhaften) zu regulieren. Es ist oft eine Frage der Identifikation im Imaginären (Spiegelstadium), wo der Andere als Feind konstruiert wird.

Wahrheit

Freud:

Die „Wahrheit“ ist oft verdrängt. Sie zeigt sich in Symptomen, Fehlleistungen und Träumen. Die analytische Wahrheit ist eine individuelle Wahrheit, die oft in der „Urgeschichte“ des Subjekts (Kindheit) wurzelt. Die psychoanalytische „Kulturarbeit“ besteht darin, diese verdrängte Wahrheit trotz Widerständen bewußt zu machen.

Lacan:

Wahrheit ist „Struktur der Fiktion“. Sie ist das, was sich der vollständigen sprachlichen Artikulation entzieht, da Sprache (das Symbolische) immer lückenhaft ist. Wahrheit „entsteht“ im Diskurs, ist aber nie ganz greifbar.

Landschaft (und Raum)

Freud/Psychoanalyse:

Räume werden oft als topographische Metaphern für den seelischen Apparat genutzt (Bewußt/Unbewußt). Landschaft kann als Projektionsfläche für innere Zustände (Landschaft als Leib-Metapher) oder als Ort des Traumas (Schlachtfeld) dienen.

Lacan: 

Der Raum wird durch das Symbolische und Imaginäre strukturiert. Das, was man sieht (Landschaft), wird durch das „Zeichen“ (Signifikant/Signifikat/Signifikant/Signifikat, die Sprache) bestimmt, das der Andere (Ordnung) vorgegeben hat. 

Leib (unser je eigener Körper)

Freud: 

Das Ich ist „vor allem ein körperliches Ich“. Es ist die Projektion einer Oberfläche. Triebe (Libido) sind „an den Körper gebunden“. Körperliche Symptome (Hysterie, Phobien, Überlegenheitsgefühle, Schizoidität, Minderwertigkeitsgefühle, Magersucht, Freßsucht, Depressionen, Paranoia, Schizotypie, Schizotypismus, Psychose, Schizophrenie, …) sind Ausdruck verdrängter seelischer Konflikte.

Lacan: 

Der Körper wird erst durch das Bild im Spiegel (Imaginäres) und die Sprache (Symbolisches) als Einheit konstituiert. Lacan unterscheidet zwischen dem biologischen Körper (Need) und dem erogenen Körper, der durch den „Mangel“ (Begehren) strukturiert wird. Die Jouissance durchdringt den Körper. 

Das Begehren (Desire)

Freud: 

Begehren (Wunsch) ist primär das Streben des „Es“ nach Lustbefriedigung (Lustprinzip). Es entsteht aus einem Mangel (z.B. der Triebbefriedigung).

Lacan: 

Dies ist einer seiner Kernbegriffe. „Begehren ist ein Verhältnis des Seins zum Mangel“.   

Kein Bedürfnis: Es ist nicht Hunger (Need), sondern das, was nach Abzug des Bedürfnisses von der Forderung (Demand) übrig bleibt.

Begehren des Anderen: Man begehrt nicht ein Objekt, sondern man begehrt, das zu sein, was dem Anderen fehlt, oder man begehrt, was der Andere begehrt.

Objekt a: Das Objekt des Begehrens ist letztlich unerreichbar (objet petit a), was das Begehren metonymisch (nie endend) am Laufen hält.

Freud sieht den Menschen als von Trieben gesteuert, die in der Kultur (Krieg/Frieden) zivilisiert werden müssen. Lacan betont, daß der Mensch ein „sprechendes Wesen“ ist, das durch Mangel, Sprache und die unaufhörliche Suche nach Anerkennung (Begehren) definiert wird.

Für Freud und Lacan ist der Krieg kein Betriebsunfall der Zivilisation, sondern ein Ausbruch dessen, was unter der Oberfläche immer präsent ist. In ihrer Welt ist der Mensch kein rationales Wesen, sondern ein von unbewußten Kräften getriebenes Subjekt.

Der Mensch als Rohling. Der sich nicht (mehr) erkannt fühlende und beleidigte (ob zurecht oder zuunrecht spielt keine große Rolle) Mensch findet mangels Worten, mangels reflektorischer und sich permanent bearbeitender Bildung des Selbsts keinen Halt mehr in seiner schwach ausgebildeten zivilisatorischen Verfaßtheit.

ER, der Mensch (sehr viel öfter der männlich definierte Mensch) verliert seine Fassung und geht,  außer sich geraten, fassungslos und in gepanzertem Körper erstarrt (cf. Theweleit) in den Mord oder Selbstmord.

Landschaft und Leib

In der Psychoanalyse ist der Körper nicht einfach nur Fleisch, und die Landschaft nicht nur Umgebung.

Der Leib (Le corps): Lacan unterscheidet zwischen dem biologischen Organismus und dem „Leib“. Durch das Spiegelstadium erkennt sich das Kind erstmals als Ganzheit. Der Leib ist also ein Bild, eine imaginäre Konstruktion. Er ist die „Landkarte“ unserer Identität.

Die Landschaft: Sie kann als Projektionsfläche des Unbewußten verstanden werden. In der psychoanalytischen Ästhetik ist die Landschaft oft eine Erweiterung des Leibes oder ein Raum, in dem das Subjekt seine Sehnsüchte und Ängste verortet (das „Unheimliche“). Die Grenze zwischen Innen (Leib) und Außen (Landschaft) ist fließend.

Was heißt hier „Begehren“ ?

Das Begehren (désir) ist der zentrale Motor bei Lacan und unterscheidet sich strikt vom biologischen Bedürfnis.

Begehren versus Bedürfnis: Ein Bedürfnis (Hunger) kann gestillt werden. Das Begehren hingegen ist unendlich, weil es ein Verlangen nach fortwährender Anerkennung ist.

Das Begehren des Anderen:

Lacan sagt berühmterweise „Das Begehren des Menschen ist das Begehren des Anderen.“

Wir begehren das, was andere begehren, oder wir wollen vom Anderen begehrt werden.

Mangel: Das Begehren entsteht aus einem fundamentalen Mangel. Wir suchen ständig nach einem Objekt (dem Objekt klein a), das uns „ganz“ machen soll, aber dieses Objekt existiert nicht.

Landschaft und Leib als „Text“ gelesen und bearbeitet. Das Begehren hält uns am Leben, indem es uns immer weiter suchen läßt, ohne je endgültig ans Ziel zu kommen.

Diese Konzepte sind eng miteinander verwoben. Der Krieg ist oft ein pervertierter Versuch, den Mangel des Begehrens durch totale Zerstörung oder Aneignung von Landschaft und fremden Leibern zu füllen – eine Suche nach einer Wahrheit, die im Kern leer bleibt.

Für Lacan ist das Reale nicht die Realität. Die Realität ist das, was wir durch Sprache und Bilder verstehen. Das Reale hingegen ist das, was sich nicht in Worte fassen läßt – das Trauma, der nackte Tod, der „Lärm und der Zorn“.

Der Krieg als Einbruch. Im Krieg bricht das Reale in unsere geschützte Welt ein. Alle symbolischen Sicherheiten (Gesetze, Moral, Identität) versagen. Die Wahrheit des Krieges ist bei Lacan die Begegnung mit dem Abgrund, den wir normalerweise durch unseren Alltag verdecken.

Derrida würde hier einwenden, daß Krieg niemals „rein“ ist. Er ist immer schon von SCHRIFT, – Ideologien und Rechtfertigungen durchdrungen. Für ihn ist die Wahrheit des Krieges eine Aporie,  – ein unauflösbarer Widerspruch.

Krieg ist der Moment, in dem die „Gerechtigkeit“ (die unmöglich ist) vom „Recht“ (das gewaltsam ist) geschieden wird.

Während Lacan den Leib als Bild (Imaginäres) sieht, versteht Derrida alles als eine Form von Textur.

Für Derrida ist der Leib kein abgeschlossenes Ganzes, sondern eine Einschreibung unter die erste Oberfläche. Verletzungen im Krieg sind gewaltsame unvorhersehbare „Einschreibungen“. Der Leib ist eine Landschaft, auf der die Geschichte ihre Narben hinterläßt.

Landschaft und Différance. Die Landschaft ist bei Derrida nie einfach „da“.

Sie ist geprägt von der Différance (Aufschub und Unterschied). Eine Grenze in der Landschaft ist nicht nur eine Linie, sondern ein gewaltvoller Akt der Trennung.

Die Landschaft im Krieg ist eine „verwundete Textur„, die zeigt, daß Identität immer auf dem Ausschluß des Anderen basiert.

Achten wir weiter dosiert auf Jacques Derrida. Hören wir hin. Wir hören die Ukraine. Leiden. Hoffnung. Weinen. Das Begehren und das Unmögliche.

Lacan sagt, das Begehren sei auf ein Objekt gerichtet, das fehlt. Derrida radikalisiert dies durch die Idee der Unentscheidbarkeit.

Begehren nach dem Anderen. Das Andere. Die Anderen. Lacan sieht das Begehren als den Wunsch, die Leere zu füllen.

[[ Fußnote, Einschub:

„Hostipitalität“ (französisch: hostipitalité) ist ein von Jacques Derrida geprägtes Kofferwort, das die tiefe und paradoxe Verbundenheit von Gastfreundschaft (hospitalité) und Feindseligkeit (hostilité) beschreibt. Es ist ein bezeichnender Begriff seiner dekonstruktivistischen Ethik, der verdeutlicht, daß Gastfreundschaft immer auch das Potenzial zur Feindschaft in sich trägt.

Die Unmöglichkeit reiner Gastfreundschaft.

Derrida unterscheidet zwischen einer bedingungslosen (absoluten) Gastfreundschaft und bedingten Gesetzen der Gastfreundschaft. Wahre Gastfreundschaft fordert, den Fremden willkommen zu heißen, ohne nach seinem Namen, seiner Identität oder seinen Absichten zu fragen.

Hostipitalität eine Aporie. In der Praxis ist Gastfreundschaft jedoch immer an Bedingungen geknüpft (Gesetze, Grenzen, Identitätskontrollen). Diese Bedingungen machen die Gastfreundschaft notwendig, beschränken sie aber gleichzeitig und verwandeln sie in ihr Gegenteil – Hostility (Feindseligkeit).

Der Akt des Empfangens ist somit immer ein Akt, der den Gast kontrolliert und einschränkt.

Der Fremde eine Bedrohung. Der Begriff verdeutlicht, daß der Gast (hôte auf Französisch bedeutet sowohl Gast als auch Gastgeber) potenziell als Feind gesehen wird.

Die „Hostipitalität“ ist die Erfahrung dieses Paradoxons, daß der Schutz des Eigenen (das Zuhause, der Staat) eine feindselige Haltung gegen den Fremden impliziert.

Daraus folgen politische Implikationen. Derrida entwickelte dieses Theorem in Auseinandersetzung mit Xenophobie, Einwanderungsgesetzen und dem Asylrecht. Es hinterfragt, wie Gastfreundschaft in modernen Nationalstaaten praktiziert wird – oft als eine begrenzte, überwachte Aufnahme, die eher auf Mißtrauen als auf absoluter Offenheit beruht.

Hostipitalität ist für Derrida die unlösbare, aber notwendige Spannung, in der Gastfreundschaft stets von Feindseligkeit durchzogen ist.

Kurz einmal auf die Etymologie hinweisend.  Derrida verweist auf das lateinische Wort hostis, das ursprünglich sowohl „Fremder/Gast“ als auch „Feind“ bedeuten konnte.

Die Aporie der Macht. Wahre Gastfreundschaft setzt voraus, daß der Gastgeber Herr in seinem eigenen Haus ist. Doch genau diese Behauptung von Macht und Grenzen stellt bereits eine potenzielle Ausgrenzung oder Kontrolle des Gastes dar. Die Aporie der Macht.

Nun noch zur bedingten versus unbedingten Gastfreundschaft.

Bedingt heißt geregelt durch Gesetze, Pässe und Bedingungen (z.B. staatliches Asylrecht). Sie ist laut Derrida immer mit einer Form von Gewalt oder Kontrolle verbunden.

Unbedingt verlangt eine unmögliche, reine Gastfreundschaft, die den Fremden ohne jede Identitätsprüfung oder Gegenleistung empfängt.

Selbstsaufgabe!?  In der Praxis schlägt Gastfreundschaft oft in Feindseligkeit um, wenn der Gast die Regeln des Hauses bricht oder der Gastgeber seine Kontrolle bedroht sieht – der Gast wird zum „Parasiten“ oder der Gastgeber zum „Geiselnehmer“.

Derridas Konzept verdeutlicht, daß jede Form des Willkommens eine innere Spannung birgt.

Man kann nicht gastfreundlich sein, ohne gleichzeitig Grenzen zu ziehen, die den anderen zum „Anderen“ (und damit potenziellen Feind) machen. ]]

„Wir“ (!?) begehren die Vernichtung des Anderen, weil seine bloße Existenz unsere eigene Identität (unseren Leib, unsere Landschaft) in Frage stellt.

Der Kreml und sein Begehren. Die schlimme Nachricht. Hört dieses Land, seine Führungen jemals auf zu begehren?!

Derrida nutzt die Spannung der Hostipitalität, um zwei sehr einflußreiche politische Konzepte zu dekonstruieren. Immanuel Kants Entwurf des Weltbürgerrechts und die moderne staatliche Flüchtlingspolitik beziehungsweise die europäische Flüchtlingspolitik.

Die Kritik an Immanuel Kant (Weltbürgerrecht)

In seinem Entwurf „Zum ewigen Frieden“ formulierte Kant das Hospitalitätsrecht: Jeder Fremde hat das Recht, bei seiner Ankunft auf fremdem Boden nicht feindselig behandelt zu werden. Doch Derrida sieht hier eine entscheidende Einschränkung:

Das Besuchsrecht versus Gastrecht.  Kant gewährt lediglich ein Besuchsrecht, kein dauerhaftes Gastrecht. Der Fremde darf nur so lange bleiben, wie es für den Austausch (Handel/Kommunikation) nötig ist.

Für Kant ist Gastfreundschaft ein Rechtsbegriff, kein moralisches Umsonst. Sie ist an den Staat und das Gesetz gebunden. Die Regel der Bedingtheit.

Derrida argumentiert, daß Kant damit die Gastfreundschaft domestiziert. Indem man sie rechtlich einrahmt, sichert man primär die Souveränität des Gastgebers ab.

Wahre Gastfreundschaft müßte laut Derrida über das Recht hinausgehen und das Risiko des Unvorhersehbaren akzeptieren.

Derrida überträgt diese philosophische Aporie (Unauflösbarkeit) direkt auf die Politik der Nationalstaaten.

Der Staat als Türsteher. Der Staat verkörpert die Hostipitalität par excellence.

Er bietet Schutz (Hospitalität), fordert aber totale Transparenz (Hostilität). Ein Flüchtling muß sich identifizieren, seine Geschichte beweisen und sich den Regeln unterwerfen.

Das Paradoxon der Integration. Integration wird oft als Akt der Gastfreundschaft verkauft.

Derrida zeigt jedoch auf, daß sie oft eine Form der Assimilation ist: „Du bist willkommen, solange du so wirst wie wir.“

Différance und Hospitalität (statt der Gefahr und den fast zwanghaften Einfall der Hostipitalität).

Zusammenfassende Gegenüberstellung zur besseren Orientierung:

Aspekt     Bedingte Gastfreundschaft (Staat/Kant)       Unbedingte Gastfreundschaft (Derrida/Ethik)

Grundlage        Recht, Gesetz, Vertrag                                Ethik, Gabe, Offenheit

Identität   „Wer bist du?  Zeig deinen Paß.“            „Tritt ein, wer auch immer du bist.“

Ziel        Ordnung und Sicherheit                 Die radikale Begegnung mit dem Anderen

Gefahr        Ausschluß und Bürokratie           Selbstaufgabe des Gastgebers

Für Derrida muß die Politik (das Machbare) immer durch die unmögliche, unbedingte Gastfreundschaft herausgefordert werden, damit sie nicht in reine Verwaltung und Abwehr erstarrt.

In seinem Werk „Von der Gastfreundschaft“ (Passagen Verlag, Wien) faßt Derrida die unauflösbare Spannung zwischen dem Ideal und der Realität treffend zusammen.

Das Paradoxon ist, – wir müssen den Fremden als „Fremden“ identifizieren (Pass, Name), um ihn rechtlich aufzunehmen, – doch in dem Moment, in dem wir ihn identifizieren und Bedingungen stellen, haben wir die reine Gastfreundschaft bereits verraten.

Wichtig bleibt für uns (alle), – trotz dieser Unmöglichkeit darf die „unbedingte Gastfreundschaft“ nicht aufgegeben werden.

Gastfreundschaft ist für Derrida also kein friedlicher Zustand, sondern ein ständiger Kampf mit der eigenen Angst vor dem Kontrollverlust.

Für Jacques Derrida ist die Frage nach dem Namen der Moment, in dem die reine Gastfreundschaft kippt.

In seinem Werk „Von der Gastfreundschaft“ analysiert er dies als den Übergang von der Ethik zum Recht.

Sobald wir den Gast fragen: „Wie heißt du?“, beginnen wir, ihn zu kontrollieren.

Wir verlangen eine Identität, einen sozialen Status oder einen Paß.

Er bricht einfach herein (wie eine Geburt oder ein Ereignis), ohne angekündigt zu sein.

Wenn ich jemanden gastfreundlich aufnehmen will, muß ich ihn ansprechen können. Aber indem ich ihn mit seinem Namen anspreche, mache ich ihn zum Subjekt meiner Sprache und meiner Gesetze. Er ist dann kein „absoluter Anderer“ mehr, sondern ein bekannter Gast.

Der Name ist das Instrument, mit dem der Gastgeber (Host) seine Macht über den Raum behauptet.

Wahre Gastfreundschaft hieße für Derrida: „Komm!“ – ohne zu fragen, wer da kommt.

Da dies in der Realität der Staaten und Gesetze fast unmöglich ist, bleibt die Gastfreundschaft immer ein spannungsgeladener Prozeß zwischen dem Willkommen und der Kontrolle.

Die Kombination dieser Denker zeigt uns, die Wahrheit im Kontext von Krieg ist keine Information, sondern eine Erschütterung.

Alle Liebe Euch!

Krieg und Wahrheit / War and Truth. War Requiem.  (Dt./Engl.) 15.02.2026 Url/Link: 

https://www.philosophischepraxiskaucicundhuber.at/2026/02/15/krieg-und-wahrheit/

Krieg und Wahrheit / War and Truth,- eine Ergänzung (Dt./Engl.) 28.02.2026 Url/Link: 

https://www.philosophischepraxiskaucicundhuber.at/2026/02/28/krieg-und-wahrheit-war-and-truth-eine-ergaenzung/

In English:

                                         

What is a landscape and what is its truth?

“We consider it fundamentally impossible to separate the signified from the signifier through interpretation or commentary and thus to destroy the ‘writing’ through the writing, which is also reading; nevertheless, we believe that this impossibility is historically articulated.” (Derrida)

 Deconstruction has an ethical component! (Derrida)

Deconstruction has an ethical component—perhaps even a purposefulness (without wanting or being able to be methodical or critical)—a purposefulness aimed at responsibility for others!

The history of its effects. The history of a war is revealed through the discovery of the truth about its effects, e.g., its effects on flight, its effects on the bodies of its refugees.

Only when this history is complete and the interpretations seem to have settled, when the interpretations in all their contradictions have been brought before our eyes, only then is the mystery of his text, the mystery of his work as the mystery of his motives, causes, and interrelationships recognized and perhaps solved.

Bodies need space. Power is where space can be granted or denied. Refugees, for example. Refugees are powerless because they are placeless and must find refuge as dependents on mercy, rarely resorting to legalization.

The body must be thought of in terms of history and recognized as physicality, that is, deciphered. The unveiling of its texture.

Dependent on our work of remembrance and our imagination.

And under the gaze of others, the view of others.

I equate the other with myself and can therefore speak of myself as a human being in the same way as I speak of the other, who is a human being just like me (Levinas).

When we say “The history of a war is revealed by uncovering the truth about its effects,” we shift the focus away from the battlefield, away from generals, strategies, and political statements. Instead, we focus on the consequences—and thus on the people who bear them.

Truth as effect, not as cause.

War is often explained in terms of its causes.  Power interests, historical territorial claims, territorial disputes, imperial phantasmagoria, historical delusions, ideologies, religions, expansionist ambitions, megalomania, ignorance of suffering, lack of compassion, hatred, hostility, mass murder greed, superhuman mania, subhuman thinking, racism, sexual incapability, antipathy, unconscious desires, craving for omnipotence, delusional ego inflation as master of the largest and most extensive nuclear arsenal, geopolitical tensions, power fantasies, male fantasies, sexism, greed, paranoia, schizophrenia.

But the truth of war is much more evident in what it leaves behind. Destroyed cities, broken lives, traumas that leave their mark on bodies, waves of refugees that change entire societies.

So the truth is not what politicians say, but what people suffer.

Flight as a visible trace of the largely invisible text of war.

Flight is one of the most immediate effects of war.

It is movement in space, movement in the body, and movement in memory.

Flight shows that a space has become uninhabitable.

It shows that violence has not only taken place, but continues to have an effect.

Bodies become archives of pain. Scars, insomnia, hypervigilance, speechlessness, altered gestures, a different gaze,  social isolation, painful and armored bodies (cf. Klaus Theweleit),  suicidal feelings or intentions of revenge, reactionary tumors, cancer…

These physical traces are often more truthful than any official historiography.

They cannot be interpreted in terms of political narratives—they simply are.

The truth of war is not abstract, but physical. A radical change of perspective emerges.

The truth of a war is not inscribed in documents, but in people.

It is concrete, vulnerable, contradictory, alive, deadly.

And it (the truth) remains long after the war is officially “over.”

War understood not as an event, but as a process.

A process that continues to work in bodies, in landscapes, in languages, in family histories.

It makes it visible that history is not only told, but experienced.

And that truth is not only thought, but felt.

The history of a war cannot be understood solely from its causes or official chronicles, but above all from the effects it leaves on people’s bodies and movements.

Truth here appears not as abstract knowledge, but as a physically tangible trace: in the exhaustion of those fleeing, in the tension of their muscles, in their disturbed sleep, in their eyes, which have learned to anticipate danger.

Flight thus becomes the most visible form of truth, because it shows that a space has become uninhabitable and that violence has not only taken place, but continues to have an effect.

The bodies of those fleeing become archives in which war is inscribed—not as a narrative, but as a rhythm, as a reflex, as pain.

They reveal a story that needs no words to be true, because it lives on in the fabric of life itself.

Only when this story is complete and the interpretations seem to have settled, when the interpretations in all their contradictions have been brought before our eyes, only then will the mystery of his text, the mystery of his work as the mystery of his motives, motivations, and interconnections be recognized and perhaps solved.

Then perhaps the truth of his texture will be before our eyes.

Deconstruction has an ethical component!

Deconstruction has an ethical component—perhaps even a purposefulness (without wanting or being able to be methodical or critical)—a purposefulness aimed at responsibility for others!

Bodies need space. Power is where space can be granted or denied.

Refugees, for example. Refugees are powerless because they are placeless and must find refuge as dependents on mercy, rarely resorting to legal recourse.

Physicality always responds to foreign demands; according to Husserl, it is a transshipment point between culture and nature. Physicality formulates a history of power that affects everything that constitutes our bodies. Especially our thinking and feeling.

For Freud, the ego is embedded from the outset in a sphere of instinctual destinies. One can speak of destinies of love insofar as the relationship to the other is pre-shaped by a pre-past that already shapes the ego before it could have taken a position on this past.

Conflicts of entitlement, conflicts of authority, transference, which in their entanglements of life as writing that cannot be deciphered, or can only be deciphered far in retrospect, prevent possibilities. And, contrary to what might be expected, enable them.

To speak and think about the physical human being is to speak and think about nature. Consequently, the question of feeling goes far beyond a merely cognitive orientation in the world.

The truth of a work is revealed solely in the history of its effects of truths.

“You think you know why you live and have lived as long as you are not in the line of fire of death.” (Erika Burkart, “Grundwasserstrom” Zurich 2000)

Respect flight and refugees! Respect life and living things!

At the same time, we think the impossible, and that (this >at the same time<) is the impossible! (Derrida, Donner le temps I)

Giving takes time, demands time, and requires time.

Fiduciary processes or economic ones.

A giving requires time and duration, a waiting that does not forget.

It requires an inner necessity to turn a giving into a gift; it requires a difference from debt and payment. It requires a difference from the economy of exchange. It requires duration with an open end.

Perhaps without end. Without a logic of credit. (cf. M. Mauss in contrast to Marx).

The gift would be an event without credit, which could even disappear from memory, never to return.

So no reward for a gift, even if it is at some point.

The gift as a “real” gift would therefore be uneconomical in our societies—without record and without the right of return!

Disseminative madness!? Gift as pure giving (cf. Derrida, La dissemination, passim).

The gift gives, demands, and takes time.

Fiduciary processes or economic ones?!?

Fruitfulness arises from dissemination. Not necessarily, but possibly.

Never from pure economics!

From this perspective, one should always keep in mind the legal and economic concepts of “freedom, duty, generosity, extravagance versus thrift, interest, usefulness” and subject them to questioning reconsideration.

The truth of a work (!!!) is revealed only and solely in the recognized (!) history of its effects.  

Living in the same time!!!   Do we live in the same time—which is impossible?!?

At the same time, we think the impossible, and that (this >at the same time<) is the impossible! (Derrida, Donner le temps I) 

Joy, friendship, freedom!    A political landscape!  A planted surface! Grafts in the bodies.

Boundaries of power. “Where power is right.”

These boundaries of past powers break into the history of the present. The repressed and oppressed break into the everyday life of so-called civilized societies.

Some are autocracies, others are democracies still struggling to establish themselves.

The boundaries of power are never definitively drawn. They shift, overlap, and tear apart.

Where power elevates itself to the status of law, invisible cracks appear through which the past returns to the present. Russia. China. Turkey. The USA.

The suppressed experiences of earlier forms of rule do not disappear; they are deposited like sediments that only appear to solidify under the pressure of new orders. In moments of social upheaval, they break out and penetrate the everyday life of so-called (civilized) societies—autocracies, democracies (or not yet), which are themselves still struggling for their own existence, for the fragile balance between freedom and control, between openness and fear.

This shows that the history of power is not behind us, but continues to have an effect in every political and social structure (even occasionally erupting into war!), as a restless memory and a reminder that justice can never be taken for granted, but must always be fought for anew.

Thus, the body becomes the place where the power relations of the past and the uncertainties of the present intersect. It shows that war does not end when the guns fall silent, and that memory is not merely a mental act, but an ongoing process that continues to work in the fabric of life.

The truth of war is not complete. It wanders, it breathes, it changes the spaces it arrives in.

And perhaps it is precisely this incompleteness that forces us to view history not as something that belongs to the past, but as something that touches, shapes, and challenges us—every day, in every body that bears its traces.

Perhaps we must admit that war is not just a historical event, but an ongoing presence that is sedimented in bodies, spaces, and political orders.

Memory is therefore not an act of looking back, but a tentative attempt to recognize the invisible lines that connect the past and the present.

Perhaps our task is less to explain war than to read its traces: attentively, vulnerably, without the illusion that they will ever disappear completely.

For it is only in this recognition that a form of responsibility begins that is not based on forgetting, but on the ability to perceive the continuing effects of the past in the present—and to counter them with a different future.

For final clarification, Freud, Lacan, and Derrida are invoked.

Communio: Lux aeterna.  Lux perpetua luceat eis. May eternal light shine upon them.

Psychoanalysis according to Sigmund Freud and Jacques Lacan offers profound, often uncomfortable insights into the human psyche, which views war, truth, landscape, body, and desire not as separate phenomena, but as interwoven aspects of unconscious processes.

While Freud focuses on drive dynamics (id/ego/superego), Lacan emphasizes the structuring of the subject through language (the symbolic) and lack.

War (and aggression)

Freud (“Why War?”, “Contemporary Thoughts on War and Death”):

War is an expression of the death and destruction instinct (Thanatos) inherent in living beings and directed against their neighbors. Aggressiveness is a fundamental, ineradicable drive potential that can erupt uncontrollably in collectives (states). Culture is supposed to tame the drive, but often only leads to sublimation or displacement.

Lacan:

War is closely linked to the impossibility of regulating one’s own jouissance (enjoyment/pleasure gained from pain). It is often a question of identification in the imaginary (mirror stage), where the other is constructed as an enemy.

Truth

Freud:

The “truth” is often repressed. It manifests itself in symptoms, slips of the tongue, and dreams. Analytical truth is an individual truth that is often rooted in the “prehistory” of the subject (childhood). Psychoanalytic “cultural work” consists of making this repressed truth conscious despite resistance.

Lacan:

Truth is the “structure of fiction.” It is that which eludes complete linguistic articulation, since language (the symbolic) is always incomplete. Truth “arises” in discourse, but is never fully tangible.

Landscape (and space)

Freud/psychoanalysis:

Spaces are often used as topographical metaphors for the psychic apparatus (conscious/unconscious). Landscape can serve as a projection surface for inner states (landscape as a body metaphor) or as a place of trauma (battlefield).

Lacan:

Space is structured by the symbolic and the imaginary. What we see (landscape) is determined by the “sign” (signifier/signified/signifier/signified, language) that the other (order) has prescribed.

Body (our own body)

Freud:

The ego is “above all a physical ego.” It is the projection of a surface. Drives (libido) are “bound to the body.” Physical symptoms (hysteria, phobias, feelings of superiority, schizoidity, feelings of inferiority, anorexia, bulimia, depression, paranoia, schizotypy, schizotypal personality disorder, psychosis, schizophrenia, etc.) are expressions of repressed psychological conflicts.

Lacan:

The body is only constituted as a unity through the image in the mirror (imaginary) and language (symbolic). Lacan distinguishes between the biological body (need) and the erogenous body, which is structured by “lack” (desire). Jouissance permeates the body.

Desire

Freud:

Desire is primarily the striving of the id for pleasure satisfaction (pleasure principle). It arises from a lack (e.g., of drive satisfaction).

Lacan:

This is one of his core concepts. “Desire is a relationship of being to lack.”   

Not a need: It is not hunger (need), but what remains after the need has been subtracted from the demand.

Desire for the other: One does not desire an object, but one desires to be what the other lacks, or one desires what the other desires.

Object a: The object of desire is ultimately unattainable (objet petit a), which keeps desire going metonymically (never ending).

Freud sees humans as driven by instincts that must be civilized in culture (war/peace). Lacan emphasizes that humans are “speaking beings” defined by lack, language, and the incessant search for recognition (desire).

For Freud and Lacan, war is not an occupational hazard of civilization, but an eruption of what is always present beneath the surface. In their world, humans are not rational beings, but subjects driven by unconscious forces.

Lacan sees truth not as facts, but as something that is “structured like a fiction.” In war, the real (the indescribable, the horrific) breaks through the symbolic (laws, language).

For Freud, the truth of war is the unmasking of humans as creatures driven by instinct. The “death drive” (Thanatos) shows that humans have a tendency toward dissolution and destruction.

The truth of war is the failure of language. When words no longer have any effect, physically crude and raw violence takes over. The crude. The uncivilized. The shark brain without foresight and without any reflection on one’s own self and others.

Unrelated. Incapable of relationships. Loner or horde life. (cf. Canetti, Crowds and Power)

Man as a brute. The person who no longer feels recognized and feels insulted (whether rightly or wrongly is irrelevant) finds, for lack of words, for lack of reflective and constantly evolving self-education, no longer any foothold in his weakly developed civilized constitution.

HE, the human being (much more often the male-defined human being) loses his composure and, beside himself, stunned and frozen in an armored body (cf. Theweleit), resorts to murder or suicide.

Landscape and Body

In psychoanalysis, the body is not simply flesh, and the landscape is not merely the environment.

The body (Le corps): Lacan distinguishes between the biological organism and the “body.” Through the mirror stage, the child recognizes itself as a whole for the first time. The body is therefore an image, an imaginary construction. It is the “map” of our identity.

The landscape: It can be understood as a projection surface of the unconscious. In psychoanalytic aesthetics, the landscape is often an extension of the body or a space in which the subject locates its desires and fears (the “uncanny”). The boundary between inside (body) and outside (landscape) is fluid.

What does “desire” mean here?

Desire (désir) is the central driving force in Lacan’s work and is strictly distinguished from biological need.

Desire versus need: A need (hunger) can be satisfied. Desire, on the other hand, is infinite because it is a craving for constant recognition.

The desire of the other:

Lacan famously says, “The desire of man is the desire of the other.”

We desire what others desire, or we want to be desired by others.

Lack: Desire arises from a fundamental lack. We are constantly searching for an object (the object small a) that will make us “whole,” but this object does not exist.

These concepts are closely intertwined. War is often a perverted attempt to fill the void of desire through total destruction or appropriation of landscape and foreign bodies—a search for a truth that remains empty at its core.

The real in war. When order breaks down.

For Lacan, the real is not reality. Reality is what we understand through language and images. The real, on the other hand, is what cannot be put into words – trauma, naked death, “noise and fury.”

War as an intrusion. In war, the real breaks into our protected world. All symbolic certainties (laws, morality, identity) fail. For Lacan, the truth of war is the encounter with the abyss that we normally cover up in our everyday lives.

Derrida would object here that war is never “pure.” It is always already permeated by WRITING, ideologies, and justifications. For him, the truth of war is an aporia, an irresolvable contradiction.

War is the moment when “justice” (which is impossible) is separated from “law” (which is violent).

While Lacan sees the body as an image (imaginary), Derrida understands everything as a form of texture.

For Derrida, the body is not a closed whole, but an inscription beneath the first surface. Injuries in war are violent, unpredictable “inscriptions.” The body is a landscape on which history leaves its scars.

Landscape and différance. For Derrida, the landscape is never simply “there.”

It is marked by différance (deferral and difference). A border in the landscape is not just a line, but a violent act of separation.

Lacan says that desire is directed toward an object that is lacking. Derrida radicalizes this through the idea of undecidability.

Desire for the other. The other. The others. Lacan sees desire as the wish to fill the void.

Derrida’s hospitality. Derrida links desire with ethics.

The deepest desire is for the “totally other” (le tout autre).

He speaks of unconditional hospitality: the desire to welcome the stranger without asking who he is.

[[ Footnote, insertion:

Hostipitality” (French: hostipitalité) is a portmanteau word coined by Jacques Derrida that describes the deep and paradoxical connection between hospitality (hospitalité) and hostility (hostilité). It is a significant term in his deconstructivist ethics, which illustrates that hospitality always carries within it the potential for hostility.

The impossibility of pure hospitality.

Derrida distinguishes between unconditional (absolute) hospitality and conditional laws of hospitality. True hospitality requires welcoming strangers without asking their name, identity, or intentions.

Hostipitality is an aporia. In practice, however, hospitality is always subject to conditions (laws, borders, identity checks). These conditions make hospitality necessary, but at the same time restrict it and transform it into its opposite—hostility.

The act of receiving is thus always an act that controls and restricts the guest.

The stranger, a threat. The term illustrates that the guest (hôte in French means both guest and host) can potentially be seen as an enemy.

Hostipitality” is the experience of this paradox: the protection of one’s own (home, state) implies a hostile attitude toward the stranger.

This has political implications. Derrida developed this theorem in engagement with xenophobia, immigration laws, and asylum rights. It questions how hospitality is practiced in modern nation-states—often as a limited, monitored form of admission based more on mistrust than absolute openness.

For Derrida, hostipitality is the insoluble but necessary tension in which hospitality is always permeated by hostility.

A brief note on etymology: Derrida refers to the Latin word hostis, which originally could mean both “stranger/guest” and “enemy.”

The aporia of power. True hospitality presupposes that the host is master in their own house. Yet this very assertion of power and boundaries already constitutes a potential exclusion or control of the guest. The aporia of power.

Now, on conditional versus unconditional hospitality.

Conditional hospitality is regulated by laws, passports, and conditions (e.g., state asylum law). According to Derrida, it is always associated with a form of violence or control.

Unconditional hospitality demands an impossible, pure hospitality that receives the stranger without any identity check or reciprocity.

Self-surrender?!

In practice, hospitality often turns into hostility when the guest breaks the rules of the house or the host feels their control threatened—the guest becomes a “parasite,” the host a “hostage-taker.”

Derrida’s concept reveals that every form of welcome harbors an inner tension.

One cannot be hospitable without simultaneously drawing boundaries that turn the other into the “Other” (and thus a potential enemy). ]]

Critique of Immanuel Kant (Cosmopolitan Right)

In his essay “Toward Perpetual Peace,” Kant formulates the right of hospitality: every stranger has the right not to be treated with hostility upon arrival on foreign soil. However, Derrida identifies a crucial limitation here:

The right to visit versus the right to be a guest. Kant grants only a right to visit, not a permanent right to be a guest. The stranger may stay only as long as necessary for exchange (trade/communication).

For Kant, hospitality is a legal concept, not a moral gift. It is bound to the state and the law. The rule of conditionality.

Derrida argues that Kant thereby domesticates hospitality. By framing it legally, one primarily secures the sovereignty of the host.

True hospitality, according to Derrida, must go beyond the law and accept the risk of the unpredictable.

Modern/European Refugee Policy

Derrida directly applies this philosophical aporia (irresolvability) to the politics of nation-states.

The state as gatekeeper. The state embodies hostipitality par excellence.

It offers protection (hospitality), but demands total transparency (hostility). A refugee must identify themselves, prove their story, and submit to the rules.

Différance and hospitality (rather than the danger and the almost compulsive intrusion of hostipitality).

Summary Table for Orientation:

Aspect

      Conditional Hospitality (State/Kant)

      Unconditional Hospitality (Derrida/Ethics)

 Foundation

      Law, contract, legislation

      Ethics, gift, openness

    Identity

      “Who are you? Show your passport.”

      “Enter, whoever you are.”

    Goal

      Order and security

      The radical encounter with the Other

    Danger

      Exclusion and bureaucracy

      Self-surrender of the host

For Derrida, politics (the realm of the possible) must always be challenged by the impossible, unconditional hospitality, lest it congeal into mere administration and defense.

In his work Of Hospitality (Passagen Verlag, Vienna), Derrida succinctly captures the irresolvable tension between ideal and reality:

The paradox is this:

— We must identify the stranger as a “stranger” (passport, name) in order to admit them legally,

— Yet the moment we identify them and impose conditions, we have already betrayed pure hospitality.

What remains crucial for us (all) is:

— Despite this impossibility, we must not abandon “unconditional hospitality.”

It serves as an ethical compass to continually question and improve existing laws (such as Kant’s or modern asylum laws).

For Derrida, hospitality is not a peaceful state, but a constant struggle with our own fear of losing control.

For Jacques Derrida, the question of the name is the moment when pure hospitality tips over.

In Of Hospitality, he analyzes this as the transition from ethics to law.

The name as the first boundary. The first hostility.

As soon as we ask the guest, “What is your name?” we begin to control them.

We demand an identity, a social status, or a passport.

In Derrida’s view, this is already a form of violence, as we fit the stranger into our framework of law and order.

The nameless arrival (L’Arrivant). Absolute hospitality is directed at someone who has no name and owes no account.

They simply break in (like a birth or an event), unannounced.

If I want to welcome someone, I must be able to address them. But by addressing them by name, I make them a subject of my language and my laws. They are no longer an “absolute Other,” but a known guest.

True hospitality, for Derrida, would mean: “Come!”—without asking who is coming.

Since this is almost impossible in the reality of states and laws, hospitality remains a tension-filled process between welcome and control.

The combination of these thinkers shows us that truth, in the context of war, is not information, but a tremor.

Lots of love to you all

Krieg und Wahrheit / War and Truth. War Requiem.  (Dt./Engl.) 15.02.2026 Url/Link: https://www.philosophischepraxiskaucicundhuber.at/2026/02/15/krieg-und-wahrheit/

Krieg und Wahrheit / War and Truth,- eine Ergänzung (Dt./Engl.) 28.02.2026 Url/Link: https://www.philosophischepraxiskaucicundhuber.at/2026/02/28/krieg-und-wahrheit-war-and-truth-eine-ergaenzung/

Falls Sie interessiert sind an einer PP mit mir/uns, bitte nur unter dieser E-mail einen Termin reservieren: To contact me/us, please use only this email: g.kaucic[at]chello.at

If you are interested in a PP (Philosophical Practice) with me/us, please reserve an appointment only under this email: To contact us, please use only this email: gack[at]chello.at

Philosophers, Writers, Philosophical Practitioners, Mediators, Translators, Feminists, Freeriders, (Wild) Camping Enthusiasts, Survivors Vienna

Grammatologische Philosophische Praxis (GPP) Dr. Gerhard Kaucic / Djay PhilPrax ( geb. 1959, Autor, Philosoph, PP seit 1989 ) Gespräch, Analyse, Diskurs, Problematisierung, Identitätsdislokation, Subjektivierung, Formalisierung, Fältelung, Komplizierung, Aporie, Dekonstruktion

Öffnungszeiten / Hours of opening:  Mo –  Do:  11 – 20 Uhr

Honorar nach Vereinbarung / Charge by arrangement

Gespräche outdoor/indoor: Grammatologien, Kontextualisierungen, Analysen, Komplizierungen, Plurivalenzen, Dependenzen, Interdependenzen, Grammatiken, Aporien, Dekonstruktion…rund um die Uhr…rund um die Welt…

…around the clock …around the world…

cf. Jacques Derrida, Signatur Ereignis Kontext, – in: Randgänge der Philosophie, Wien 1988, S. 291-314 ( Französische Originalausgabe: Marges de la philosophie, Paris 1972 )

Philosophical Practice Vienna 1989 ff. Analysis Complication Aporia Identity Dislocation Meta-thesis Deconstruction

Cf. list of publications at: https://scholar.google.at/citations?user=wNUSN64AAAAJ&hl=de   

To contact us, please use only these emails:

Projekte / Projects (1989 – 2026 ff.) 37 Jahre Philosophische Praxis Wien GK & ALH

Mehr dazu siehe unseren Teaser und unseren Footer sowie die übrigen Postings iBlogspot-Blog 2014 ff

Homepage: 

https://disseminationsdjayphilpraxkaucic.blogspot.com/2016/03/was-ist-philosophische-praxis-iii-teil-3.html

https://disseminationsdjayphilpraxkaucic.blogspot.com/2016/03/was-ist-philosophische-praxis-iii-teil-3.html?m=1

https://web.archive.org/web/20250910172931/https://disseminationsdjayphilpraxkaucic.blogspot.com/2016/03/was-ist-philosophische-praxis-iii-teil-3.html?m=1

Philosophical Lounge / Philosophischer Salon G Kaučić & AL Huber Wien, Österreich, –
Gerhard Kaučić (*1959), Leiter einer Grammatologischen Philosophischen Praxis (GPP) seit 37 Jahren in Wien ( 1989-2026 ff.)

Grammatologische Philosophische Praxis Wien

Demokratie leben Living Democracy Demokratie leben !!!

       Demokratie leben   !     Living Democracy !

Dekonstruktion hat eine ethische Komponente, da sie die Beziehung zum Anderen eröffnet, insofern sie Zugänge zu bislang Ungedachtem oder bisher Ausgeschlossenem findet und möglicherweise neue gesellschaftliche, neue zwischenmenschliche, neue politische, neue wissenschaftliche, neue juristische, neue technische, neue philosophische und künstlerische Denk- und Handlungsweisen erfindet oder auffindet (vgl. dazu E. Lévinas und J. Derrida).

Ich denke, jene, die autoritär denken und handeln, unterliegen einigen Grundirrtümern aufgrund vieler Fehlannahmen infolge unhinterfragter und nicht in deren Horizont des Denkens liegender Denkvoraussetzungen.  Unfähigkeit zur Selbstreflektion!

Gerhard Kaučić (geb. 1959), Philosopher, Writer, Trans-lator, Philosophical Practitioner, Queer Theorist, Deconstruction, Queertheoretiker, Philosophischer Praktiker, Schriftsteller, Über-Setzer, Philosoph, Grammatologe, Autor, Wien, Austria, Europe


Gründer (1989) der ersten grammatologischen philosophischen Praxis (GPP) weltweit, – 37 years Philosophical Practitioner Gerhard Kaucic / Djay PhilPrax, Vienna, Austria, Europe


Philosophie … Dekonstruktion … „Recht auf Einsicht, oder die Erfindung des anderen“
 (cf. J. Derrida, Psyche. Erfindung des Anderen, Wien 2011)

Anna Lydia Huber (MSc, geb. 1959, Alter 67, 2026), Philosophische Praxis 2009 ff.
Philosophische Praktikerin/Praktische Philosophie, Sprachanalytische Philosophie, Dekonstruktion, Schriftstellerin,  Übersetzerin, Österreichische Philosophin, Europäische Philosophin

Erzählungen, Berichte, Analysen, Reflexionen aus der Praxis/aus meiner/unserer Philosophischen Praxis

Wien 37 Jahre Praxis Jubiläum (1989-2026 ff.) Jubilaeum 37 Jahre PP 2026

Die Lehre der Lekritüre der Grammatologie.

Eine jede „Einschreibung“ ist nicht „für immer“, eine jede Einschreibung ist endlich wie das Subjekt selbst, dessen „Archiv“ zerstört werden kann wie jedes Archiv.

Auch jedes Medienarchiv.

Durch die Bewußtmachungsarbeit passieren Dinge, die wir nicht planen, nicht kontrollieren können.

Mit Turnheim behaupte ich eine grundsätzliche Verwandtschaft von Psychoanalyse und Demokratie und von Dekonstruktion und Demokratie. Alle drei Namen sprechen von der Irreduktibilität der Singularität bei gleichzeitiger versuchter Wiederholbarkeit!

Psychoanalyse und Dekonstruktion behaupten beide eine Irreduzibilität der Hetero-Affektion in der Erfahrung eines „Eigenen“ und beide gehen von einem Wirken eines inneren Fremdkörpers aus!

Die Illisibilität eines jeden Textes und seine „Grundlosigkeit“! (vgl. Michael Turnheim, Das Andere im Gleichen, S. 11)

Der Analytiker ist ein Leser, eine Leserin. Und! Der Analytiker wird zum Schreiber, zum Schriftsteller als lesenden.

Text bleibt unlesbar lesbar ! (vgl. R. Barthes Illisibilität)

Die „Einschreibung“ ist nicht „für immer“, eine jede Einschreibung ist endlich wie das Subjekt selbst, dessen „Archiv“ zerstört werden kann wie jedes Archiv. Auch jedes Medienarchiv.

Durch die Bewußtmachungsarbeit passieren Dinge, die wir nicht planen, nicht kontrollieren können.

Affizierungen !

Die diversen Affizierungen und Immunisierungen sind unkontrollierbar. Sie basieren und passieren aufgrund der jeweiligen individuell biographischen Vor-Einschreibungen.

Gegenwartsphilosophie

Contemporary Philosophy

Zur Frage und zum Wort „Dekonstruktion“ vgl. Jacques Derridas „Überlegungen“ in einem „Brief an einen japanischen Freund“ aus dem Jahr 1985, übersetzt ins Deutsche und abgedruckt in: J. Derrida, Psyche. Erfindungen des Anderen II. Wien 2013 (Passagen Vlg.), S. 15 – 22.

„Das Wort „deconstruction“  bezieht, wie jedes andere auch, seinen Bedeutungswert nur von einer Einschreibung in eine Kette möglicher Substitutionen, in das, was man so seelenruhig einen „Kontext“ nennt.“ (ebda., S. 21)

„Allem Anschein zum Trotz ist die Dekonstruktion jedenfalls weder eine Analyse noch eine Kritik …

Eine Analyse ist sie insbesondere deshalb nicht, weil die Zerlegung (décomposition) einer Struktur kein Rückgang zum einfachen Element, zu einem nicht weiter zerlegbaren Ursprung ist.

Diese Werte, wie der der Analyse, sind selbst der Dekonstruktion unterworfene Philosopheme.“ ( S. 19)


„Die Dekonstruktion hat Statt, sie ist ein Ereignis (événement), das nicht erst auf die Überlegung, das Bewußtsein oder die Organisation des Subjekts, nicht einmal der Moderne, wartet. 

Es dekonstruiert sich.“ (S. 20)   

Philosophie … Dekonstruktion … „Recht auf Einsicht, oder die Erfindung des anderen“ (cf. J. Derrida, Psyche. Erfindung des Anderen, Wien 2011

Die Dekonstruktion hat notwendigerweise von innen her zu operieren, sich aller subversiven, strategischen und ökonomischen Mittel der alten Struktur zu bedienen, sich ihrer strukturell zu bedienen“ (DerridaGrammatologie, S. 45), um schließlich den nicht strukturell zu erfassenden Praxischarakter der Wahrheit freizulegen.

Gemeint ist die Sichtbarmachung der Doppelheit des gleichzeitigen An-und Abwesendsein der Wahrheit, des etwas Erblickens und dadurch anderes Aus-dem-Blickfeld-Ausschließens. (H. Kimmerle, J. Derrida zur Einführung, S. 49)

Dekonstruktion läßt sich nicht in einen „Begriff“ Dekonstruktion einschließen.

Und Dekonstruktion erschließt beziehungsweise eröffnet einen Zugang zum Anderen durch Entdeckungen von Unbekanntem oder bisher Ungedachtem.

Dekonstruktion läßt sich nicht definieren und nicht abschließen (vgl. dazu J. Derrida, Limited Inc, S. 171 ff.).

Die Dekonstruktion ist und bleibt stets die Befragung der Ursprünge, der Grundlagen und der Grenzen unseres begrifflichen, theoretischen und normativen Apparates. Und dies immer in der doppelten Bewegung der Différance.

Ein Text, der vielleicht aus gewohnter (binärer) These und Antithese besteht, enthüllt, wenn er dekonstruiert wird, beispielsweise eine Vielzahl von Perspektiven, die gleichzeitig vorhanden sind, – oft in Konflikt miteinander.

Dieser Konflikt aber wird durch die Dekonstruktion erst sichtbar.

Dekonstruktion hat eine ethische Komponente, da sie die Beziehung zum Anderen eröffnet, insofern sie Zugänge zu bislang Ungedachtem oder bisher Ausgeschlossenem findet und möglicherweise neue gesellschaftliche, neue zwischenmenschliche, neue politische, neue wissenschaftliche, neue juristische, neue technische, neue philosophische und künstlerische Denk- und Handlungsweisen erfindet oder auffindet (vgl. dazu E. Lévinas und J. Derrida).

Grammatologische Philosophische Praxis (GPP) könnte dazu einen nicht wenig gewichtigen Beitrag leisten, denke ich.

Denken wir.

Zum besseren Verständnis und zur beginnenden Einübung in unsere philosophische Praxis lesen Sie bitte unsere Charakterisierung der Grammatologischen Philosophischen Praxis (GPP GK & ALH, Deutsch/Englisch), –

Url/Link: 

https://www.philosophischepraxiskaucicundhuber.at/charakterisierung/

For a better understanding and to begin practicing our philosophical approach, please read our characterization of Grammatological Philosophical Practice. (GPP GK & ALH, German/English)