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Sokratismus / Grammatologie

Frage des Schülers:

Ich habe in Ihre Texte schon des Öfteren reingelesen und verstehe noch nicht so ganz, was die klassische Sokratische Methode in einer Philosophischen Praxis unterscheidet von Ihrer Grammatologischen Philosophischen Praxis

GK:

Die Grammatologische Philosophische Praxis ist ein spezifischer Ansatz innerhalb der Philosophischen Praxis, der maßgeblich von uns beiden (Gerhard Kaučić und Anna Lydia Huber)  geprägt wurde.

Er grenzt sich von klassischen Beratungsformen durch seine theoretische Fundierung in der Dekonstruktion und der Sprachanalytischen Philosophie ab.

ALH:

Ich nenne Dir ein paar Kernmerkmale unserer Praxis:

Schrift und Spur: In Anlehnung an Jacques Derridas Grammatologie wird das Augenmerk auf das „Geschriebene/die Textur“ gelegt, die unser Denken und Handeln vorstrukturiert.

(  im weitesten Sinne: Texte, – Text  meint  alles, was als Zeichen oder Diskurs analysiert und dekonstruiert werden kann – also weit mehr als nur geschriebene Worte.   „Text“ in einem erweiterten, philosophischen Sinne.  

Für uns ist „Text“ nicht nur geschriebene Sprache, sondern umfaßt alle Formen von Zeichen, Diskursen, Filmen, Sprache, sogar Institutionen, Strukturen gesetzter (z.B. politischer) Handlungen und alle Formen von  kulturellen Äußerungen.

So kann beispielsweise ein Film als „Text“ gelesen und analysiert werden, indem man seine Zeichen, Strukturen und Bedeutungen dekonstruiert und interpretiert. Diese Herangehensweise stammt aus der Grammatologie und Semiologie, die sich mit der Analyse von Zeichen und ihrer Bedeutung beschäftigen.  

Jacques Derridas Textbegriff ist radikal erweitert und umfaßt nicht nur geschriebene Dokumente, sondern alle Wirklichkeitsbereiche, da alles durch Zeichen, Bedeutungen und Interpretationen vermittelt wird. Seine berühmte Formulierung „il n’y a pas de hors-texte“ (es gibt kein Außerhalb des Textes) bedeutet, daß soziale, historische oder reale Strukturen stets bereits textuell bzw. interpretativ verfaßt sind.    

«Il n’y a pas de hors-texte» (Kein Außerhalb des Textes): Dies ist keine Leugnung der Realität, sondern die Aussage, daß die Realität uns nie „nackt“, sondern immer strukturiert durch Sprache, Zeichen und Bedeutungen – also als Text – erscheint.  

Text ist ein Gewebe von Zeichen (réseau de signes), ein System aus differentiellen Verweisen. Ein Zeichen hat keinen festen, innewohnenden Sinn, sondern erhält seine Bedeutung erst durch die Beziehung zu anderen Zeichen, die wiederum auf andere verweisen.   

Différance und Spuren: Ein Text ist niemals vollständig gegenwärtig oder abgeschlossen. Bedeutung entsteht durch Aufschub (différance) und Spuren, die auf andere, abwesende Texte verweisen. Es gibt nur „Spuren von Spuren“.    

Derrida spricht nicht von einem spezifischen Werk, sondern von einer allgemeinen Textualität, die als Grundstruktur von Welt und Erfahrung fungiert. 

Der Text ist bei Derrida ein dynamisches, offenes „System“ (! ohne Zentrum !), das durch ständige Verschiebung und Ergänzung (Supplement) von Bedeutung gekennzeichnet ist. )   

Methodische Dekonstruktion: Anstatt fertige Lebensantworten zu liefern, zielt unser Ansatz darauf ab, festgefahrene sprachliche und begriffliche Konstruktionen des Klienten zu hinterfragen und zu dekonstruieren.

Wissenschaftliche Einbettung: Unsere Grammatologische Philosophische  Praxis versteht sich als akademisch fundierte Reflexion, die über die bloße Lebensberatung hinausgeht und philosophisches Wissen als Ressource für die Öffentlichkeit nutzbar macht.

Pluralität: Unsere Praxis, so denke ich, ordnet sich in die Vielfalt zeitgenössischer Ansätze ein, die Philosophie nicht als reine Theorie, sondern als „Bildung des Selbst“ und „Untersuchung des Menschseins“ betreiben.

GK:

Nun, du möchtest mehr darüber erfahren, wie sich dieser dekonstruktive Ansatz konkret von der klassischen Sokratischen Methode in der Beratung unterscheidet. Das zu beantworten verlangt eine längere Antwort und bedarf einer kurzen Pause.

Nach etwa 10 Minuten beginnen wir mit einem vorläufigen Antwortversuch:

Ad hoc würde ich sagen, der entscheidende Unterschied liegt im Umgang mit der Wahrheit und dem Subjekt.

Während das Sokratische Gespräch nach (durch die Art und Weise des Fragens gesteuerter) Erkenntnis strebt, fragt die Grammatologische Praxis nach den Strukturen, die diese Erkenntnis überhaupt erst ermöglichen (oder verhindern).

Hier für Dich auf dem Stand-Flipchart in wenigen Worten und Wörtern ein direkter Vergleich der beiden Ansätze:

Vergleich:                                   Sokratik            vs.             Grammatologische Praxis

Merkmal             Sokratische Methode (Mäeutik)              Grammatologische Praxis

Ziel   Die „Geburt“ einer Wahrheit durch Dialog.     Das Sichtbarmachen von Voraussetzungen  festgefahrener „Texte“.

Rolle des/der Berater*in            Geburtshelfer*in, der/die durch Fragen zum Kern führt.            Grammatologe*in, der/die auf Widersprüche und „Spuren“ von Präsenz im Gesagten und auf Ungesagtes hinweist.

Fokus  Der Inhalt   (Was ist Gerechtigkeit? Was will ich?).       Die Form   (Wie ist mein Denken sprachlich konstruiert?).

Ergebnis             (Idealerweise) Klarheit, Einsicht, Definition.         Differenz, Offenlegung von Machtstrukturen (z.B. patriarchale Spuren von Präsenz), Verflüssigung von Dogmen.

Warum die Grammatologische Praxis anders „fragt“(!?)

In der klassischen Sokratik gehen wir davon aus, daß die Wahrheit bereits im Klienten schlummert und nur „hervorgeholt“ werden muß. Die Grammatologische Praxis ist hier skeptischer:

Gegen das „Zentrum“:

Die Grammatologie (nach Derrida) misstraut der Idee, daß es ein festes Zentrum oder eine einzige Wahrheit gibt.

In der Beratung (Auseinandersetzung, manchmal durchaus konfliktuös) bedeutet das: Es gibt keine „wahre Identität“ des Klienten, die man freilegen könnte, sondern nur ein Geflecht aus Erzählungen und Rollen.

Die Macht der Sprache: Während Sokrates die Sprache als Werkzeug nutzt, sieht die Grammatologische Praxis die Sprache als das Medium, das uns beherrscht. Wir sprechen nicht nur Sprache, die Sprache „spricht“ auch uns (durch gesellschaftliche Normen und Begriffe).

Vom Sprechen zum Schreiben (auch das Sprechen ist ein Schreiben, eine Einschreibung als Versuch!): Während Sokrates das mündliche Gespräch (Präsenz/Absenz) privilegierte, betont die Grammatologie die Schriftlichkeit (wir suchen die Texte auf, das Eingeschriebene), die Einschreibung. Strukturen, Gesetze, Sprache, Unterweisungen, Gehörtes schreiben sich ein. In uns Einzelne. In die Gesellschaft als Ganzes.

In unserer Praxis bedeutet das oft auch die Zuhilfenahme von schon Geschriebenem,- die Arbeit mit konkreten Texten, Tagebüchern, Notizen, Autobiographischem oder der Analyse der „Skripte“, die wir im Praxisprogreß mitnotieren, um dann gleich hernach über dieses Aufgezeichnete zu sprechen. Vorerst und zuallererst nur darüber. Ohne allzuviele Digressionen, wenn möglich.  

ALH:

Ein praktisches Beispiel

Stellen wir uns einen Gast/Gästin/Klient*in vor, der/die sagt: „Ich muß endlich authentisch sein.“

Der Sokratiker, die Sokratikerin würde fragen: „Was bedeutet ‚authentisch‘ für dich? Wann fühlst du dich so?“ – Ziel ist die Definition und Annäherung an das Ideal.

Der Grammatologische Praktiker, die Praktikerin würde fragen: „Welcher Diskurs schreibt dir vor, daß man ‚authentisch‘ sein muß?   Woher stammt dieser Begriff in deiner Biografie?   Welche Gegensätze (z.B. echt/unecht werden hier konstruiert?“ – Ziel ist die Dekonstruktion des Begriffszwangs.

Die Grammatologische Praxis ist daher oft „anstrengender“ oder intellektuell fordernder, da sie nicht direkt zur Lösung führt, sondern das Problem selbst als sprachliches Konstrukt auflöst.

Ich möchte Dir noch gern zeigen, wenn ich darf, wenn noch Zeit dafür ist, ganz kurz und schnell, wie sieht ein konkreter Ablauf einer solchen dekonstruktiven Sitzung aus?

In einer grammatologischen Sitzung (nach Kaučić und Huber) steht nicht die Suche nach einer Lösung im Vordergrund, sondern die Analyse der „Textur“ des Problems. Es geht darum, das Thema als ein Geflecht aus Spuren von Verschiebung/Verschiftung, autoritären Begriffsanwendungen und historischen Vorbelastungen zu lesen.

Ein typischer Ablauf läßt sich in diese Phasen unterteilen:

1. Die „Verschriftlichung“ des Anliegens

Statt nur frei zu erzählen, wird der Klient oft ermutigt, sein Problem als „Text“ zu betrachten und wenn möglich kurz schriftlich zu skizzieren.

Aktion: Der Praktiker, die Praktikerin achtet extrem genau auf die Wortwahl. Begriffe wie „müssen“, „natürlich“ oder „eigentlich“ werden als Ankerpunkte markiert.

Ziel: Distanz schaffen. Das Problem ist nicht „im“ Klienten, sondern es zeigt sich „zwischen“ den Worten.

2. Aufspüren binärer Oppositionen

Der dekonstruktive Kern: Jedes Problem basiert meist auf einer versteckten Zweiteilung (z. B. Erfolg vs. Mißerfolg, Natur vs. Kultur, Aktivität vs. Passivität).

Aktion: Der Praktiker fragt: „Welches Gegenteil wird hier unterdrückt?“ Wenn der Klient über „Sinnlosigkeit“ spricht, wird untersucht, welche überhöhte und unerreichbare Definition von „Sinn“ diesen Zustand erst konstruiert.

Ziel: Die Hierarchie zwischen diesen Begriffen ins Wanken zu bringen.

3. Die Suche nach der „Aporie“ (Sackgasse)

In dieser Phase wird der Klient, die Klientin mit den inneren Widersprüchen seiner/ihrer eigenen Argumentation konfrontiert.

Aktion: Der Praktiker zeigt auf, daß die Begriffe, die der Klient, die Klientin zur Lösung nutzen will, Teil des Problems sind. (Beispiel: Man versucht, durch noch mehr „Selbstkontrolle“ die Angst vor „Kontrollverlust“ zu bekämpfen).

Ziel: Ein Moment des Innehaltens, in dem das alte Denksystem nicht mehr greift.

4. Das „Schreiben“ neuer Spuren

Am Ende steht keine fertige Antwort, sondern eine Verschiebung.

Aktion: Es werden neue Begriffe eingeführt oder alte Begriffe „unter Anführungszeichen“ gesetzt (man nutzt sie, markiert aber ihre Unzulänglichkeit oder Fraglichkeit).

Ziel: Der Klient verläßt die Sitzung nicht mit einem Plan, sondern mit einer höheren Sensibilität für die Sprache, die sein Leben formt. Er/Sie erkennt, daß seine/ihre Identität kein fester Kern, sondern ein ständig fortlaufender Schreibprozeß ist.

Beispiel aus der Praxis:

Ein Klient leidet unter „Zeitdruck“.

Klassisch: „Wie priorisierst du?   Was streßt dich?“

Grammatologisch: „Wer hat das ‚Skript‘ geschrieben, daß Zeit etwas ist, das man ‚besitzen‘ oder ‚verlieren‘ kann? Untersuchen wir die Metapher ‚Zeit ist Geld‘ in deiner persönlichen Erzählung.“

Spielen wir noch kurz und einfach ein konkretes Beispiel für eine solche Wort-Analyse (z. B. zum Begriff  „Authentizität“  oder  „Erfolg“) durch.

In der grammatologischen Praxis (wohlgemerkt nach Kaučić & Huber) wird ein Wort nicht als Gefäß für eine feste Bedeutung behandelt, sondern als Schauplatz von Spannungen.

GK:

Nehmen wir das Beispiel „Authentizität“ – ein häufiges Ziel in der Beratung. In einer grammatologischen Sitzung würde dieser Begriff wie folgt dekonstruiert:

1. Das Wort als Zitat (Etymologische Spur)

Zuerst wird die „Unschuld“ des Wortes enttäuscht.

Analyse: „Authentisch“ kommt vom Griechischen authentikós ( αὐθεντικός „echt“, „glaubwürdig“, „originalgetreu“, aber auch „selbstherrlich“). Es steckt das Wort aut-hentēs (αὐθέντης) darin: derjenige, der mit eigener Hand handelt, – was so viel wie „Selbsttäter“, „Urheber“ oder „Herr“ bedeutet – ursprünglich auch in Abwandlung des Kontexts die Bedeutung eines Mörders oder Täters.

Effekt: Der Klient erkennt, daß „Authentizität“ kein sanfter Naturzustand ist, sondern etymologisch mit Macht, Tat und Autorenschaft verknüpft ist.

2. Aufdeckung der binären Opposition

Der Begriff funktioniert nur durch das, was er ausschließt.

Die Hierarchie: Authentisch (gut/echt) vs. Künstlich (schlecht/Fassade).

Die Dekonstruktion: Der Praktiker zeigt auf, daß man „Authentizität“ oft performen muß, um als authentisch zu gelten (z. B. auf Social Media). Das „Echte“ braucht also das „Künstliche“ (die Darstellung), um überhaupt sichtbar zu sein.

Ergebnis: Die scharfe Trennung bricht zusammen. Man erkennt: Authentizität ist selbst eine Form der Inszenierung.

3. Die Arbeit der „Différance“

Nach Derrida verschiebt und verzögert sich Bedeutung ständig.

Frage in der Praxis: „Wenn Sie sagen, Sie wollen ‚ganz Sie selbst‘ sein – welches ‚Selbst‘ schreiben Sie gerade in diesem Moment? Und welches andere Selbst wird durch diesen Text gerade unterdrückt oder überschrieben?“

Ziel: Weg vom statischen Ziel („Ich will authentisch sein“) hin zur Einsicht, daß man ein lebendiger Text ist, der sich ständig ein– und umschreibt.

ALH:

Zusammenfassender Vergleich der Analyse

Begriff:    Erfolg               Klassische Sicht                         Dekonstruktion

Fokus  Erreichen von Zielen.          Wer hat das „Skript“ des Erfolgs geschrieben?

Gegensatz   Erfolg   vs.   Scheitern.       Wo ist das Scheitern im Erfolg bereits eingeschrieben (z. B. Erschöpfung, Erfahrungsmangel, Milieu, ökonomischer Mangel, …)?

Wirkung     Druck, das Ziel zu erreichen.            Befreiung vom Begriffszwang.  Erfolg wird als „Spur“ gesellschaftlicher Erwartungen lesbar.

Dieser Prozeß führt oft zu einer „Ent-Täuschung“ im wörtlichen Sinne: Der Klient ist nicht mehr Gefangener seiner Begriffe, sondern beginnt, die Grammatik seines Lebens aktiv zu hinterfragen.

GK:

In der grammatologischen philosophischen Praxis wird ein Satz wie „Ich bin nicht gut genug“ nicht als psychologische Wahrheit, sondern als ein „fremdes Skript“ behandelt, das dekonstruiert werden muß.

Anstatt gegen das Gefühl anzukämpfen, zerlegen wir die Grammatik des Leidens in vier Schritten:

1. Das Subjekt „Ich“ einklammern

In der Grammatologie ist das „Ich“ kein fester Kern, sondern eine Leerstelle, die durch Sprache gefüllt wird.

Die Frage: Wer spricht hier eigentlich? Ist das „Ich“ in diesem Satz der Autor oder nur der Vorleser eines Textes, den Eltern, Lehrer oder die Leistungsgesellschaft geschrieben haben?

Ziel: Die Identifikation lösen. Nicht du bist mangelhaft, sondern der Satz über dich ist eine Konstruktion.

2. Die Kopula „bin“ erschüttern

Das Wörtchen „bin“ (sein) suggeriert einen statischen, unveränderlichen Zustand (Ontologie).

Die Dekonstruktion: Wir ersetzen das „bin“ durch „werde“ oder „schreibe mich als“.

Aktion: Der Praktiker/die Praktikerin fragt: „In welchem Moment der Schrift deines Lebens wurde dieses ‚bin‘ festgeschrieben?

Können wir es ‚unter Anführungszeichen‘ setzen (bin), um zu zeigen, daß es nur eine provisorische Behauptung ist?“

Anna Lydia und ich betonen hierbei oft die radikale Offenheit des Werdens.

3. Die Leere des Prädikats „gut genug“ entlarven

„Gut“ ist ein leerer Signifikant – er hat keinen festen Inhalt, sondern ist ein Platzhalter für vorangegangene Erwartungen.

Die Analyse: „Gut genug“ braucht immer einen Maßstab. Wir suchen nach dem Supplement (Ergänzung): Gut genug wofür? Gut genug für wen?

Die Paradoxie: Wer „gut genug“ sein will, setzt voraus, daß es einen perfekten Endzustand gibt. Die Grammatologie zeigt: Es gibt keinen fertigen Text.

Ein Text ist immer „unabgeschlossen“ und unabschließbar.

4. Das „Nicht“ als Spur der Differenz

Das „Nicht“ erzeugt eine schmerzhafte Trennung zwischen dem, was ist, und einem Ideal.

Die Umkehrung: In der Dekonstruktion schauen wir auf das, was das „Nicht“ verbirgt.

Oft schützt der Satz „Ich bin nicht gut genug“ vor der Angst, die eigene Freiheit wirklich zu nutzen. Er ist eine bequeme (wenn auch schmerzhafte) Ausrede, um im gewohnten Skript zu bleiben.

ALH, GK:

Das Ergebnis der Sitzung

Am Ende steht kein positiver Glaubenssatz (wie „Ich bin wertvoll“ – das wäre nur ein neues, starres Skript), sondern eine sprachliche Verflüssigung:

„Es gibt eine Erzählung in meinem Leben, die den Begriff  ‚gut genug‘  verwendet, um eine Hierarchie aufzubauen, der ich mich bisher unterworfen habe.

Ich erkenne die Ränder dieses Textes und beginne, am Rand neue Kommentare zu schreiben.“ 

GK:

Para-Graphien. § Para-Graphie : K o m m e n t a r. Parekbase (griechisch parekbasis „Abweichung, Abschweifung“). Parekbase, Parabase (Schlegel, Barthes, Derrida, Cončić-Kaučić) !

P.s.:

Randnotiz ParaGraphie:

Häufig wird auch der Begriff παράβασις (parábasis) verwendet. Während die Parabase den rituellen Akt des „Vortretens“ des Chors in der Komödie betont, fokussiert die Parekbase (besonders in der literaturtheoretischen Rezeption durch Friedrich Schlegel) stärker auf das Heraustreten aus der fiktionalen Illusion. παρέκβασις (parékbasis)

Question from the student:

I have read your texts several times and still don’t quite understand what distinguishes the classical Socratic method in Philosophical Practice from your Grammatological Philosophical Practice

GK:

Grammatological Philosophical Practice (GPP) is a specific approach within philosophical practice that was significantly influenced by both of us (Gerhard Kaučić and Anna Lydia Huber).

It differs from classical forms of counseling in its theoretical foundation in deconstruction and linguistic-analytic philosophy.

ALH:

I’ll mention a few key features of our practice:

Writing and traces: Following Jacques Derrida’s grammatology, attention is focused on the “written/texture” that pre-structures our thoughts and actions.

(  In the broadest sense: texts – text means everything that can be analyzed and deconstructed as a sign or discourse – in other words, much more than just written words.   “Text” in an expanded, philosophical sense. 

For us, “text” is not only written language, but encompasses all forms of signs, discourses, films, language, even institutions, structures of established (e.g., political) actions, and all forms of  cultural expressions.

For example, a film can be read and analyzed as “text” by deconstructing and interpreting its signs, structures, and meanings. This approach stems from grammatology and semiology, which deal with the analysis of signs and their meanings.  

Jacques Derrida’s concept of text is radically expanded and encompasses not only written documents, but all areas of reality, since everything is conveyed through signs, meanings, and interpretations. His famous phrase “il n’y a pas de hors-texte” (there is no outside of the text) means that social, historical, or real structures are always already textual or interpretive.  

 “Il n’y a pas de hors-texte” (There is no outside of the text): This is not a denial of reality, but rather a statement that reality never appears to us “naked,” but always structured by language, signs, and meanings—in other words, as text.  

Text is a network of signs (réseau de signes), a system of differential references. A sign has no fixed, inherent meaning, but only acquires its meaning through its relationship to other signs, which in turn refer to others.  

Différance and traces: A text is never completely present or complete. Meaning arises through deferral (différance) and traces that refer to other, absent texts. There are only “traces of traces.”   

Derrida does not speak of a specific work, but of a general textuality that functions as the basic structure of the world and experience. 

For Derrida, the text is a dynamic, open “system” (without a center!) that is characterized by constant shifts and additions (supplements) of meaning. )  

Methodical deconstruction: Instead of providing ready-made answers to life’s questions, our approach aims to question and deconstruct the client’s entrenched linguistic and conceptual constructions.

Scientific embedding: Our grammatological philosophical  practice sees itself as an academically grounded reflection that goes beyond mere life counseling and makes philosophical knowledge available as a resource for the public.

Plurality: I believe that our practice fits into the diversity of contemporary approaches that pursue philosophy not as pure theory, but as “education of the self” and “exploration of humanity.”

GK:

Well, you want to learn more about how this deconstructive approach differs specifically from the classical Socratic method in counseling. Answering that requires a longer response and a short pause.

After about 10 minutes, we begin with a preliminary attempt at an answer:

Ad hoc, I would say that the decisive difference lies in the treatment of truth and the subject.

While Socratic dialogue strives for insight (guided by the manner of questioning), grammatological practice inquires into the structures that make this insight possible (or prevent it) in the first place.

Here is a direct comparison of the two approaches in a few words and phrases on the stand-up flipchart:

Comparison:                                   Socratic            vs.             Grammatological Practice

Feature                                Socratic method (maieutics)                                Grammatological Practice

Goal                                The “birth” of a truth through dialogue.                                The visualization of the prerequisites of entrenched “texts.”

Role of the consultant: Birthing assistant who guides the client to the core through questions. Grammatologist who points out contradictions and “traces” of presence in what is said and possibly unsaid.

Focus    The content   (What is justice? What do I want?).    The form   (How is my thinking constructed linguistically?).

Result    (Ideally) Clarity, insight, definition.         Difference, disclosure of power structures (e.g., patriarchal traces of presence), liquefaction of dogmas.

Why grammatological philosophical practice “asks” differently (!?)

In classical Socratic dialogue, we assume that the truth already lies dormant within the client and only needs to be “brought out.” Grammatological practice is more skeptical here:

Against the “center”:

Grammatology (according to Derrida) distrusts the idea that there is a fixed center or a single truth.

In counseling (discussion, sometimes quite conflictual), this means that there is no “true identity” of the client that can be uncovered, but only a web of narratives and roles.

The power of language: While Socrates uses language as a tool, grammatological practice sees language as the medium that controls us. We do not only speak language, language also “speaks” us (through social norms and concepts).

From speaking to writing (speaking is also a form of writing, an inscription as an attempt!): While Socrates privileged oral conversation (presence/absence), grammatology emphasizes writing (we seek out texts, the inscribed), inscription. Structures, laws, language, instructions, and what we hear become inscribed. In us as individuals. In society as a whole.

In our practice, this often means making use of what has already been written—working with concrete texts, diaries, notes, autobiographical material, or analyzing the “scripts” that we note down in the course of our practice, in order to then talk about what has been recorded immediately afterwards. For the time being and first and foremost, only about this. Without too many digressions, if possible.

ALH:

A practical example

Let’s imagine a guest/client who says, “I finally have to be authentic.”

The Socratic would ask: “What does ‘authentic’ mean to you? When do you feel that way?” – The goal is to define and approach the ideal.

The grammatological practitioner would ask: “Which discourse dictates that one must be ‘authentic’?   Where does this concept originate in your biography?   What opposites (e.g., real/fake) are constructed here?” The goal is to deconstruct the conceptual constraint.

Grammatological practice is therefore often more “exhausting” or intellectually demanding, as it does not lead directly to a solution, but rather dissolves the problem itself as a linguistic construct.

If I may, and if there is still time, I would like to show you very briefly and quickly what a concrete sequence of such a deconstructive session looks like.

In a grammatological session (according to Kaučić and Huber), the focus is not on finding a solution, but on analyzing the “texture” of the problem. The aim is to read the topic as a web of traces of displacement/deplacement, authoritarian conceptual applications, and historical prejudices.

A typical process can be divided into the following phases:

1. Putting the issue into writing

Instead of just talking freely, the client is often encouraged to view his or her problem as a “text” and, if possible, to briefly outline it in writing.

Action: The practitioner pays extremely close attention to the choice of words. Terms such as “must,” “of course,” or “actually” are marked as anchor points.

Goal: To create distance. The problem is not “in” the client, but manifests itself “between” the words.

2. Identifying binary oppositions

The deconstructive core: Every problem is usually based on a hidden dichotomy (e.g., success vs. failure, nature vs. culture, activity vs. passivity).

Action: The practitioner asks, “Which opposite is being suppressed here?” If the client talks about “meaninglessness,” the practitioner examines which exaggerated and unattainable definition of “meaning” constructs this state in the first place.

Goal: To destabilize the hierarchy between these terms.

3. The search for the “aporia” (dead end)

In this phase, the client is confronted with the internal contradictions of his or her own argumentation.

Action: The practitioner shows that the concepts the client wants to use to solve the problem are part of the problem. (Example: One tries to combat the fear of “loss of control” with even more “self-control”).

Goal: A moment of pause in which the old system of thinking no longer applies.

4. “Writing” new traces

The end result is not a finished answer, but a shift.

Action: New terms are introduced or old terms are put “in quotation marks” (they are used, but their inadequacy or questionable nature is highlighted).

Goal: The client does not leave the session with a plan, but with a greater sensitivity to the language that shapes his or her life. He or she recognizes that his or her identity is not a fixed core, but a constantly ongoing writing process.

Practical example:

A client suffers from “time pressure.”

Classic: “How do you prioritize? What stresses you out?”

Grammatological: “Who wrote the ‘script’ that time is something you can ‘possess’ or ‘lose’? Let’s examine the metaphor ‘time is money’ in your personal narrative.”

Let’s briefly and simply play through a concrete example of such a word analysis (e.g., for the term “authenticity” or “success”).

In grammatological practice (according to Kaučić & Huber, mind you), a word is not treated as a vessel for a fixed meaning, but as a scene of tensions.

GK:

Let’s take the example of “authenticity” – a frequent goal in counseling. In a grammatological session, this term would be deconstructed as follow:

1. The word as a quotation (etymological trace)

First, the “innocence” of the word is disappointed.

Analysis: “Authentic” comes from the Greek authentikós ( αὐθεντικός “genuine,” “credible,” “true to the original,” but also “autocratic”). It contains the word aut-hentēs (αὐθέντης): one who acts with his own hand, which means “self-actor,” “creator,” or “lord”—originally also, in a variation of the context, the meaning of a murderer or perpetrator.

Effect: The client recognizes that “authenticity” is not a gentle natural state, but is etymologically linked to power, action, and authorship.

2. Exposure of the binary opposition

The term only works through what it excludes.

The hierarchy: Authentic (good/real) vs. Artificial (bad/facade).

The deconstruction: The practitioner shows that one often has to perform “authenticity” in order to be considered authentic (e.g., on social media). The ‘real’ therefore needs the “artificial” (the representation) in order to be visible at all.

Result: The sharp distinction collapses. We recognize that authenticity is itself a form of staging.

3. The work of “différance”

According to Derrida, meaning is constantly shifting and delayed.

Practical question: “When you say you want to be ‘completely yourself’—which ‘self’ are you writing about at this very moment? And which other self is being suppressed or overwritten by this text?”

Goal: Move away from the static goal (“I want to be authentic”) toward the realization that you are a living text that is constantly writing and rewriting itself.

ALH:

Summary comparison of the analysis

Term:    Success     Classical view                Deconstruction

Focus    Achieving goals.           Who wrote the “script” for success?

Opposite   Success   vs.   Failure.    Where is failure already inscribed in success (e.g., exhaustion, lack of experience, milieu, economic deprivation, …)?

Effect     Pressure to achieve the goal.    Liberation from conceptual constraints.  Success becomes legible as a “trace” of social expectations.

This process often leads to a “disillusionment” in the literal sense: the client is no longer a prisoner of his concepts, but begins to actively question the grammar of his or her life.

GK:

In grammatological philosophical practice, a sentence such as “I am not good enough” is not treated as psychological truth, but as a “foreign script” that must be deconstructed.

Instead of fighting the feeling, we break down the grammar of suffering in four steps:

1. Bracket the subject “I”

In grammatology, the “I” is not a fixed core, but a void that is filled by language.

The question: Who is actually speaking here? Is the “I” in this sentence the author or just the reader of a text written by parents, teachers, or the meritocracy?

Goal: To dissolve identification. It is not you who is deficient, but the sentence about you that is a construct.

2. Shake up the copula “am”

The little word “am” (to be) suggests a static, unchanging state (ontology).

The deconstruction: We replace “am” with ‘become’ or “write me as.”

Action: The practitioner asks: „At what moment in the writing of your life was this ‘am’ established?

Can we put it in quotation marks (am) to show that it is only a provisional assertion?“

Anna Lydia and I often emphasize the radical openness of becoming.

3. Exposing the emptiness of the predicate “good enough”

“Good” is an empty signifier—it has no fixed content, but is a placeholder for previous expectations.

The analysis: “Good enough” always needs a measuring stick. We look for the supplement (addition): Good enough for what? Good enough for whom?

The paradox: Anyone who wants to be “good enough” assumes that there is a perfect end state. Grammatology shows that there is no finished text.

A text is always “unfinished” and unfinishable.

4. “Not” as a trace of difference

“Not” creates a painful separation between what is and an ideal.

The reversal: In deconstruction, we look at what “not” conceals.

Often, the sentence “I’m not good enough” protects us from the fear of truly exercising our own freedom. It is a convenient (albeit painful) excuse to stay within the familiar script.

ALH, GK:

The outcome of the session

The end result is not a positive belief (such as “I am valuable” – that would just be a new, rigid script), but rather a linguistic fluidity:

„There is a narrative in my life that uses the term ‘good enough’ to establish a hierarchy to which I have submitted myself until now.

I recognize the margins of this text and begin to write new comments in the margins.“ 

GK:

Para-graphs. § Para-graphy: C o m m e n t. Parekbase (Greek parekbasis “deviation, digression”). Parekbase, Parabase (Schlegel, Barthes, Derrida, Cončić-Kaučić)!

Side note paraGraphia:

Kleine Erklärung zum Schluß noch einmal nachgereicht für angehende Derrida-Leser:innen, sich bilden wollende Schüler:innen und noch weitgehend unwissende allgemein Interessierte.

Sokratismus und Grammatologie

Diese Begriffe verknüpfen die antike Tradition der mündlichen Philosophie mit der modernen Sprachkritik, insbesondere im Kontext von Jacques Derridas Grammatologie.

Sokratismus

Der Sokratismus bezeichnet die philosophische Haltung und Methode des Sokrates, die primär auf dem mündlichen Dialog basiert.

Logozentrismus:

Sokrates mißtraute der Schrift, da sie stumm bleibt und sich nicht verteidigen kann. Er sah die lebendige Rede als den direkten Weg zur Wahrheit und Erkenntnis.

Sokratische Methode:

Ein Verfahren der Wissensvermittlung durch gezielte Fragen, um den Partner zur Selbsterkenntnis zu verführen. Ein Mittel zur Steuerung von Erkenntnis und Aneignung. Pädagogik.  

Grammatologie

Die Grammatologie ist die von Jacques Derrida begründete „Wissenschaft von der Schrift“.

Er nennt es vorläufig Dekonstruktion. Etwas, das es so einfach gedacht, gar nicht geben kann. Es ergibt sich! Manchmal! Und letztlich immer wieder. Auch, wenn es noch so lange dauern mag. Derrida kritisiert den Sokratismus insofern als das gesprochene Wort (Phonozentrismus) in der Geschichte des Abendlandes gegenüber der Schrift  privilegiert wird.

Schrift als Ursprung, der keiner ist. Schrift als Ereignis. Er argumentiert, daß Sprache immer schon wie eine Schrift funktioniert – als ein System von Differenzen, in dem Bedeutung niemals vollkommen „präsent“ sein kann, sondern stets aufgeschoben wird (différance).

Der Zusammenhang kurzgefaßt, – sehr kurzgefaßt, – extrem kurzgefaßt !

In der Grammatologie nutzt Derrida den Sokratismus (und Platons Texte) als Paradebeispiel für die abendländische Metaphysik der Anwesenheit. Was bedeutet Metaphysik der Anwesenheit?

Diese Theorie besagt, daß die gesamte westliche Philosophie seit Plato und Aristoteles dazu neigt, „Sein“ mit Anwesenheit (Präsenz) gleichzusetzen. Etwas, das anwesend, gegenwärtig, greifbar oder „vorhanden“ ist, gilt als wahrer und realer als etwas, das abwesend, vergangen oder zukünftig ist.

Die Philosophie bevorzugt demnach das, was jetzt ist, gegenüber dem, was sein könnte (Abwesenheit/Möglichkeit).

Derrida verbindet dies mit dem „Logozentrismus“, der Vorstellung, daß es einen festen Sinn, einen Ursprung oder eine Wahrheit gibt, die in einer unmittelbaren, gegenwärtigen Intuition erfaßt werden kann. Es wird angenommen, daß Worte eine direkte, eine wörtlich buchstäbliche (!) Beziehung zur Bedeutung haben, die den Sprechenden in der Gegenwart vollkommen präsent sei (Selbstgegenwärtigkeit).

Während der Sokratismus die Schrift als „Gift“ für das Gedächtnis und die Wahrheit ablehnt, zeigt die Grammatologie auf, daß die mündliche Rede selbst den temporär erarbeiteten „Strukturen“ (!?) der Schrift unterliegt.

Jacques Derrida dekonstruiert diese Position, indem er zeigt, daß Anwesenheit niemals rein ist, sondern immer schon auf Abwesenheit und Differenz (Unterschiedensein) beruht.

In seiner Analyse von Platons Phaidros, insbesondere im Essay „Platons Apotheke“ (aus dem Band La dissémination) dekonstruiert Jacques Derrida die sokratische Ablehnung der Schrift.

1. Das Rätsel des Pharmakon

Derrida konzentriert sich auf das griechische Wort Pharmakon, das im Mythos von Theuth (dem Erfinder der Schrift) verwendet wird. 

Das Wort bedeutet im Griechischen gleichzeitig Heilmittel und Gift.

Theuth präsentiert König Thamus die Schrift als Heilmittel (Pharmakon) für das Gedächtnis und die Weisheit.

Sokrates‘ Thamus weist sie als Gift (Pharmakon) zurück, da sie nur den Anschein von Weisheit erzeuge und das lebendige Erinnern durch passives Aufzeichnen ersetze.

2. Kritik am Logozentrismus

Der Sokratismus setzt voraus, daß die Wahrheit (der Logos) am besten in der unmittelbaren Anwesenheit des Sprechers bewahrt wird.

Sokrates beschreibt die Schrift als ein Kind ohne Vater, das sich nicht selbst verteidigen kann, wenn es mißverstanden wird.

Derrida zeigt auf, daß auch die gesprochene Rede bereits die Struktur von Schrift besitzt. Bedeutung ist nie sofort „da“, sondern entsteht erst durch die immer schon vorausgegangene Unterschiedenheit und Unterscheidbarkeit der Zeichen (différance). Wortbedeutung entsteht durch Umgebungskontexte. Bedeutung existiert nicht an und für sich schon immer. Bedeutung kriegt etwas erst durch die jeweilige Signifikation. Ich erlese etwas als signifikant (jetzt, für mich, vielleicht nicht für andere, morgen vielleicht auch nicht mehr für mich. „Ich“ liest immerzu. ICH erkennt vielleicht (oder auch nicht)!

3. Die unbewußte Abhängigkeit

Obwohl Sokrates die Schrift verdammt, nutzt Plato sie, um die Worte Sokrates‘ bewahren zu können. Das Archiv.

Schreiben als Notwendigkeit!  Damit Philosophie als System weiter gereicht werden kann, muß sie aufgeschrieben werden. Auf-gezeichnet!

Derrida deckt auf seine spezielle Art und Weise (das, was er als Dekonstruktion benennt!) auf, daß die Hierarchie (Rede = gut, Schrift = schlecht) in sich zusammenbricht, da die Rede ohne die „Spuren“ der Schrift (Iterabilität, Iterationsmöglichkeit, vermeintliche unmögliche Wiederholbarkeit, Verzögerung, Verschiebung, Vershiftung, Markierung, Bezeichnung, Zeichnung, Zeichenkonstitution) gar nicht funktionieren könnte.

Die Metaphysik der Anwesenheit ist keine Lehre, die Philosophen und Philosophinnen aktiv vertreten, sondern eine diagnostische Kritik an der Dominierungs-Struktur und Dominanz-Kultur des abendländischen Denkens.

Derrida zeigt auf, daß „Anwesenheit“ eine Illusion ist. Jeder Begriff erhält seine Bedeutung nur durch die Abgrenzung zu dem, was er nicht ist.

Derrida kritisiert damit die gesamte abendländische Tradition. Er diagnostiziert, daß Philosoph:innen stets versucht haben, die Wahrheit an etwas festzumachen, das „unmittelbar gegenwärtig“ sei, ob es sei die Stimme, die Musik, das Bewußtsein, Gott oder die Ratio.

(GK & ALH)

A brief explanation, added once more for the benefit of:

Aspiring Derrida readers, students seeking to educate themselves, and generally interested but still largely uninformed individuals.

Socraticism and Grammatology

These terms link the ancient tradition of oral philosophy with modern linguistic critique, especially in the context of Jacques Derrida’s grammatology.

Socraticism

Socraticism refers to the philosophical attitude and method of Socrates, which is primarily based on oral dialogue.

Logocentrism:

Socrates distrusted writing because it remains silent and cannot defend itself. He saw living speech as the direct path to truth and knowledge.

Socratic Method:

A method of imparting knowledge through targeted questions, designed to lead the interlocutor to self-knowledge. It is a means of guiding understanding and appropriation—pedagogy in action.

Grammatology

Grammatology is the “science of writing” founded by Jacques Derrida.

He provisionally calls it deconstruction—something that, in its simplicity, cannot truly exist as such. It emerges! Sometimes! And ultimately, again and again. Even if it takes a very long time.

Derrida critiques Socraticism insofar as the spoken word (phonocentrism) has been privileged over writing in the history of the Western world.

Writing as an origin that is not one. Writing as an event. He argues that language always already functions like writing—as a system of differences in which meaning can never be fully “present,” but is always deferred (différance).

The connection in a nutshell—very, very short!

In grammatology, Derrida uses Socraticism (and Plato’s texts) as the prime example of Western metaphysics of presence.

What is metaphysics of presence?

It’s the idea that Western philosophy, since Plato and Aristotle, equates “being” with presence: what is present, immediate, tangible is considered more true and real than what is absent, past, or future.

Philosophy favors what is now over what could be (absence/possibility).

Derrida links this to logocentrism: the belief in a fixed meaning, origin, or truth that can be grasped in immediate, present intuition—words supposedly have a direct, literal relationship to meaning, fully present to the speaker (self-presence).

While Socraticism rejects writing as a “poison” for memory and truth, grammatology reveals that oral speech itself is structured like writing.

Derrida deconstructs this by showing that presence is never pure, but always already depends on absence and difference (différance).

In Plato’s Pharmacy (from Dissemination), Derrida analyzes Plato’s Phaedrus.

The enigma of pharmakon

 Derrida focuses on the Greek word pharmakon, which is used in the myth of Theuth (the inventor of writing).

In Greek, the word means both remedy and poison.

Theuth presents writing to King Thamus as a remedy (pharmakon) for memory and wisdom.

Socrates‘ Thamus rejects it as poison (pharmakon) because it only creates the appearance of wisdom and replaces living memory with passive recording.

Critique of logocentrism

Socratism presupposes that truth (the logos) is best preserved in the immediate presence of the speaker.

Socrates describes writing as a child without a father, unable to defend itself when misunderstood.

Derrida shows that even spoken language already possesses the structure of writing. Meaning is never immediately “there,” but only arises through the ever-preceding difference and distinguishability of signs (différance).

Word meaning arises through contextual surroundings. Meaning does not exist in and of itself. Meaning only acquires significance through the respective signifier.

I read something as significant (now, for me, perhaps not for others, tomorrow perhaps no longer for me. “I” is always reading. I may (or may not) recognize!

Unconscious dependence

Although Socrates condemns writing, Plato uses it to preserve Socrates‘ words. The archive.

Writing as a necessity!  In order for philosophy to be passed on as a system, it must be written down. Recorded!

Derrida reveals in his own special way (what he calls deconstruction!) that the hierarchy (speech = good, writing = bad) collapses in on itself, since speech without the “traces” of writing (iterability, possibility of iteration, supposed impossible repeatability, delay, postponement, versification, marking, designation, drawing, sign constitution) could not function at all.

The metaphysics of presence is not a doctrine actively advocated by philosophers, but a diagnostic critique of the structure of domination and culture of dominance in Western thought.

Derrida shows that “presence” is an illusion. Every concept derives its meaning solely from its distinction from what it is not. Derrida thus criticizes the entire Western tradition. He diagnoses that philosophers have always attempted to anchor truth to something that is “immediately present,” whether it be the voice, music, consciousness, God, or reason.

(ALH & GK)

P.S.:

Side note paraGraphia:

The term παράβασις (parábasis) is also frequently used. While parabase emphasizes the ritual act of the chorus “stepping forward” in comedy, parekbase (especially in Friedrich Schlegel’s literary-theoretical reception) focuses more strongly on stepping out of the fictional illusion. παρέκβασις (parékbasis)

Philosophical Lounge / Philosophischer Salon G Kaučić & AL Huber Wien, Österreich, –
Gerhard Kaučić (*1959), Leiter einer Grammatologischen Philosophischen Praxis seit 37 Jahren in Wien ( 1989-2026 ff.)

Anna Lydia Huber (MSc, 67, 2026), Philosopher, Austria, Vienna / Philosophin, Österreich, Wien

Gerhard Kaučić (Dr. phil., 67, 2026), Philosopher, Austria, Vienna / Philosoph, Österreich, Wien

cf. Jacques Derrida, Signatur Ereignis Kontext, – in: Randgänge der Philosophie, Wien 1988, S. 291-314 ( Französische Originalausgabe: Marges de la philosophie, Paris 1972 )

Grammatologische Philosophische Praxis (GPP), Gerhard Kaučić / Djay PhilPrax & Anna Lydia Huber, Wien, 1989 – 2026 ff.

Unser Blog als Textereignis im Zusammenspiel zwischen unserer Philosophischen Praxis als Textereignis ohne Protokoll und unserer philosophischen Praxis als „Protokoll“ zwischen Archiv und Anarchiv.

Our blog as a text event in the interaction between our philosophical practice as a text event without protocol and our philosophical practice as a „protocol“ between archive and anarchive.

Mein Lebenswerk, – unsere philosophische Praxis!

Die Erfindung der Wirklichkeit, die Wahrheit eines Werkes, ob eines philosophischen, psychoanalytischen, literarischen, künstlerischen oder eines juristischen, medizinischen, technischen, sportlichen, erfinderischen, organisatorischen, bürokratischen, wissenschaftlichen, architektonischen, fotografischen Werkes oder eines wirtschaftlich-unternehmerischen, politischen, militärischen, ökonomischen Werkes oder einer künstlich-naturhaft herbeigeführten Wirklichkeit als Wahrheit etwa eines Werkes von Klimawandel und Folgen, – – – die Wahrheit eines Werks (!!!) enthüllt sich erst und allein in der erkannten und erkennbaren(!) Geschichte seiner Wirkungen.

Es geht darum, es geht mir in meiner Philosophischen Praxis

(( und dazu gehört das Gespräch in dieser, aber auch meine/unsere Schreibpraxis vorher und nachher einer jeden Setzung / Sitzung(!) ))

immer darum, Texte (geschrieben, gesprochen oder Darstellungen(!) z. B. technischer, künstlerischer, ökonomischer, politischer, institutioneller Art) in ihrer inneren Struktur und in ihrem Zusammenwirken mit anderen Texten zu erfassen.

Die Texte sind nicht nur zu analysieren und zu interpretieren, sondern durch die Praxis der Dekonstruktion ihrer Konflikthaftigkeit, ihrer Aggressivität, ihrer verdeckt mitgeführten Gehalte und Intentionen zu enttarnen.

Gemeint ist die Sichtbarmachung der Doppelheit des gleichzeitigen An- und Abwesendsein(!) von Wahrheit.

Wir äußern Sätze gewollter analytischer Wahrheit und verdrängen dadurch gleichzeitig andere eventuale Wahrheits- oder Unwahrheitssätze.

The invention of reality, the truth of a work, whether a philosophical, psychoanalytical, literary, artistic or a juridical, medical, technical, sporting, inventive, organizational, bureaucratic, scientific, architectural, photographic work or an economic, entrepreneurial, political, military, economic work or an artificially-natural reality as the truth of a work of climate change and consequences, – – – the truth of a work (!!!) is revealed only and explicitly in the recognized and recognizable (!) history of its effects.

The point is, in my philosophical practice

(( and this includes the conversation in this, but also my/our writing practice before and after each setting / session(!) )

is always about capturing texts (written, spoken or representations(!) e.g. technical, artistic, economic, political, institutional) in their inner structure and in their interaction with other texts.

The texts are not only to be analysed and interpreted, but also to be unmasked through the practice of deconstructing their conflictual nature, their aggressiveness, their hidden contents and intentions.

What is meant is the visualization of the duality of the simultaneous presence and absence (!) of truth.

We express sentences of desired analytical truth and thereby simultaneously repress other possible sentences of truth or untruth.

[[ Gerhard Kaučić / Djay PhilPrax (born 1959), Anna Lydia Huber (born 1959), Philosophers, –

Writers, Feminists, Freeriders, Grammatological Philosophical Practice (GPP), Vienna, PP since 1989, Dr. phil., MSc, —

( Copyright, Bildrechte, Urheberrecht, rights to images, copyright, Picture rights, Image Rights, Copyright, –

Texte, Fotos © Anna Lydia Huber, Gerhard Kaučić ) ]]

Zum besseren Verständnis und zur beginnenden Einübung in unsere philosophische Praxis lesen Sie bitte unsere Charakterisierung der Grammatologischen Philosophischen Praxis (GPP GK & ALH, Deutsch/Englisch), –

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For a better understanding and to begin practicing our philosophical approach, please read our characterization of Grammatological Philosophical Practice. (GPP GK & ALH, German/English), –  

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……………………………………. Anarchiv …………………… Archiv ……………………………………….

Bedenken Sie, was geschrieben werden wird! ……………………..

Gerhard Kaucic ……………………..

auch „Gespräche“ müssen gelesen werden! Gehörtes ist gehört worden und in der verstehenden Verstandestätigkeit „gelesen“ worden.

Aus-gelesen! Ausgewählt! Aus-sortiert! Aus der gehörten „Wirklichkeit“ er-hört und ent-hört, ver-hört, verwirklicht, verkettet, sprachverkoppelt, verlesen!, zusammen-ge-lesen!, zusammengesammelt, ver-sammelt, ge-doublet, ge-setzt, produktiv ausgelesen! )

Es gibt kein Kriterium für die Identität des Sinns eines Ausdrucks: die Interpretation wird im wissenschaftlichen Sinne eine Sache der Unentscheidbarkeit.

Philosophische Praxis Dr. Gerhard Kaučić ……………………….. …………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………. Mise-en-Abyme ……………………………………. mise en abîme ………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Abyssos …………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………….. intertextuelle Strukturen als die „Natur“ der Sprache …………………………………………This reason of understanding, limited by „territory“ (temporally and spatially), the image of temporary textual-configurations ( mise en abyme, picture in picture in picture…), „picture“ as a metaphor of re-flection, the picture of the mirror without tinfoil, the picture of standing behind the mirror as „standing“ in the mirror, –

a mirror of distortion and performance/performation (!), a mirror of the initial transformation without origin, – a mirror, which gives the picture ( away ! ?!) for our language, – our language as graphically marked poetics of communication, – literally ! (see J. Derrida, La dissémination, p. 350 und passim) ……………………………………………………………. ……………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………. GERHARD KAUČIĆ ……………………. Gegenwartsphilosophie

………………………………… Philosophische Praxis ……………………………. Contemporary Philosophy ………………….. Gegenwartsphilosophie ……………………………

Gerhard Kaucic (67), Bibliothek, PP zu Archiv, Speichermedien und Autodekonstruktion  im Gespräch; Philosophische Praxis heute im März 2025 donnerstags, nachmittags, von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr in der Guglgasse im Gasometer Wien bei uns in unserer Privatbibliothek.

Ein die Addenda zur Biographie (oder was die meisten von uns dafür halten!) umklammerndes und hinausleitendes Addendum zum Thema Curriculum, Archiv, Anarchiv und Speichermedien heute!

Jedes Archiv im Sinne einer Veranlagung von etwas beruht auf dem Anarchivischen, dem nicht Archivierbaren (zum Beispiel der Raumklang in einem Konzertsaal), dem noch nicht Archivierten, ja vielleicht dem noch nicht einmal Objektivierten als Produziertes oder zumindest Produzierbares. Dieses Denken des Anarchivs und des Archivs zeitgleich beruht auf dem Denken Derridas in Bezug auf das, was er „Spur“ nennt.  „Es gilt, die Spur vor dem Seienden zu denken.“ (J. Derrida, op.cit., Grammatologie, S. 82). 

vorläufig endend mit dem Medium Fotographie als Botschaft/INformation/Interpretat/Verkehrung der Logik des Sinns/Abgrund/die Ordnung der Dinge als Befragung/das Recht der Dinge auf Eigensinn/Dissemination aus einem Diesseits und Jenseits von Zeit

Falls Sie interessiert sind an einer PP mit mir/uns, bitte nur unter dieser E-mail einen Termin reservieren: To contact me/us, please use only this email: g.kaucic[at]chello.at

If you are interested in a PP (Philosophical Practice) with me, please reserve an appointment only under this email: To contact us, please use only this email: gack[at]chello.at

Philosophers, Writers, Philosophical Practitioners, Mediators, Translators, Feminists, Freeriders, (Wild) Camping Enthusiasts, Survivors Vienna

Grammatological Philosophical Practice (GPP) weltweit … rund um die Uhr … rund um die Welt, … „face à face“, … confidential one-to-one conversation, … around the clock … around the world

Grammatologische Philosophische Praxis (GPP) Dr. Gerhard Kaucic / Djay PhilPrax ( geb. 1959, Autor, Philosoph, PP seit 1989 ) Gespräch, Analyse, Diskurs, Problematisierung, Identitätsdislokation, Subjektivierung, Formalisierung, Fältelung, Komplizierung, Aporie, Dekonstruktion

Öffnungszeiten / Hours of opening:  Mo –  Do:  11 – 20 Uhr

Honorar nach Vereinbarung / Charge by arrangement

Gespräche outdoor/indoor: Grammatologien, Kontextualisierungen, Analysen, Komplizierungen, Plurivalenzen, Dependenzen, Interdependenzen, Grammatiken, Aporien, Dekonstruktion…rund um die Uhr…rund um die Welt…

…around the clock …around the world…

cf. Jacques Derrida, Signatur Ereignis Kontext, – in: Randgänge der Philosophie, Wien 1988, S. 291-314 ( Französische Originalausgabe: Marges de la philosophie, Paris 1972 )

Grammatological Philosophical Practice (GPPVienna 1989 ff. Analysis Complication Aporia Identity Dislocation Meta-thesis Deconstruction

Cf. list of publications at: https://scholar.google.at/citations?user=wNUSN64AAAAJ&hl=de   

To contact us, please use only these emails:

Projekte / Projects (1989 – 2026 ff.) 37 Jahre Grammatologische Philosophische Praxis (GPP) Wien GK & ALH

Mehr dazu siehe unseren Teaser und unseren Footer sowie die übrigen Postings im Blogspot-Blog 2014 ff.

Homepage: 

https://disseminationsdjayphilpraxkaucic.blogspot.com/2016/03/was-ist-philosophische-praxis-iii-teil-3.html

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Anna Lydia Huber (67, 2026), Philosopher, Austria, Vienna / Philosophin, Österreich, Wien
Gerhard Kaučić (67, 2026), Philosopher, Austria, Vienna / Philosoph, Österreich, Wien

Mehr zur Vita und zum Werk der Philosophin und Schriftstellerin Anna Lydia Huber (67, 2026, Philosophische Praxis seit 2009) und des Philosophen und Schriftstellers Gerhard Kaučić (67, 2026, Philosophische Praxis seit 1989) in deren Postings  „Künstliche Intelligenz“ hier in diesem Blog !

Künstliche Intelligenz 09.07.2025 Url/Link: 

Künstliche Intelligenz,- eine Ergänzung 25.09.2025 Url/Link: 

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Denken und Sprechen

Philosophische Praxis als Denken und Sprechen als unauflösliche, unanalysierbare Verbindung von logos, Begehren als Bestrebung (Aristoteles) und der techné als analytischer „Technik“ (Freud), die die Verbindung zwischen dem je Theoretischen und dem je Praktischen vollzieht in der temporär wechselhaften Absicht der Einsichtnahme in die Möglichkeiten der Erkundung der diversen Relationen der Philosophie zur Rede, ich möchte lieber sagen, eines partiell und temporär wechselhaften philosophischen Diskurssegments zur Rede des Dekonstruktiven als vielleicht einem Fall von Dekonstruktion. (1)(2)(3)(4)

(1)Verehrte Leser:innen, der oben stehende Satz ist nicht einfach zu erfassen, es war auch nicht einfach, diesen Satz zu verfassen, – immerhin verfolgte er die Möglichkeit der Formation der gesamten metaphysischen Epoche der Trennung von Theorie und Praxis und deren Aufhebung in einem Satz.

(2)Folgende Äußerungen bemühen sich um eine etwas leichtere LesearbeitVersprochen!

(3)Nehmen Sie bitte obigen Langsatz als These zur mehrmaligen Rekapitulierung und Wiederaufnahme des Lektürevorgangs für die folgenden Textsequenzen. 

(4)Wir werden uns für unser Gespräch hier (besser noch, wir werden uns zu erinnern versucht haben, da es jetzt beim Schreiben dieser Zeilen ja schon zeitlich gesehen hinter uns liegt) immer wieder unserer Publikation aus dem Jahr 1991  (G. Kaucic, Philosophische Praxis Wien. „Zu einem theoretischen Fragmentarium: Das Ende des Kommunizierbaren oder Philos. Praxis als Erbarmen …“, S. 83-89, in: G. Witzany (Hg.), Zur Theorie der Philosophischen Praxis. Essen 1991, Verlag Die Blaue Eule.)  zu erinnern versuchen und daraus Energie schöpfen und wir werden uns für diese Zeilen unsere damals publizierten zunutze machen zu wissen und uns ihrer befleißigen und bemächtigen, ohne daß wir das hier genauer markieren wollen.

 Wir vier an der Zahl (unsere Gäste, Wissenschaftsredakteur:in aus Belgien, Anna Lydia und ich, – PP im Hotel Hilton Danube in Wien, Mitte März 2025, gleiche Besetzung wie am 01.01.2023, cf. Blogspot-Blog 2014 ff. ), wollen ausgerechnet, beabsichtigt und bewußt in diesem Jahr 2025 (im Anschluß an das Gespräch 2023) nach den vielen Talks in den diversen Medien und außerhalb unsere philosophierenwollende Hin- und Her-Rede hinzufügen, das Thema wiederaufgreifen und gegebenenfalls erweiternd differenzieren und der erwarteten Dekonstruktion aussetzen.

Gewissermaßen eine Anderrede. Eine Sprech- und Denkweise der etwas anderen Art.

Einer Art und Weise des Ungewissen, also der Versuch der Selbstvergewisserung durch möglichst gesicherte Aussagen und die Anerkennung der Grenzen und der Tragbarkeit der verwendeten und überhaupt verwendbaren Begriffe auf der Grundprämisse der Erkennbarkeit von etwas.

Als Text-Grundlage für unser Sprechen und Denken verwenden wir wieder zwei Arbeiten von Jacques Derrida:

a)       J. Derrida: La dissémination. Éditions du Seuil, Collection “Tel Quel”, Paris 1972, besonders ab S. 161 ff.

(dt. Ausgabe: J. D.: Dissemination. Wien, Passagen Verlag 1995, bes. ab S. 158 ff., übersetzt ins Deutsche von Hans-Dieter Gondek)

b)       J. D.:  Théorie et Pratique. Cours de l’ENS-Ulm 1975-1976. Paris, Éditions Galilée 2017.  

J. D.:  Theorie und Praxis. Seminar 1976-1977. Wien, Passagen Verlag 2021 (dt. ÜS. v. Markus  Sedlaczek)

Zuerst noch eine kleine Anmerkung zum Selbstverständnis. Das Denken gilt im Allgemeinen als eine Vorgangsweise in unserem Inneren, genauer in unserem Gehirn und in den Gefühlen. Das Denken wäre eine eigene Sache, ein Ding quasi, das mit dem Sprechen nichts zu tun hätte, außer die technische Fertigkeit der Mitteilung.

 Umgekehrt denken wir nicht, wenn wir das von uns Gedachte nicht benennen könnten. Die Worte liegen dem Individuum voraus. Die Artikulation als zusammenhängende Kette von Worten mit Sinnzusammenhang liegen ebenfalls vor, bevor das Individuum die Worte aufnimmt und sich daran entwickeln wird und kann. 

Zur Entwicklung eines Menschen gehört, daß ihm immer wieder die Worte fehlen, es, das Indivuum, die Worte nicht finden kann. Dies allerdings nicht, weil sie unserem Denken fehlen würden, sondern vielmehr deshalb, weil unser Denken oft genug das verfehlt, was uns vom Gegenüber, was uns vom Anderen her kommuniziert worden war. Man könnte fast mit Recht behaupten wollen, das Subjekt des Sprechens sei nicht der/die Sprechende, sondern das Gesprochene. Ganz so einfach ist es nicht, wie wir wissen.

Wir operieren immer im Signifikantenfluß und laufen dem Sinn von etwas hinterher. In der Hin und Her – Rede. Wir verwenden die Worte und Wörter (das Bezeichnende) und jagen das versucht Bezeichnete, den sogenannten Sinn von etwas. Zeichen bestehen aus dem Signifikanten und dem Signifikat. Wir befinden uns immer im Reich der Zeichen (Roland Barthes).

Der Sinn entzieht sich immer wieder. Andere Signifikate werden einem Signifikanten untergejubelt. Permanente Bewegung im Reich der Zeichen. Wir müssen immer wieder dazu lernen, uns orientieren. Wir müssen lesen, lernen uns zu bilden versuchen. Mehr oder weniger erfolgreich. Sprachen sind in Bewegung. Individuen sind in Bewegung und erfindungsreich. Lernfähig!

„Durch die Sprache, die er spricht, trägt er selber zum Reklamecharakter der Kultur das Seine bei. Je vollkommener nämlich die Sprache in der Mitteilung aufgeht, je mehr die Worte aus substantiellen Bedeutungsträgern zu qualitätslosen Zeichen werden, je reiner und durchsichtiger sie das Gemeinte vermitteln, desto undurchdringlicher werden sie zugleich. Die Entmythologisierung der Sprache schlägt, als Element des gesamten Aufklärungsprozesses, in Magie zurück.“ (Horkheimer-Adorno: Dialektik der Aufklärung, 147)

„Man kann, wenn man in einer Kerkerzelle kauert, nicht mehr aufs Wort vertrauen. Dieses liefe Gefahr, nur mehr klingende Verlautbarung des Nichts zu sein. Das Wort entfaltet sich am heiterhellen Tag. Jedoch das Schweigen? Wer wagte es, sich mit ihm anzulegen?“ (Edmond Jabès: Mit Nelson Mandela. In: für nelson mandela. Reinbek 1987, S. 150)

„Der Illusionist, der Techniker der Augentäuschung, der Maler, der Schriftsteller, der pharmakeus.

… Die Verzauberung … ist stets die Wirkung einer Darstellung…“ (Derrida, Dissemination, Passagen Verlag, Wien S. 158)

Was ich spreche, was Ich spricht, vergeht in der Zeit. Geht in der Zeit zu dem Andern als Anderes. Das philosophische Gespräch als ein Stimmengewirr oder ein mehrstimmiger Chor. Ein Tanz?  Die Philosophische Praxis als ein Ort und eine Situation. Zunächst und zumindest!

Die philosophische Praxis ein Versuch der Sorge (des Selbst). Das Erkennen eines Selbst ereignet sich überwiegend in der Kommunikation mit anderen Menschen.

Das „Selbst“ ein Text, in dem die Geschichte der Philosophie ein gewichtiger Teil eines uneinholbaren „Ganzen“ sein kann, meist aber längst nicht der wichtigste ist. Das Auge, das sich selbst sieht, sieht sich selbst anders.

Das Selbst als nicht von vornherein gegebene Instanz im Menschen, sondern als libidinale Bildung der Sorge durch „Reflexion“.

Die kommunikative Struktur der Reflexion bei Hegel gedacht als die Konstituierung des Bewußtseins als Selbstbewußtsein im Kampf zweier Subjekte um gegenseitige Anerkennung und also auch Erkennung. Die Konstitution des Selbstbewußtseins als Prostitution. Die erotische „Bespiegelung“ der Subjekte durch die „Offenbarung“ der Blicke. Das Selbst als vermeintliches Ich im Augen-Blick des Anderen. Die Philosophische Praxis als Kommunikation durch Prostitution.

Das sokratische Sehen, die opsis, ist ein kratisches Sehen, ein pädagogisches Programm der Engführung in die sokratische Aporie. Der Fragende ist fast immer Sokrates, er fordert, lockt und ködert, zwingt zu einer Antwort. Eine Antwort, die die Frage dadurch erzwingt, wie sie gestellt ist. Eine Antwort, die die „Frage“ bereits selbst beantwortet. Keine rhetorische Frage, sondern eine methodische, eine teleologische. Also kein „Fragen“. Wirkliches als wirkendes Fragen richtet sich an kein Subjekt.

Wirkliches Fragen kennt kein Ziel. Wirkliches Fragen ist ein „Sagen“ im Sinn der Heideggerschen „Sage“, ein Sagen in der Zeit. Ein SagenFragen, das im Raum quert und niemals auf ein „Gegenwort“ treffen kann. Das heißt nicht, daß es keine Antworten im herkömmlichen Sinn geben kann und wird, genauso wie es auch Fragen dieser Art gibt: im Sinne dessen, was da unter Kommunikation verstanden werden kann. Die Suche nach Identität ist noch immer stark im Kommen.

Das sokratische logon didonai, das Rede-und-Antwort-Stehen ist ein spezieller Typ von Wissen. Ein Wissen, das sagen können muß, warum es was weiß. Sokratisches Wissen muß begründbar sein.

Und als solches setzte es zum Beispiel das traditionelle Wissen (Homer) außer Kraft. Dieses Wissen zerstörte das traditionelle relationale Wissen, das metonymische Wissen. Der Logos als kratistisches seinstheoretisches Logo einer verführten Welt bis heute (cf. Rußlands kolonialistischen Angriffskrieg und Zerstörungsversuch der Ukraine als souveränen, unabhängigen und eigenständigen Nationalstaat und der gerade wieder und wiederholt versuchten Auslöschung der ukrainischen Identität als nunmehr explizit  nichtrussischer; ein kurzer Ein- und Überblick zur Geschichte der Ukraine cf.     https://www.focus.de/wissen/mensch/geschichte/krieg-um-die-ukraine-zerrissenes-land_id_78608994.html ).

Die Welt unterdrückt von der dialektike techne, einer „Kunst“ der GesprächsFührung, die jedes Denken und Wissen abseits eines Onto-theo-logozentrismus ausschließt (vgl. G. Kaučić: Zum Begriff der Schrift, eine Serie als Einleitung in die Ökomaterie.- In: Die Grüne F Abyss. Internationale polylinguale Zeitschrift für Grüne Kultur/Politik. Nr. 3 Oktober 1989, S. 4 ff.).

Dieser Text versucht das Fragmentarium der „Theorie“ (vgl. den Langsatz eingangs!) der Philosophischen Praxis. Die Frage ist nicht, was Philosophische Praxis „ist“. Diese Frage wäre relativ leicht zu beantworten. Besuchen Sie Philosophische Praxen und Sie erleben die Antwort.

Spätestens dann wäre sie nicht mehr Praxis, sondern bloß ein gesellschaftliches Instrument unter vielen. Philosophische Praxis als Institution und Instrument einer inhaltlichen (wie immer auch ideologisch ausgerichtet) Vermittlung von Wissen wäre der Dienstbarkeit verfallen und der Arbeit der Schrift entlaufen. Das Subjekt wäre wieder dem Logos unterworfen und dürfte sich nicht mehr der „Schrift“ aussetzen.

 Die Philosophische Praxis als Ort der Textarbeit kennt kein Gesetz. Kein Gesetz wohlgemerkt, das immer und überall Gültigkeit beanspruchen dürfte und also alleinherrschend wäre. Wohl kennt die Arbeit der Philosophischen Praxis Regeln, Methoden, Gesetze, Gebiete. Diese Territorien aber gilt es zu durchqueren, zu erfahren und der Dissemination auszusetzen, nach Relationalität der jeweils Geltung beanspruchenden Regeln, ohne selbst jemals Regeln aufstellen zu wollen und zu können und ohne selbst einer Methode (méthodos, altgrch. „Weg zu etwas hin“, übertragen „Weg oder Gang einer Untersuchung“, „Weg, etwas zu erreichen“, „Grundsatz“, „Methode“ zu altgriech. metá „hinterher, nach“ und hodós „Weg“) hörig zu sein.   

Genau das meint auch das sehr häufig falsch verstandene „anything goes“ (P. Feyerabend, Irrwege der Vernunft, 1989).

Nicht alles ist überall und jederzeit erlaubt. Es ist nicht erlaubt, daß Weiße (meist alte weiße Männer!) indigene Kulturen zerstören, nur weil sie ihre Macht vor sich und für andere „begründen“ zu können glauben. Genauso ist es nicht erlaubt, daß ein Staat einen anderen Staat überfällt und militärisch angreift, um ihn zu kolonialisieren und als Staat auszulöschen, nur weil die eine politische Führung der (ideologischen) Meinung ist, sie könne dies für sich „begründen“, in vergangenheitlichen Ideologien vorfinden und in phrasierten und frisierten Geschichtsfragmenten diskursiv,  mediokratisch und populistisch oder/und diktatorisch verankern (Serbien, Rußland, Belarus, China, Iran, Nordkorea, Türkei) und dem Rest der Welt dies als „Wahrheit“ auftischen.  

Jede Kultur ist gleichwertig. Ein Vergleich ist nicht möglich und auch kein Entscheid. Was ausmachbar ist, ist der bloße „Unterschied“. Es gibt keine Sprache, die die Fähigkeit besitzt, Maßstäbe für andere(s) zu setzen.

Was ich zugebe ist, daß die „Wiederholbarkeit“ von Zeichen und also Äußerungen eine strukturelle Möglichkeit des regelgesteuerten Sprechens ist und der Logik eines rekursiven Modells gehorcht, in dem beliebig viele Ereignisse die Einheit des zugrundeliegenden „Type“ nicht gefährden, wie das die Sprechakttheorie formuliert (Searle). Dieses Modell verlangt allerdings eine gewisse Abstandnahme des Sprechers von seinen Äußerungen. Nur unter der Bedingung ihrer relativen(!) Unabhängigkeit von der individuellen, aktuellen und historischeinzigen Sinnintention der Sprecher:innen können die Ereignisse, die diese wiedergeben(!) wollen, zu wiederholbaren Elementen einer überindividuellen Konvention (die types) werden. Das jeweilige Sprecherindividuum nimmt Abstand, geht in „Absenz“, um der Allgemeinheit des Systems Platz zu machen.

Wenn die Abwesenheit und die Wiederholbarkeit Möglichkeiten logischer Ordnung darstellen, dann lassen sie sich mit de-facto-Argumenten, etwa dem Hinweis auf die tatsächliche Einmaligkeit einer situierten Äußerung oder der Gegenwart des Sprechenden beim Äußerungsakt, nicht abtun.

Iterabilität ist nicht notwendig Iteration und absent sein können ist nicht notwendig abwesend sein. Was als Möglichkeit nicht ausschließbar ist, muß nicht notwendigerweise Notwendigkeit werden. Sobald aber kodifizierte Typen ausgetauscht werden, „gibt es“ die Möglichkeit, eine erste Artikulation durch eine zweite zu ersetzen und also von der immer virtuell abwesenden Konvention abzurücken. Das heißt, es besteht immer die Möglichkeit der Markierung der Markierung. Selbst wenn „Sender“ und „Empfänger“ dieselbe Person (juristisch betrachtet) ist, ist das „Zeichen“ nach der Wiederholung nicht mit sich identisch. Aus diesem Zusammenhang einer logischen Ordnung betrachtet, kann zum Beispiel selbst eine kritische Werkausgabe von etwas nicht immer herangezogen werden, um daraus zitierend ein „gewichtiges“ sogenanntes starkes Argument abzuleiten. Das Anarchiv ist gegenüber dem Archivierten meist in einer zu starken Position der Ungewißheitshaltung. Ein Brief heute ist morgen schon nicht mehr der Brief mit derselben Intention selbst des Absenders, geschweige denn erst recht nicht der Leseintentionalität des Empfängers.

Das ist die Zeit und das Band des ein anderes Mal.

Nach dem Durchgang durch die Lücke der Iteration lesen Sie hierzu auch und besonders den „Vater-Text“ Namen-des-Vaters von J. Lacan! Deutsche Version im Verlag Turia + Kant, Wien 2006, franz. Original Des Noms-duPère, Éditions du Seuil, Paris 2005 ) – wer kennt den markierten „Sinn“!

Wie die Identität beweisen? Jede Gegenwart zeitigt sich, verkoppelt ihr Moment der Zukunft mit ihrer Vergangenheit, ohne daß deswegen beide dasselbe wären. Die Identität des Zeichens selbst, durch das es sich oder etwas anderes/und etwas anderes kennzeichnet, erweist sich als vermittelt durch die Kluft eines Abstandes – die Differenz.

Eine Differenz ist zu überwinden, ein Aufschub zu überbrücken, bevor das Zeichen seine Gleichheit mit sich selbst bewähren kann. Das sokratische Auge, das sich selbst in einem anderen sieht, ist ein Auge, das die Differenz überwinden muß. Niemals kann es sich „selbst“ sehen, immer nur vermittelt über ein anderes, und also ist es selbst ein anderes.

Nie handelt es sich um fugenlose Unmittelbarkeit. Die Unmittelbarkeit ist ein Mythos.

 Es gibt keinen Sinn zuvor, der sich dann in der Kette der Zeichen authentisch wieder-vergegenwärtigt.

Der Sinn „spielt“ zwischen Markierungen als ein Spiel von Beziehungen und Verweisungen. Er sitzt in den Lücken des Schweigens (Adorno). Ein „Inhalt“ vorher und nachher bleibt „sich“ nicht gleich. Die Philosophische Praxis besetzt (vielleicht) die Lücken des Schweigens und verleiht der Dialektik des Nichtidentischen Stimmen. Stimmen ohne Führung. Stimmen, die Tonleitern aufundnieder tanzen, ohne jemals die Leiter (um nur kurz L. Wittgenstein zu erinnern) wegwerfen zu müssen, die es vielleicht gar nicht mehr gibt oder die es so gar nie gab.

Die Philosophische Praxis als erotische, durch libidinale Energie gespeiste, Sorge der Differenz auf der Leiter der Versuchung der Kommunikation in der Inkommunikabilität läßt uns vielleicht den Unterschied beherzigen und mit unseren Gesprächspartner:innen erleben, was der „Maßstab“ für eine bessere Welt sein kann und werden könnte.   

Ein Anliegen der Philosophischen Praxis wäre demnach der Versuch der Einschätzung dessen, wie weit es gehen „darf“ und wie weit es gehen „muß“. Was zuallererst die Frage nach meinem ICH aufruft mit dem Ansinnen nach einer Einschätzung, einer Abwägung, wie weit ich auf diesem Weg, diesem Méthodos kommen darf, kommen will, kommen kann, kommen soll oder sogar kommen  muß.

„Man kann, wenn man in einer Kerkerzelle kauert, nicht mehr aufs Wort vertrauen.  Dieses liefe Gefahr, nur mehr klingende Verlautbarung des Nichts zu sein. Das Wort entfaltet sich am heiterhellen Tag. Jedoch das Schweigen? Wer wagte es, sich mit ihm anzulegen? Bündnis. Zähne zusammenbeißen. Dem Wort Einhalt gebieten. Verschwiegen sein. Festhalten. Durchhalten. Das Schweigen ist gleich der restlosen Verwerfung unwählbarer Worte; nicht Negation, vielmehr Disqualifizierung.“ Edmond Jabès, für nelson mandela

„Denken, das heißt sprechen, befindet sich vielleicht immer in dieser unbequemen Situation, dem gemurmelten Sinn sein Ohr leihen zu müssen, um ihn nicht zu verfälschen, und ihn in eine artikulierte Rede verwandeln zu müssen, wenn er sich nicht verlieren soll. (…) Damit Denken wahr sein kann, darf es keine denkende Substanz, kein Denkvermögen, keine Denktätigkeit unabhängig vom Gedachten geben. Wahr ist es insofern, wie die gedachte Sache selbst, leibhaftig, wie Husserl sagte, zur Sprache kommt.“ (…)

„Sprechen heißt kommunizieren.“ (…)  

Unsere Erfahrung lebendiger Rede ist nicht die der Wiedergabe eines vorgefertigten Diskurses. Es ist die einer Einstellung auf den Gesprächspartner, auf die Fragen, die er uns stellt und die er uns in Bezug auf das von uns Gedachte, auf unsere eigene Botschaft oder auf das, was wir dafür hielten, zu stellen zwingt. Es ist die eines Spiels, eines Austauschs, eines Zirkulierens von Zeichen.

Kommunikation setzt voraus, damit dieser Austausch nicht zur bloßen Wiederholung wird, zur Versteifung der Gesprächspartner auf ihre jeweilige Position, dass ich nicht nur ich selbst mit meinen Gründen und Gefühlen, sondern auch der andere mit den seinen bin. Sie setzt auch voraus, dass der andere ich selbst, also der Andere seiner selbst ist.

Dann können wir miteinander eine Rede und, wie Heraklit gesagt hätte, ihre Harmonie herstellen, ihre Einheit mit dem Krieg, den wir gegeneinander führen.“ ( Jean-François Lyotard, Wozu philosophieren? ÜS Thomas Laugstien, diaphanes, Zürich-Berlin 2013, S. 63 f. )

Von dieser „Harmonie“, die Lyotard hier, Heraklit zitierend, aufruft, sind wir heute in der Welt sehr weit entfernt worden. Die russischen Armeen auf den ukrainischen Schlachtfeldern und die russischen Raketenangriffe auf die Zivilbevölkerung der Ukraine und auf deren Infrastruktur inmitten eines kalten Winters läßt uns den stalinistischen Holodomor (ÜS: Tötung durch bewußte Aushungerung, Tötung durch Hunger) als Wiederholung, verursacht durch Putin und die Putinisten,  im Jahr 2023 befürchten. Es „sprechen“ zurzeit leider nur die Waffen ihre todbringende Sprache in der Ukraine.

Die Voraussetzungen für Verhandlungen sind nicht gegeben. Putin „muß“ die richtigen Schritte machen. Er darf, soll, kann und muß! In Richtung Waffenstillstandsverhandlungen und anschließende Friedensgespräche. Es liegt an ihm. Nur an ihm!

In der zweiten Reihe an der russischen Bevölkerung, sowie an deren Voraussetzungen zu einem Überleben und einem in der Folge vernünftigen Leben in Würde, Ehre und Anstand.  Wo ist der russische Anstand hin? Was ist der russische Mensch in seiner Mehrheit heute? Wir wissen es nicht. Vielleicht haben wir es noch nie gewußt.

 Das Zirkulieren der Zeichen ist zum Stillstand gekommen. Die Kommunikation aus Rußland hat zurzeit keine zu erbringende Voraussetzung. Putin ist. Militär überall und über die Maßen.  Und sonst?

Die Theorie wurde abgesagt. Praxis von etwas kann also keine erfolgen. Technik? Militärtechnik!

Gesellschaftsmechaniken?

Null. Nada. Niente. Rien ne va plus. Nichts geht mehr.

Là ils se rendent compte que rien ne va plus.   Dort merken sie, dass nichts mehr stimmt. 

Nichts von Harmonie (Lyotard, Heraklit) in Sicht.    Reine Opsis.   Kratisches Sehen. Nur mehr. Überall in diesem Territorium Russische Föderation.

Der Fragende ist versteift, hat sich verrannt, verrennt sich immer weiter, ward pathologisch, ward und ist diktatorisch, er wird zum Alleinherrscher. Er ist Alleinherrscher. Er ist allein. Er hat seine väterliche Stimme verloren. Seines Vaters Stimme.  Seines Vaters Stimme. Das Gesetz des Vaters vergessen! (Lacan

Er fordert, lockt und ködert, zwingt zu einer Antwort. Eine Antwort, die die Frage dadurch erzwingt, wie sie gestellt ist. Eine Antwort, die die „Frage“ bereits selbst beantwortet. Keine rhetorische Frage, sondern eine methodische, eine teleologische. Der Weg, eine Sackgasse. Kein Ausgang. Kein Fortkommen. Bildungswege? Wege? 

(…) (…) (…) #  

Head of a Grammatological Philosophical Practice since 1989 in Vienna and beyond 

Wie wir wissen, kann es keine unmittelbare Selbsterfahrung geben, – wir bleiben immer auf Distanz zu uns selbst ! (vgl. Derrida, Psyche, Erfindungen des Anderen)

Ich selbst bin mir ein bekannter Fremder (!!!)

Ich erinnere an das Potential der Affizierung und Immunisierung beziehungsweise der Auto-Immunisierung (vgl. unser Posting zur Affizierung) !

Die Brücken zum Anderen und zum „eigenen“ Anderen sowie die Passagen, Markierungen, Spurungen, Königswege zum Unbewußten (Ubw) als das Andere, – das gefährliche gefährdete Andere !

Das Unbewußte, das invasive Ubw, die Krise der Hermeneutik !

Das Andere als Öffnung zur „Unentscheidbarkeit“ hin.

Derrida (vgl. „Gesetzeskraft“) spricht von einem „Gespenst“ des Unentscheidbaren, das jedes Entscheidungs-Ereignis heimsucht.

Das Gespensterhafte dekonstruiert jede Möglichkeit von Gewißheit, jede Möglichkeit einer Selbstversicherung, jede Möglichkeit von Gegenwärtigkeitsversicherung, jegliche Kriteriologie zur versuchten und vermeintlichen Absicherung der Gerechtigkeit einer Entscheidung.

Politik kann somit keine Anleitungen in normativer Hinsicht leisten, es herrscht quasi eine normative Unbestimmtheitsrelation zwischen Politik und Gesellschaft vor.

Die Freiheit der Andersheit des Anderen ermöglicht Lebenspraxen des Überlebens, die sich in der Begegnung der „Others of the Other und der Others of myself (J. Butler, Undoing Gender, New York 2004, p. 131ff.) vollzieht.

Das Denken der Schrift (vgl. Blog-Teaser, Blogspot-Blog 2014 ff.) ereignet sich auch in einer Art „Wiederkehr des Verdrängten“!

Die Kulturleistungen verdanken ihre Kraft und zwingende Macht der Wiederkehr des Verdrängten, besonders gut sichtbar an den Religionen dieser Welt. Es handelt sich um permanente Erinnerungsarbeit, um Wiedererinnerungen von meist sehr alten, sehr effektiven weil sehr affektiven beziehungsweise affizierenden Vorgängen in der Geschichte der Menschheit.

Diese historischen Wahrheiten aufgrund der permanenten Wiederholung machen diese Kulturen so stark, mehr als das reale Ereignis und seine Wahrheit!

Beispiele wie Moses, Jesus oder Mohammed zeigen das in aller Vehemenz bis heute. Mit allen negativen und positiven Wirkungen und Nebenwirkungen. Und wider alle Vernunft! (vgl. Kant, Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft )

Die Wiederkehr des Verdrängten ereignet sich individuell, aber auch auf staatlicher Ebene.

Die verdrängten Körper vor der „Festung Europa“ etwa. Die Folgen des europäischen Imperialismus der letzten Jahrhunderte. Die Verschiebungen der durch den Imperialismus gezogenen Grenzlinien.

Grenzlinien von Staaten auf ehemaligen und in Resten noch vorhandenen Stammesgebieten.

Grenzlinien der Macht. „Wo Macht Recht ist.“

Diese Grenzlinien vergangener Mächte, sie brechen auf in die Geschichte der Gegenwart. Das verdrängte Unterdrückte bricht ein in den Alltag der sogenannten zivilisierten Demokratien.

Demokratien, die selbst um ihr Kommen ringen.

Ein Marker für Demokratien im Kommen ist die Abschaffung der Todesstrafe. Ein anderer Marker wäre und ist das Aufnehmen von Flüchtlingen.

Grenzlinien der Macht. Sie brechen auf. Migrationsbewegungen sind das sichtbare Symptom.

Europa und die übrige Welt muß handeln im Sinne der Menschenrechte und im Sinne der Menschlichkeit ! (vgl. meinen Blog-Post „Für eine menschenfreundliche Flüchtlingspolitik“ vom 11. 10. 2013)

Empathie! Hilfe!

Der Andere, – das bin Ich! Und das bist Du!

Die Struktur und die Artikulationsweise des Unbewußten sorgen dafür, daß wir immer im Verzug sind und uns immer etwas vorausliegt.

Unsere Vergangenheit, unsere Geschichte, die sich nie und nirgends in voller Selbst – Gegenwärtigkeit und Selbst – Präsenz erfahren hat lassen und läßt.

Nicht aneigenbar! Kein Eigenes! Ein Fremdes! (vgl. Blog-Teaser!, Blogspot-Blog 2014 ff.)

Ein Ent-stelltes! Verdichtet, verschoben, nachträglich bearbeitet. Traum – Arbeit!

Achtung! Gefahr der Entstellung!

Auch der Psycho – Analyse! Immer! Überall!

Denken der Schrift. Grammatologie. (vgl. Blog-Teaser)

Macht ist Körpern den Zugang zu Räumen versperren zu können!

Hans Ulrich Gumbrecht, „Was sich nicht wegkommunizieren läßt“, – in: Kommunikation. Medien. Macht, hg. v. R. Maresch, N. Werber, Frf. 1999, S. 331:

Macht ist die Möglichkeit, Räume mit Körpern zu besetzen, und das heißt auch: Körper aus Räumen zu verdrängen und Körpern den Zugang zu Räumen versperren zu können.“

(Transl.: Power is the possibility to occupy spaces with bodies, and that also means: to displace bodies out of spaces and to be able to deny them access to spaces.)

Wunsch, Abwehr, Konflikt, Erinnerungsmaterial, Wahrnehmung, Erfahrung

Sexuelle, ethnische und nationale Identitäten sind nicht körperbiologisch begründbar. Es handelt sich (wie oben dargelegt) um Realitätseffekte performativer Handlungen.

Unsere Körper sind politische!

Mit Turnheim behaupte ich eine grundsätzliche Verwandtschaft von Psychoanalyse und Demokratie und von Dekonstruktion und Demokratie. Alle drei Namen sprechen von der Irreduktibilität der Singularität bei gleichzeitiger versuchter Wiederholbarkeit!

Psychoanalyse und Dekonstruktion behaupten beide eine Irreduzibilität der Hetero-Affektion in der Erfahrung eines „Eigenen“ und beide gehen von einem Wirken eines inneren Fremdkörpers aus!

Der Ort und die Zeit, das Territorium „Wo Macht Recht ist.“

Die Illisibilität eines jeden Textes und seine „Grundlosigkeit“! (vgl. Michael Turnheim, Das Andere im Gleichen, S. 11)

Der Analytiker ist ein Leser, eine Leserin. Und! Der Analytiker wird zum Schreiber, zum Schriftsteller als lesenden.

Die Lekritüre der Grammatologie.

Text bleibt unlesbar lesbar ! (vgl. R. Barthes Illisibilität)

Die „Einschreibung“ ist nicht „für immer“, eine jede Einschreibung ist endlich wie das Subjekt selbst, dessen „Archiv“ zerstört werden kann wie jedes Archiv. Auch jedes Medienarchiv.

Durch die Bewußtmachungsarbeit passieren Dinge, die wir nicht planen, nicht kontrollieren können.

Affizierungen !

Die diversen Affizierungen und Immunisierungen sind unkontrollierbar. Sie basieren und passieren aufgrund der jeweiligen individuell biographischen Vor-Einschreibungen.

Laplanche betont, daß die „psychische Realität“ nicht von einem selbst geschaffen wird, sondern wesentlich invasiv ist: Sie kommt von außen auf uns als das Unbewußte anderer ! (vgl. A. Zupancic, Warum Psychoanalyse?, S. 40 und vgl. meine Videos zu Sprache und Unbewußtes)

face à face , –

zum je eigenen Narzißmus und zur Situationsgebundenheit in (m)einer Philosophischen Praxis:

Jacques Derrida:

„Es gibt weder den Narzißmus noch den Nicht-Narzißmus; es gibt mehr oder weniger verständnisvolle, freigiebige, offene und ausgedehnte Narzißmen, und was man normalerweise als Nicht-Narzißmus bezeichnet, ist für gewöhnlich nur die Ökonomie eines viel einladenderen und gastlicheren Narzißmus, der offen gegenüber der Erfahrung des Anderen als Anderem ist. Ich glaube, daß die Beziehung zum anderen ohne die Bewegung der narzißtischen Wiederaneignung vollkommen zerstört wäre, von vornherein zerstört. Die Beziehung zum anderen muß … – selbst wenn sie asymmetrisch bleibt, offen und ohne mögliche Wiederaneignung – sie muß eine Bewegung der Wiederaneignung in das Selbstbildnis skizzieren, damit beispielsweise Liebe möglich ist. Liebe ist narzißtisch.

Da gibt es kleine Narzißmen, da gibt es große Narzissmen, und am Ende steht der Tod als Grenze. Noch in der Erfahrung – wenn es eine ist – des Todes selbst gibt der Narzissmus nicht vollkommen auf.“ (J. Derrida, in „Auslassungspunkte“, S. 212, Passagen Verlag Wien 1998)

[ vgl. S. Freud, Zur Einführung des Narzißmus, 1914; und vgl. bes. :

J. Lacan, Écrits, s. 174 u. 187 u. Lacan, Propos sur la causalité psychique, 1946; ]

Der Narzißmus ist der erotische „Atem“ zum Anderen als sein Spiegelbild zu sich selbst.

(Gerhard Anna Concic-Kaucic, = Gerhard Kaučić & Anna Lydia Huber)

face à face:

Die narzißtische Beziehung – und eine „Beziehung“ ohne Narzißmus ist nicht denkbar – begründet die imaginäre Definition einer jeden menschlichen Beziehung (Gerhard Kaucic).

Ich denke, ja, ich bin mir sicher, sicher für mich selbst, – politische Handlungen, Setzungen, Neuerungen, Innovationen, Interventionen, Erfahrungen berühren etwas, was viele von uns als Philosophie verstehen.

Politische Handlungen implizieren Philosophisches. Das Politische deckt sich nicht mit dem Staatlichen. Jede politische Handlung impliziert Philosophie.

Und nochmals hinlenkend zum Schluß unseres Gespräches auf die Thematik Ihres politischen Engagements. Was ich Ihnen mitgeben, mit auf Ihren Heimweg geben möchte.

Jedes politische Engagement, jede innovative oder interventionistische politische Handlung impliziert schon von Anfang an ein philosophisches Moment, eine Art von Drehmoment, welches uns den Zwang einer „inneren“ Verpflichtung auferlegt, nämlich die Verpflichtung der Reflexion über das Politische, das Gesellschaftliche und die Geschichte und die Essenz, das Wesen, den Sinn und den Auftrag des Staates in Hinsicht auf das Demokratische der Idee der Demokratie und die Relationen zu dem, was sich in der Vergangenheit und der Gegenwart unter diesem Namen verbirgt und sich uns fallweise zeigt.

Identität durch Körpererfahrung in der Form von Gewalt und das Erleben und Selberspüren der eigenen Gewaltfähigkeit als Machtgefühl. Fremdenfeindlichkeit und Gewalt als Stabilitätsfaktor des autoritär entstandenen Charakters. Oft auch in der Form der Gewaltausübung an Frauen. Eine Definition von Männlichkeit als gelebte Brutalität auch im Hinblick auf etwaige beunruhigende Fragen nach der eigenen Geschlechtsidentität.

Weiter oben sprach ich von dem Anderen als den Fremden und ich zitiere Benveniste mit den Worten, der Fremde war immer schon und a priori der Feind.

Nun, um zu einem Ende zu kommen, – übrigens, das war auch der Inhalt des Endens unserer kürzlich  vor wenigen Tagen erfahrenen philosophischen Praxis gewesen, – noch schnell ein paar Gedanken aus dem psychoanalytischen Feld zum Thema Fremdenfeindlichkeit und Gewalt.

Psychoanalyse ist zuerst einmal Psychoanalyse des Individuums und erst aus den daraus gewonnenen Erfahrungen mithilfe der psychoanalytischen Begrifflichkeit eine Möglichkeit sich gesellschaftlichen Phänomenen und Beschreibungen zu öffnen, um diese zu analysieren und hernach in einem dritten Schritt so weit wie möglich zu dekonstruieren.

Selbstbehauptung in gewissen Milieus geschieht mittels Abgrenzung von anderen, den so genannten Fremden. Und falls diese Fremden wenig geachtete Leute sind, verschafft das den Mitgliedern von Gruppen in diesen Milieus eine gewisse Selbsterhöhung.

Die Ausgrenzung von Fremden und die Ausgrenzung des Fremden generell ist oft ein wichtiger Teil der Identitätsfindung und Selbststabilisierung. Eine Bejahung des als eigen erfahrenen Selbsts.

Wir alle wissen, daß diese Fremdheit meist bald schwindet und daß Fremderfahrung eine aufhebbare ist, nicht nur zwischen Einzelwesen, sondern auch zwischen Gruppen und sogar ganzen Völkern.

Zum Selbst habe ich mich schon oben (mit Freud) geäußert! Wie wir wissen, kann es keine unmittelbare Selbsterfahrung geben, – wir bleiben immer auf Distanz zu uns selbst ! (vgl. Derrida, Psyche, Erfindungen des Anderen)

Kommen Sie gut nach Hause. 

Gerhard Kaučić & Anna Lydia Huber

Philosoph, Philosophin,

Philosophische/r  Praktiker:in, Schriftsteller:in (Jg. 1959)

 PP Wien

Deconstruction has an ethical component !

Dekonstruktion hat eine ethische Komponente ! 

Freundschaft Freude Freiheit

Freudensprünge

friendship  joy  freedom

jumping of joy

PHILOSOPHISCHE PRAXIS WIEN PHILOSOPHISCHE PRAXIS ÖSTERREICH PHILOSOPHISCHE PRAXIS OESTERREICH EUROPA

[[ In Klammern:

Solche Erfahrungen sind es auch, was uns nachdenklich macht. Nachdenkend, reflektierend. Reifer!

Klammern zu ]]

…………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………. Philosophical Practices / Politics / Disseminations …………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………… Unsere Aufgabe ist es, die Diskurse der Macht, der Herrschaft, der Autorität – und jeder Diskurs impliziert Machtausübung ! – zu durchkreuzen, logothetisch (im Sinn der Schaffung einer neuen Sprache / einer anderen Sprachverwendung) zu disseminieren, indem wir deren Intertextualitäten, die Kreuzungspunkte vieler anderer Texte in einem jeden Text in viele heterogene Teile auseinander treiben. Der Intertextualität zugrunde liegt die Multiplizität der Codes, die grundsätzlich unbeschränkt ist. ……………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………. Mise-en-Abyme ……………………………………. mise en abîme ………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Abyssos …………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………….. intertextuelle Strukturen als die „Natur“ der Sprache ………………………………………………………. ……………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………….. This reason of understanding, limited by „territory“ (temporally and spatially), the image of temporary textual-configurations ( mise en abyme, picture in picture in picture…), „picture“ as a metaphor of re-flection, the picture of the mirror without tinfoil, the picture of standing behind the mirror as „standing“ in the mirror, – a mirror of distortion and performance/performation (!), a mirror of the initial transformation without origin, – a mirror, which gives the picture ( away ! ?!) for our language, – our language as graphically marked poetics of communication, – literally ! (see J. Derrida, La dissémination, p. 350 und passim) ……………………………………………………………. ……………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………. Jede Lektüre ( auch „Gespräche“ müssen gelesen werden! Gehörtes ist gehört worden und in der verstehenden Verstandestätigkeit „gelesen“ worden. Aus-gelesen! Ausgewählt! Aus-sortiert! Aus der gehörten „Wirklichkeit“ er-hört und ent-hört, ver-hört, verwirklicht, verkettet, sprachverkoppelt, verlesen!, zusammen-ge-lesen!, zusammengesammelt, ver-sammelt, ge-doublet, ge-setzt, produktiv ausgelesen! ) muß erst eine signifikante Struktur produzieren. Es gibt kein Kriterium für die Identität des Sinns eines Ausdrucks: die Interpretation wird im wissenschaftlichen Sinne eine Sache der Unentscheidbarkeit, was nicht gleich heißt, daß man sie nicht in einem passageren Einverständnis vieler LeserInnen vorübergehend quasi-fixieren und ver- und bewerten könnte und sollte. Sogenannte „Verstehens-Inseln“ temporärer Textkonfigurationen! Ver-stehen auch im Sinne von: eine kleine oder größere Gruppe von Diskurspartizipanten „steht“(!) temporär auf temporär gesichertem „Verstehens“- bzw Verständnis-Grund! ………………………………………………………. ……………………………………………………………………………………………………………………………………………. Dieser Verständnisgrund, dieses „Territorium“ begrenzten (zeitlich und räumlich) Verstehens, das Bildnis temporärer Textkonfigurationen ( mise en abime, Bild im Bild im Bild…), „Bild“ für die Metapher der Re-flexion, das Bild vom Spiegel ohne Stanniol, das Bild vom hinter dem Spiegel stehen als in dem Spiegel „stehen“, – ein Spiegel der Verzerrungen und Performungen, ein Spiegel der ursprünglich ursprungslosen Verwandlungen, – ein Spiegel, der das Bild ab-gibt (!) für unsere Sprache, – unsere Sprache als graphisch markierte Poetik der Kommunikation, – buch-stäblich ! (Vgl. J. Derrida, La dissémination, p. 350 und passim) ………………………………………………………………………………. …………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Philosophical Practices / Politics / Disseminations …………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………. …………………………………………………………………………………………………………………………………………… Unsere Aufgabe ist es, die Diskurse der Macht, der Herrschaft, der Autorität – und jeder Diskurs impliziert Machtausübung ! – zu durchkreuzen, logothetisch ( im Sinn der Schaffung einer neuen Sprache / einer anderen Sprachverwendung / einer intensivierten Wahrnehmung / einer komplexeren Lesbarkeit ) zu disseminieren, indem wir deren Intertextualitäten, die Kreuzungspunkte vieler anderer Texte in einem jeden Text in viele heterogene Teile auseinander treiben. Der Intertextualität zugrunde liegt die Multiplizität der Codes, die grundsätzlich unbeschränkt ist. ………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………. The intertextuality and its underlying multiplicity of codes is principally unlimited and unlimitable. The growing deconstruction – textualities and their texture of connotation are not includable or even determinable by any context. ……………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………………………………………….. More complex readability ! More complicated readability of the world ! Intensified perception ! ! ………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………. …………………………………………………………………………………………………………………………………………. ……….. ……….. To contact me, please use only this email: g.kaucic[at]chello.at ……… ………… ………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………..

Jedes Jahr ein Jubiläum / Jedes Jahr bewußt leben

Gerhard Kaučić / Djay PhilPrax, Wien ( Dr. phil. ), Philosophical Practitioner, Writer

Gerhard Kaučić,

b. 1959, Philosopher, Writer, 66, 2025

Gerhard Anna Cončić-Kaučić

Titel von Gerhard Anna Cončić-Kaučić bei Passagen

Gerhard Anna Cončić-Kaučić

S/E/M/EI/O/N/ /A/OR/IST/I/CON II
oder zur Autobiographie Sem Schauns

Reihe Passagen Literaturprogramm

/S/E/M/EI/ON/ /A/OR/IST/I/CON ist ein siebenbändiger Großtext, eine disseminative Lekritüre, dessen zweiter Band der Dekonstruktion von ‚Finnegans-Wake‘ gewidmet ist. Große Literatur ist nicht einfach nur Sprache, die bis zur Grenze des Möglichen mit Sinn geladen ist, wie Ezra Pound meinte, James Joyce verwirklichte, Arno Schmidt und Hans Wollschläger fortführten, sondern sie ist Schrift im Sinne Jacques Derridas, die diese Grenze ständig verschiebt, verdichtet, entstellt. Der Text besteht aus vielen Buchstaben, aus sehr vielen – und jeder Buchstabe ist ein ganzes Universum an Bedeutungen – mehr noch – an „Zeichen“. Jedes dieser Zeichen ist in Bezug auf sich „selbst“ und in Bezug auf alle anderen Zeichen zu setzen und zu lesen. Kein Zeichen darf nicht gelesen werden. Wie im ‚Book of Kells‘ oder den Handschriften des alten Orients in der „untergegangenen“ Bibliothek Sarajewo.
Dieser Grenzgang durch die Felder von Literatur, Theorie, Informatik, Wissenschaft, Philosophie und Sprachen arbeitet in und mit allen Überlieferungen des Orients, des alten Europa, der neuzeitlichen Wissenschaften und Literaturen sowie der postmodernen Theorie.

Gerhard-Anna Concic-Kaucic, geboren 1959, Schriftsteller, Wien.





Gerhard Anna Cončić-Kaučić

S/E/M/EI/O/N/ /A/OR/IST/I/CON III
oder zur Autobiographie Sem Schauns

Reihe Passagen Literaturprogramm

/S/E/M/EI/ON/ /A/OR/IST/I/CON/ ist ein siebenbändiger Großtext, eine disseminative Lekritüre, dessen dritter Band der Dekonstruktion von Wissenschaft und Theorie gewidmet ist. Große Literatur ist nicht einfach nur Sprache, die bis zur Grenze des Möglichen mit Sinn geladen ist, wie Ezra Pound meinte, James Joyce verwirklichte, Arno Schmidt und Hans Wollschläger fortführten, sondern sie ist Schrift im Sinne Jaques Derridas, die diese Grenze ständig verschiebt, verdichtet, entstellt. Konzis arbeitet Inspektor Sem auf dem Strich vor dem Gesetz. Telquel die Bannmeile Europa, Sucht und Seuche, Wissenschaft und Wahrheit, Mikroben, Gene, Spuren zur Autobiographie Sem Schauns.
Dieser Grenzgang durch die Felder von Literatur, Theorie, Informatik, Wissenschaft, Philosophie und Sprachen arbeitet in und mit allen Überlieferungen des Orients, des alten Europa, der neuzeitlichen Wissenschaften und Literaturen, sowie der postmodernen Theorie.

Gerhard-Anna Concic-Kaucic, geboren 1959, Schriftsteller, Wien.





Gerhard Anna Cončić-Kaučić

S/E/M/EI/O/N/ /A/OR/IST/I/CON I
oder zur Autobiographie Sem Schauns

Reihe Passagen Literaturprogramm

/S/E/M/EI/ON/ /A/OR/IST/I/CON/ ist ein siebenbändiger Großtext, eine disseminative Lekritüre, dessen erster Band der Dekonstruktion von Religionen und Mythologien gewidmet ist. Große Literatur ist nicht einfach nur Sprache, die bis zur Grenze des Möglichen mit Sinn geladen ist, wie Ezra Pound meinte, James Joyce verwirklichte, Arno Schmidt und Hans Wollschläger fortführten, sondern sie ist Schrift im Sinne Jacques Derridas, die diese Grenze ständig verschiebt, verdichtet, entstellt.
Dieser Text schreibt in sich einen Roman, ein Gedicht, ein Epos auch. Die Geschichte ist ein Krimi rund um den Helden Sam. Eine Geschichte ein Ro man zum letzten Helden, zum ersten Helden.
„Es“ ist „Ain Traum Booch“ – wie der „Unter-Titel“ sagt. Dieser Grenzgang durch die Felder von Literatur, Theorie, Informatik, Wissenschaft, Philosophie und Sprachen arbeitet in und mit allen Überlieferungen des Orients, des alten Europa, der neuzeitlichen Wissenschaften und Literaturen sowie der postmodernen Theorie.

Gerhard-Anna Concic-Kaucic, geboren 1959, Schriftsteller, Wien.

Gerhard Anna Cončić-Kaučić

S/E/M/EI/O/N/ /A/OR/IST/I/CON IV
oder zur Autobiographie Sem Schauns

Reihe Passagen Literaturprogramm

/S/E/M/EI/ON/ /A/OR/IST/I/CON ist ein siebenbändiger Großtext, eine disseminative Lekritüre, dessen vierter Band der Dekonstruktion von Sexualität und Sexualisationsprozessen gewidmet ist. Große Literatur ist nicht einfach nur Sprache, die bis zur Grenze des Möglichen mit Sinn geladen ist, wie Ezra Pound meinte, James Joyce verwirklichte, Arno Schmidt, Hans Wollschläger und Oswald Wiener fortführten, sondern sie ist eine Schrift im Sinne Jacques Derridas, die diese Grenze ständig verschiebt, verdichtet und entstellt.
Inspektor Sem dekonstruiert Rhetoriken, Sexualanthropologien, Psychagogien, erfindet Schnittstellen, Codes von Liebesrelationen, Liebesmodellen, Geschlechterbeziehungen, decouvriert Paradigmen von Geschlechterdifferenz. Differenz zwischen Liebe und Tod.
Dieser Grenzgang durch die Felder von Literatur, Theorie, Informatik, Wissenschaft, Philosophie und Sprachen arbeitet in und mit Überlieferungen des Orients, des alten Europa, der neuzeitlichen Wissenschaften und Literaturen sowie der postmodernen Theorie.

Gerhard-Anna Concic-Kaucic, geboren 1959, Schriftsteller, Wien.

Gerhard Anna Cončić-Kaučić

/S/E/M/EI/ON/ /A/OR/IST/I/CON V
oder zur Autobiographie Sem Schauns

Reihe Passagen Literaturprogramm

Mit dem fünften Band von ‚S/E/M/EI/ON/ /A/OR/IST/I/CON/ oder zur Autobiographie Sem Schauns‘ erscheint ein weiterer Text in der Reihe zur Autobiographie des Agenten Sem. Sem, Privatdetektiv, Inspektor, Geheimagent, ist Akteur im System Sprache. Die Schrift im Sinne Jacques Derridas ist sein Medium und auszuspionierendes geheimdienstliches Operationsfeld. Das „Echelon-Projekt“ repräsentiert als Ergebnis die Matrix eines großen Lauschangriffs auf das Humanum schlechthin: Identität, Körper, Reproduktion, Sexualität, Macht, Gewalt, Repräsentation, Sprache, Semiotik, Gedächtnis, Wissen, Archiv. Zugleich ist dieser Text vielleicht die Erfüllung der Forderung von Helmut Heissenbüttl nach einer Literatur für intellektuelle LeserInnen und eine Liebeserklärung an Jacques Derrida.

Gerhard-Anna Concic-Kaucic, geboren 1959, Schriftsteller, Wien.

In English:

CORONA WHEELING CROWNING

The leap. Leaving the book. The production, the emancipation, the liberation of writing.

……………………. Semeion Aoristicon oder zur Autobiographie Sem Schauns …………………..

……. THE SENTENCE ………. the jump ……… the set ……. the leap o f ….

I ask if Sem VI is not my / our blog composition !?!

I ask (me / us) if Sem VII is not my / our blog.

I ask if my/our blog will not be Sem VI and Sem VII?

And shall be!

Or must be?

Already is, will be or even must be and will have to be !?!

The set. The leaving of the book.

The production, the emancipation, the liberation of the writing.

Gerhard Anna Cončić-Kaučić

Semeion Aoristicon or to the autobiography of Sem Schauns

Falls Sie interessiert sind an einer PP mit mir/uns, bitte nur unter dieser E-mail einen Termin reservieren: To contact me/us, please use only this email: g.kaucic[at]chello.at

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Philosophers, Writers, Philosophical Practitioners, Mediators, Translators, Feminists, Freeriders, (Wild) Camping Enthusiasts, Survivors Vienna, Austria, Europe

Philosophical Practice weltweit … rund um die Uhr … rund um die Welt, … „face à face“, … confidential one-to-one conversation, … around the clock … around the world

Grammatologische Philosophische Praxis Dr. Gerhard Kaucic / Djay PhilPrax ( geb. 1959, Autor, Philosoph, PP seit 1989 ) Gespräch, Analyse, Diskurs, Problematisierung, Identitätsdislokation, Subjektivierung, Formalisierung, Fältelung, Komplizierung, Aporie, Dekonstruktion

Öffnungszeiten / Hours of opening:  Mo –  Do:  11 – 20 Uhr

Honorar nach Vereinbarung / Charge by arrangement

Gespräche outdoor/indoor: Grammatologien, Kontextualisierungen, Analysen, Komplizierungen, Plurivalenzen, Dependenzen, Interdependenzen, Grammatiken, Aporien, Dekonstruktion…rund um die Uhr…rund um die Welt…

around the clock …around the world

cf. Jacques DerridaSignatur Ereignis Kontext, – in: Randgänge der Philosophie, Wien 1988, S. 291-314 ( Französische Originalausgabe: Marges de la philosophie, Paris 1972 )

Philosophical Practice Vienna 1989 ff. Analysis Complication Aporia Identity Dislocation Meta-thesis Deconstruction

Cf. list of publications at: https://scholar.google.at/citations?user=wNUSN64AAAAJ&hl=de   

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